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Amadou Toumani Touré : Versöhner

Amadou Toumani Touré (2002) Bild: AFP POOL

Seit Mai 2002 ist Amadou Toumani Touré der gewählte Präsident Malis. Spätestens seit sich die europäischen Geiseln in Mali befinden, ist er ein Glücksfall für Deutschland.

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          Das erste Mal hatte "ATT" sich noch in das höchste Amt Malis geputscht. Seit Mai 2002 ist Amadou Toumani Touré der gewählte Präsident Malis. Spätestens seit sich die europäischen Geiseln in Mali befinden, ist er ein Glücksfall für Deutschland. Ohne den Einsatz des in der Sowjetunion und Frankreich ausgebildeten früheren Karriereoffiziers, den die Malier meist nur nach den Anfangsbuchstaben seiner Namen ATT nennen, wäre ein unblutiges Ende der Geiselnahme wohl nicht möglich gewesen. Fast täglich habe das Präsidentenbüro in den vergangenen Tagen offenbar mit der deutschen Botschaft in Mali in Kontakt gestanden, hieß es aus Bamako. Zugleich entsandte Touré zwei erfahrene Vermittler in den Norden. Eine wichtige Rolle spielte dabei für den Präsidenten Amadou Baba Touré: Der ehemalige Chef des malischen Geheimdienstes gilt als Vertrauter von ATT. Gemeinsam hatten sie 1991 den Diktator Moussa Traoré aus dem Amt vertrieben, der 26 Jahre regiert hatte.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Unter afrikanischen Putschisten blieb Touré jedoch eine große Ausnahme: Nur 14 Monate blieb er Präsident. Er setzte eine Nationalkonferenz ein, die eine neue Verfassung vorbereitete und für 1992 Wahlen ansetzte. Touré hielt sich an sein Versprechen und zog sich aus der Politik zurück. Aber er trug schon damals wesentlich dazu bei, daß Mali bald als eines der wenigen afrikanischen Musterländer galt, das sich ernsthaft um eine Demokratisierung bemühte - ein Engagement, das auch in Deutschland auf Anerkennung stieß: Der Staat gehört zu den sogenannten Schwerpunktländern deutscher Entwicklungshilfe. Bundespräsident Rau besuchte 2001 Mali und würdigte damit seine Vorbildrolle.

          Im Jahr 2001 war noch Tourés Vorgänger Konaré im Amt. Doch die Malier hatten ATT auch nach seinem Rückzug aus der Politik nicht vergessen. Im Oktober nahm er - mittlerweile zum General befördert - seinen Abschied aus der Armee. Zuvor hatte er zunächst in Burundi und später in der Zentralafrikanischen Republik zwischen der Regierung und meuternden Militärs vermittelt. Zudem leitete er eine Wohltätigkeitsstiftung für Kinder. In einer Stichwahl setzte er sich dann im Mai 2002 mit 64,4 Prozent der Stimmen durch.

          Es war ein Vertrauensvorschuß für schwierige Aufgaben. Zwar ist mittlerweile Frieden in den von Tuaregs bewohnten Norden des Landes eingekehrt. Mehrere Jahre hatte dort ein blutiger Bürgerkrieg gedauert. Innenpolitisch ist es ruhig. Dafür suchte im vergangenen Jahr eine große Trockenheit das Land heim, das zu den ärmsten Ländern der Welt gehört. Fast zwei Drittel der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze. Für die malische Führung bleibt hier noch viel zu tun. Zugleich könnten wieder Tourés Fähigkeiten gefragt sein, zu integrieren und zu versöhnen. Denn der 1948 in Mopti geborene Katholik steht an der Spitze eines Landes, dessen Bevölkerung zu etwa 90 Prozent aus Muslimen besteht. In Mali sind Religion und Staat klar voneinander getrennt. Bisher hatten die Muslime aber nicht durch radikale Forderungen auf sich aufmerksam gemacht. Welche Gefahren militante Islamisten bedeuten können, machten den Maliern die Entführer der Sahara-Touristen deutlich. Sie werden einer algerischen Islamistengruppe zugerechnet, die einen islamischen Staat gründen will.

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