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EU und Schweizer Waffenrecht : Der Wilhelm-Tell-Mythos

Für eine Volksabstimmung: Gegner der EU-Waffenrichtlinie sammelten im Januar Unterschriften. Bild: dpa

Am Sonntag stimmen die Schweizer darüber ab, ob sie die EU-Waffenrichtlinie übernehmen. Das Votum ist aber nur das Vorspiel für eine viel wichtigere Entscheidung. Provoziert die Schweiz einen Bruch mit der EU, oder nähert sie sich an?

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          Was nach einem grausigen Ritual klingt, ist das beliebteste Volksfest in Zürich: das „Knabenschießen“. Natürlich schießt da niemand auf Kinder. Vielmehr sind sie selbst es, die das halbautomatische Sturmgewehr 90 der Schweizer Armee in die Hand nehmen und um den Titel des Schützenkönigs wetteifern. Rund 4000 Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren treten an, seit 1991 auch Mädchen. Im Startgeld von zwölf Franken sind die Munition und eine Bratwurst enthalten. Das Knabenschießen, das jedes Jahr im September stattfindet, geht auf einen Brauch aus dem 17. Jahrhundert zurück: Heranwachsende sollten so schon früh für den Dienst an der Waffe begeistert werden.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Die Schweizer sind ohnehin an den Besitz von Feuerwaffen gewöhnt. Jeder Wehrpflichtige der Milizarmee darf seine Waffe nach Ende der Dienstzeit mit nach Hause nehmen. Schätzungen zufolge sind unter den gut acht Millionen Einwohnern des Landes zwei bis zweieinhalb Millionen Schusswaffen im Umlauf. Ein akutes Problem ergibt sich daraus nicht: Die Zahl der Straftaten und Suizide, die mit Schusswaffen verübt werden, geht seit Jahren zurück.

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