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Ali Bardakoglu : Oberster türkischer Religionswächter tritt ab

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Ali Bardakoglu, der vormalige Chef des staatlichen Religionsamtes in der Türkei Bild: AP

Nach sieben Jahren im Amt ist der Chef des staatlichen Religionsamtes in der Türkei, Ali Bardakoglu, zurückgetreten. Spekuliert wird, dem Rücktritt seien Differenzen zwischen Bardakoglu und der Regierung von Ministerpräsident Erdogan vorausgegangen.

          Der oberste türkische Religionswächter Ali Bardakoglu muss überraschend sein Amt aufgeben. Bardakoglu sei nach Auseinandersetzungen mit der islamisch-konservativen Regierung entlassen worden, berichtete Zeitung „Milliyet“ am Donnerstag. Nachfolger an der Spitze der türkischen Religionsbehörde (Diyanet) soll der bisherige stellvertretende Religionswächter Mehmet Görmez werden.

          Die Zeitung schrieb, Bardakoglu habe der Regierung im Kopftuch-Streit eine klare Position verweigert, indem er erklärte, das Kopftuch sei für muslimische Frauen keine religiöse Pflicht, sondern eine persönliche Entscheidung. Alkohol hatte er zwar als Sünde im religiösen Sinne bezeichnet, „egal ob am Steuer eines Autos oder in den Bergen“. Allerdings sei es eine politische Frage, in welchen Situationen der Genuss von Alkohol auch eine Straftat sei. Zudem ging er zuletzt auf Distanz zur Politik. „Ich habe bis heute an keinem Empfang teilgenommen“, sagte er.

          Türkei sieht keine Trennung von Staat und Religion vor

          Der türkische Staatsminister Faruk Celik bestritt, dass Bardakoglu entlassen worden sei. Die Regierung habe ihn immer mit Respekt behandelt. Allerdings kündigte er dem Zeitungsbericht zufolge „radikale Veränderungen“ in der Behörde an. Die laizistische Opposition wirft der Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan vor, eine schleichende Islamisierung der Türkei zu betreiben. Das lange heftig umstrittene Kopftuchverbot in Hochschulen ist zuletzt aber deutlich aufgeweicht worden.

          Anders als in westeuropäischen Ländern sieht die türkische Version des Laizismus keine Trennung von Staat und Religion vor, sondern die Kontrolle des Islam durch den Staat. Das türkische Religionsamt verwaltet alle 80.000 Moscheen im Land, bezahlt die Imame und bereitet die Freitagspredigten vor. Der 2003 ernannte Bardakoglu hatte sich in den vergangenen Jahren durch die Geißelung von Zwangsheirat und Ehrenmorden einen Ruf als Reformer erarbeitet.

          Mehrere Zeitungen berichteten am Donnerstag, in jüngster Zeit habe Bardakoglu die Erdogan-Regierung jedoch verärgert. So lehnte er eine Schiedsrichterrolle seines Amtes im Streit um das islamische Kopftuch ab. Auch habe Bardakoglu das Reformprogramm der Regierung zur Lösung der Kurdenfrage sowie die Haltung Ankaras zur muslimischen Minderheit der Alewiten nicht genügend unterstützt, hieß es. Oppositionschef Kemal Kilicdaroglu kritisierte deshalb den Wechsel beim Religionsamt. Die Regierung dementierte jedoch, dass sie mit Bardakoglu unzufrieden gewesen sei.

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