https://www.faz.net/-gpf-6u9t8

Amerika : Iranisches Attentat vereitelt

  • -Aktualisiert am

Im Visier: der saudische Botschafter Adel al Dschubeir Bild: REUTERS

Nach Überzeugung Amerikas hat Iran einen Mordanschlag in Auftrag gegeben. Ziel sei der saudische Botschafter in Washington gewesen. Teheran wies die Anschuldigung als „Erfindung“ zurück.

          2 Min.

          Das Regime in Teheran hat nach Überzeugung der amerikanischen Regierung einen Mordanschlag gegen den saudischen Botschafter in Washington in Auftrag gegeben. Wie Justizminister Eric Holder in der Nacht zum Mittwoch in Washington mitteilte, wurde Anklage gegen zwei Agenten der Al-Quds-Einheit der iranischen Revolutionsgarden erhoben.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Der 56 Jahre alte Mansur Arbabsiar, der sowohl über die amerikanische wie die iranische Staatsangehörigkeit verfügt, wurde am späten Dienstagabend als mutmaßlicher Drahtzieher des Anschlags wegen des Verdachts, einen Mordanschlag, den Einsatz einer Massenvernichtungswaffe und einen Akt des Terrors geplant zu haben, dem Haftrichter bei einem New Yorker Bundesgericht vorgeführt.

          Im Fall einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft. Arbabsiar war am 29. September auf dem Kennedy-Flughafen in New York verhaftet worden. Als Mitverschwörer nannte Holder den Iraner Gholam Shakuri, der seit langem als Unterstützer des internationalen Terrorismus bekannt sei und sich in Iran aufhalte.

          Nach Einschätzung Holders besteht kein Zweifel, dass das Komplott zur Ermordung des saudischen Botschafters Adel al Dschubeir vom Regime in Teheran „erdacht, gefördert und gelenkt“ worden sei. Dschubeir sollte bei einem Bombenanschlag auf die saudische Botschaft oder bei einem Feuerüberfall auf ein von Dschubeir häufig frequentiertes Restaurant in Washington getötet werden.

          Mögliches Anschlagsziel: die saudische Botschaft in Washington
          Mögliches Anschlagsziel: die saudische Botschaft in Washington : Bild: AFP

          Die beiden Verschwörer hätten zudem mit einem vermeintlichen Komplizen aus dem Milieu mexikanischer Drogenkartelle weitere Bombenanschläge geplant, unter anderem gegen die israelische Botschaft in Washington. Präsident Barack Obama sei seit Juni regelmäßig über den Fortgang der Ermittlungen unterrichtet worden, sagte Holder.

          Die Vereinigten Staaten würden sowohl die beiden Angeklagten als auch Teheran für ihr Handeln zur Rechenschaft ziehen, sagte der Justizminister. Da die Al-Quds-Einheit ein „Bestandteil der iranischen Regierung“ sei, seien ranghohe Angehörige des iranischen Militärs sowie des Regimes in Teheran in das Komplott nicht nur eingeweiht gewesen, sondern hätten dieses „gelenkt und gebilligt“.

          Mexikaner sind in Wahrheit Agenten des FBI

          Holder sagte, die Ermittlungen der amerikanischen Bundespolizei FBI hätten ergeben, dass sich Arbabsiar im Mai in Mexiko erstmals mit einem vermeintlichen Mitglied eines mexikanischen Drogenkartells getroffen habe, um bei diesem die Anschläge in Auftrag zu geben. Dem Mexikaner, der in Wahrheit ein Agent des FBI war, seien 1,5 Millionen Dollar für den Auftragsmord zugesagt worden. Eine erste Tranche von 100.000 Dollar sei bereits gezahlt worden.

          Die saudische Botschaft in Washington dankte der amerikanischen Regierung in einer ersten Erklärung vom späten Dienstagabend dafür, das „abscheuliche Komplott“ vereitelt zu haben. Aus Riad gab es zunächst keine offizielle Stellungnahme zu dem geplanten Anschlag.

          Teheran sagt: „Konstruiertes Szenario“

          Iran wies die Anschuldigungen als „konstruiertes Szenario“ zurück. Mit den Vorwürfen wolle Washington von den innenpolitischen Problemen in den Vereinigten Staaten ablenken, sagte ein Berater des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadineschad in Teheran.

          Die Planung eines Anschlags durch die iranische Al-Quds-Einheit auf die saudische Botschaft kommt einer Kriegshandlung Teherans gegen Riad gleich. Die ohnedies gespannten Beziehungen zwischen Washington und Teheran sowie die offene Feindseligkeit zwischen Saudi-Arabien und Iran werden durch das aufgedeckte Mordkomplott mit vorerst unabsehbaren Folgen weiter belastet.

          Weitere Themen

          Ein Polizeieinsatz, der Amerika veränderte

          George Floyd : Ein Polizeieinsatz, der Amerika veränderte

          In Minneapolis beginnt der Prozess gegen den Polizisten, der George Floyd getötet hat. Ihm drohen viele Jahre Haft. Die Verteidigung will seinen brutalen Einsatz gegen den Afroamerikaner wohl versuchen zu rechtfertigen.

          Topmeldungen

          Demonstranten vor dem Hennepin County Government Center, wo der Prozess gegen den Polizisten beginnt, der George Floyd getötet hat.

          George Floyd : Ein Polizeieinsatz, der Amerika veränderte

          In Minneapolis beginnt der Prozess gegen den Polizisten, der George Floyd getötet hat. Ihm drohen viele Jahre Haft. Die Verteidigung will seinen brutalen Einsatz gegen den Afroamerikaner wohl versuchen zu rechtfertigen.
          Serbiens Präsident Aleksandar Vučić

          Serbien und die Mafia : Fußball, Tod und Marihuana

          Serbiens Präsident Vučić sagt einem Führer der Mafia den Kampf an und konfrontiert die Bevölkerung mit grausamen Bildern. Dabei hatte er selbst Verbindungen in das Milieu.
          Nicolas Löbel (CDU) spricht während einer Sitzung des Deutschen Bundestags.

          Affäre um Corona-Masken : Löbel tritt aus der CDU aus

          Der Bundestagsabgeordnete Nikolas Löbel tritt wegen der Affäre um Geschäfte mit Corona-Masken aus der CDU aus und legt sein Bundestagsmandat nieder. Über den Fall Nüßlein berät die CSU am Nachmittag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.