https://www.faz.net/-gpf-z3jz

Amerika : Regierung veröffentlicht neue Bin-Ladin-Videos

  • Aktualisiert am

Bild: afp

Ein alternder Terrorist mit Decke um die Schultern vor dem Fernseher: Knapp eine Woche nach der Tötung Usama bin Ladins hat die amerikanische Regierung Videos aus dessen Versteck präsentiert. Das Pentagon in Washington gab insgesamt fünf Videoclips ohne Ton frei.

          2 Min.

          Nach dem Tod von Usama bin Ladin entdeckte Videos belegen nach Meinung der amerikanischen Regierung, dass der Topterrorist bis zuletzt die Organisation Al-Qaida strategisch geführt hat. Die von der amerikanischen Regierung freigegebenen Aufnahmen, die am Samstag in mehreren amerikanischen Medien (wie New York Times und MSNBC) gezeigt wurden, seien bei dem Übergriff auf das Versteck Bin Ladins in Pakistan von amerikanischen Soldaten sichergestellt worden.

          Die fünf Filme ermöglichen der Öffentlichkeit einen ersten Einblick in bin Ladins Leben in seinem Versteck in Abbottabad. Auf den Bildern ohne Ton ist ein Bin Ladin zu sehen, wie ihn die Öffentlichkeit bislang nicht kannte.

          Einer der Filme zeigt den alt anmutenden Al-Qaida-Chef mit grauem Haar und Bart. Gebeugt sitzt er mit einer Decke über den Schultern und einer Strickkappe auf dem Kopf vor dem Fernseher. Mit einer Fernbedienung in der Hand betrachtet er seine eigenen Videoclips, während er gelegentlich nickend vor- und zurückwippt. Seinen linken Arm setzt er nicht ein. Nach Meinung der Ermittler könnte dies darauf hindeuten, dass der Terrorchef bleibende Verletzungen einer Schusswunde davongetragen hatte. Bin Ladin sitzt in einem kargen Raum mir kahlen Wänden. Sein altmodischer Fernsehapparat ist mit einem Decoder verbunden. Unklar ist, ob der Raum zu Usamas Anwesen in Abbottabat gehört, wo ihn amerikanische Spezialkräfte am vergangenen Sonntag überwältigten und töteten.

          Medienwirksamer präsentiert sich Bin Ladin in einer bis zu seinem Tod nicht ausgestrahlten Videobotschaft an die Vereinigten Staaten, in der er nach Ermittlerinformationen gegen den Kapitalismus wettert. Weitere Filme zeigen, wie der Al-Qaida-Chef für Videobotschaften übt.

          Das Pentagon hatte am Samstagmittag (Ortszeit) eine Reihe ausgewählter, amerikanischer Journalisten zu einem Briefing eingeladen, um tonlose Kopien der Filme auszugeben. Der Wortlaut der Botschaften soll geheim bleiben. Das Material gehört zu den über Hundert Audio- und Videodokumenten, die amerikanische Spezialkräfte vor einer Woche beim Sturm auf Bin Ladins Anwesen in Abbottabad, nahe der pakistanischjen Hauptstadt Islamabad, sichergestellt hatten. Bei dem Angriff war der Terrorist erschossen worden.

          Den amerikanischen Behörden zufolge sind die Videobänder nur ein Bruchteil des Materials, das bei der Operation sichergestellt wurde. Noch nie zuvor sei es gelungen, so viel Material eines Top-Terroristen zu beschlagnahmen. Auch Telefonnummern und andere Dokumente wurden sichergestellt, mittels derer sich die Behörden erhoffen, das Terrornetzwerk zur Strecke zu bringen, das hinter den Anschlägen vom 11. September 2001 steckt.

          Aus Ermittlerkreisen in Washington drang unterdessen an die Öffentlichkeit, dass ein privates Telefonat die Fahnder auf die Spur des Topterroristen geführt hat. Demnach erregte ein Handy-Gespräch von Bin Ladins Kurier mit einem alten Freund die Aufmerksamkeit des amerikanischen Geheimdienstes. Der Freund habe den Kurier, Abu Ahmed al-Kuwaiti, gefragt, wo er denn so lange gesteckt habe. Daraufhin habe der geantwortet: „Ich bin wieder bei den Leuten, bei denen ich früher war.“

          Als die Agenten dieses Gespräch mitgehört hätten, sei ihnen klar gewesen, dass sie auf eine heiße Spur geführt worden seien, so die „Washington Post“ - ungeachtet der strengen Vorsichtsmaßnahmen des Bin Ladin-Teams. So habe es auf dem Gelände in Abbottabad, auf dem sich der Topterrorist versteckt hielt, weder eine Telefon-, noch Internet-, noch Fernsehleitung gegeben. Mitarbeiter des Al-Qaida-Chefs seien zum Telefonieren 90 Minuten weit weg gefahren. Erst dann hätten sie die Batterien in ihre Handys gelegt.

          Weitere Themen

           Regierung will neues Unabhängigkeitsreferendum Video-Seite öffnen

          Schottland : Regierung will neues Unabhängigkeitsreferendum

          Schottlands Regierungschefin Nicola Sturgeon will kommendes Jahr ein Referendum über eine Unabhängigkeit von Großbritannien abhalten. Bis zum Jahresende wolle sie die notwendigen Befugnisse für ein Referendum einholen.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.