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Israel benennt Ort nach Trump : Wo Trump und Russland sich ganz nah sind

Vierzehn Russen sind noch in Bruchim, die Kinder zogen fort ins Landesinnere, die Alten nicht, weil sie es sich woanders nicht leisten können. Sie sind scheu, machen die Türen zu, wenn Fremde kommen. Wladimir sagt, die Behörden hätten immer wieder versucht, sie mit der hebräischsprachigen Bevölkerung zu mischen. Es schlug fehl. „Ich blieb über die Zeit der Einzige, der wirklich Hebräisch kann.“

Seit der Annexion 1981 werden die Golanhöhen zivil verwaltet. Bis heute leben dort nur 20.000 Juden. Wladimir sagt, er habe so viel in diesen Ort gesteckt, dass er sein Leben lang bleibe. Jetzt ist er 74. Er habe immer aufs Land gewollt, wo es ruhig und menschenleer ist. Die Vögel zwitschern, die Pinien wiegen sich im beständigen Wind am Rand der Berge.

Am Sonntag ist das aber erst mal vorbei. Dann soll in Bruchim der Ort „Ramat Trump“ ausgerufen werden: die „Trump-Höhe“. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat versprochen, einen Ort nach Donald Trump zu benennen, weil der amerikanische Präsident die Annexion der Golanhöhen gebilligt und sie als israelisches Staatsgebiet anerkannt hat. Auf dem verfallenen Basketballplatz will das Kabinett öffentlich tagen. Die Regierung verspricht hundert neue Häuser, zur Hälfte für religiöse, zur anderen für säkulare Israelis. Doch gibt es einen Haken: Die Regierung ist nach der gescheiterten Koalitionsbildung nur kommissarisch im Amt. Sie kann keine finanziellen Zusagen machen.

„Der Name Trump schafft eine Atmosphäre, die Business bringt“

Das Ziel von Haim Rokach, dem Vorsitzenden des Golan-Regionalrats, ist die Verdopplung der jüdischen Bevölkerung auf dem Golan binnen zehn Jahren. Rokach fühlt sich von einer höheren Macht unterstützt. „Wenn man sich die Ereignisfolge anschaut, erst die Wahl Trumps, dann die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt von Israel, die Verlegung der Botschaft, dann die Anerkennung, dass der Golan auf immer Israel bleibt, Netanjahus Entscheidung, hier jetzt zu bauen – jemand von ganz oben entscheidet das für uns Menschen.“ Sogar der Kasinomilliardär Sheldon Adelson, der Trumps Wahlkampf maßgeblich bezahlte, soll hier in der Nähe ein neues 200-Betten-Hotel versprochen haben. „Der Name Trump schafft eine Atmosphäre, die Business bringt“, sagt Rokach. Die Gelegenheit müsse genutzt werden. „Wir sind die Peripherie der Peripherie.“ Auf den Golanhöhen gibt es keinen dauerhaften privaten Landbesitz, Interessenten müssen deshalb lediglich Infrastruktur bezahlen: rund 50.000 Euro für Wasser- und Stromanschluss, dazu die subventionierten Kosten für ein Haus. Rockach erwartet viele junge Familien.

Wladimir sagt, es sei hier schon viel versprochen worden über die Jahrzehnte. „Ich kann festhalten: Wir wohnen immer noch in denselben Häusern.“ Auch Bruchim sei einst für den Übergang geplant worden, bis eine moderne Siedlung ausgehoben ist. Mittlerweile existiert so eine Siedlung zwar in der Nachbarschaft. Aber Wladimir und seine Nachbarn hatten kein Geld für den Umzug. Nach der Armee und der Verteilung russischer Einwanderer ist Trump jetzt der dritte Versuch, Israelis in Bruchim anzusiedeln. „Ich glaube das erst“, sagt Wladimir, „wenn ich es sehe.“

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