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Amedy Coulibaly : Der Terrorist, der Sarkozy die Hand schüttelte

  • Aktualisiert am

Amedy Coulibaly starb bei dem Polizeieinsatz nach der Geiselnahme am Freitag Bild: AFP

Der mutmaßliche Komplize der Kouachi-Brüder gab während seiner Geiselnahme in Paris ein Interview. In den Medien war er vor fünfeinhalb Jahren schon einmal: bei einem Empfang im Élysée-Palast.

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          Es war ein Tag im Juli 2009, als Amedy Coulibaly Frankreichs Präsidenten traf. Im Élysée-Palast regierte damals Nicolas Sarkozy. Der Politiker empfing zehn junge Franzosen, mit denen er über seine Arbeitsmarktpolitik sprechen wollte. Coulibaly, damals 27 Jahre alt und Auszubildender bei Coca-Cola, war einer von ihnen. Die Zeitung „Le Parisien“ berichtete über die Veranstaltung und druckte ein Foto von Coulibaly. Das Treffen mit Sarkozy finde er beeindruckend, sagte er damals. Egal ob man ihn möge oder nicht, er sei ja immerhin der Präsident.

          Fünfeinhalb Jahre später ist Coulibaly wieder in den Medien. Doch die Geschichte, die dieses Mal erzählt wird, ist eine andere: Coulibaly ist Teil einer islamistischen Anschlagsserie. Während sich die Kouachi-Brüder zwei Tage nach ihrem Attentat auf „Charlie Hebdo“ in einer Druckerei verschanzen, dringt der mittlerweile 32 Jahre alte Franzose am Freitag in einen jüdischen Supermarkt ein und nimmt dort mehrere Geiseln. Gegen 15 Uhr ruft er den Fernsehsender BFMTV an und gibt abermals ein Interview.

          Er sei hier weil der französische Staat das Kalifat der Gruppierung IS angegriffen habe. Der Reporter fragt ihn, ob er Anweisungen für seine Aktionen bekommen habe. „Ja“, antwortet Coulibaly.

          Zu diesem Zeitpunkt ist sein Fahndungsfoto bereits in allen Nachrichtensendungen zu sehen. Bereits am Donnerstag soll er in Montrouge südlich von Paris eine Polizistin erschossen haben. Im Gespräch mit BFMTV präsentiert sich Coulibaly als Komplize der Kouachi-Brüder: „Wir haben uns für den Anfang dieser Operationen abgestimmt. Sie ’Charlie Hebdo’, ich die Polizisten.“

          Mehrere Jahre im Gefängnis

          Es ist nicht das erste Mal, dass der Franzose mit dem Gesetz in Konflikt kommt. Coulibaly, der in Juvisy-sur-Orge im Süden von Paris als siebtes von insgesamt zehn Kindern zur Welt kam, wurde in der Vergangenheit wegen Diebstahls, Raubs und Drogenhandels mehrfach verurteilt und hat Jahre im Gefängnis verbracht. Aber erst 2010 fiel sein Name in Verbindung mit einem islamistischen Unterfangen: Er war an Plänen beteiligt, einen inhaftierten Islamisten aus dem Gefängnis zu befreien. Bei seiner Festnahme wurden bei ihm 240 Kalaschnikow-Patronen gefunden. Ende 2013 wurde er deswegen zu fünf Jahren Haft verurteilt, wegen seiner Zeit in Untersuchungshaft kam er im vergangenen Jahr wieder auf freien Fuß.

          Während einer seiner Haftstrafen lernte er Chérif Kouachi kennen - und den Islamisten Beghal, der auch auf ihn einen großen Einfluss ausübte. „Ich will, dass sich die Armee aus dem Islamischen Staat zurückzieht, aus allen Gebieten, wo sie den Islam bekämpft“, sagt er in dem kurzen Gespräch mit BFMTV am Freitag. Er fügt hinzu: „Ich bin bereit zu verhandeln.“ Auf die Frage, wie viele Menschen sich in dem Supermarkt befänden, antwortet er: „Es gibt vier Tote und 16 Personen mit Kind, das macht 17 mit einem Kind.“

          Bei seinen Telefonaten zeigt sich Coulibaly später unvorsichtig. Nach einem Anruf beendet er die Verbindung aus Versehen nicht. Die Polizei kann so mitverfolgen, was bei der Geiselnahme im Supermarkt geschieht. Sie entschließen sich kurz nach 17 Uhr zum Zugriff. Der Sender BMFTV berichtete, der Angriff begann, als Coulibaly Gebete sprach. Im Zuge einer Schießerei bei der Polizeiaktion wird  Coulibaly getötet.

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