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Unmut über Westsahara-Politik : Algerien liefert sich Gas-Streit mit Spanien

Satellitenbilder zeigen das Amenas-Gas-Feld in Algerien im Jahr 2012. Bild: AP

Spanien hatte Algerien als zuverlässigen Geschäftspartner empfohlen. Es könne die Abhängigkeit von Russland verringern. Ein Konflikt lässt Zweifel aufkommen.

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          Die Empörung in der algerischen Führung hat sich auch nach zwei Wochen nicht gelegt. Der staatliche algerische Erdöl- und -gaskonzern Sonatrach hat Spanien jetzt mit einer „Neuberechnung“ des Gaspreises gedroht. Das nordafrikanische Land ist seit Jahren der wichtigste Lieferant für den spanischen Markt. Nach dem Ausbruch des Ukrainekriegs hatte die Regierung in Madrid den anderen Europäern Algerien als zuverlässigen Geschäftspartner empfohlen, der längerfristig dazu beitragen könnte, die Abhängigkeit vom russischen Erdgas zu verringern.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Doch auch in Algier geht es nicht nur ums Geld, sondern bei den Handelsbeziehungen spielen politische Erwägungen eine Rolle – besonders wenn es um den Westsaharakonflikt geht, in dem die spanische Regierung eine dramatische Kehrtwende vollzogen hat: Um die diplomatische Krise mit Marokko zu beenden, gab Ministerpräsident Pedro Sánchez nach mehr als 40 Jahren die spanische Neutralität auf. Er nannte den marokkanischen Autonomieplan für die ehemalige spanische Kolonie die „ernsthafteste, realistischste und glaubwürdigste Grundlage für eine Lösung des Konflikts“.

          Damit erkannte Spanien indirekt an, dass die Westsahara ein Teil Marokkos ist und bleiben wird. Aus der Sicht Algeriens, der Schutzmacht der Polisario-Front, die für die Unabhängigkeit der Westsahara kämpft, war das ein „Verrat“, der Spanien möglicherweise mitten im Ukrainekrieg teuer zu stehen kommen könnte.

          Jetzt meldete sich der Sonatrach-Chef Toufik Hakkar über die staatliche algerische Nachrichtenagentur APS zu Wort. Zunächst beruhigte er die anderen europäischen Kunden. „Seit dem Beginn der Krise in der Ukraine explodieren die Gas- und Ölpreise. Algerien hat beschlossen, für alle seine Kunden die relativ korrekten Vertragspreise beizubehalten. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass wir die Preise mit unserem spanischen Kunden neu berechnen werden“, sagte der Vorstandsvorsitzende Toufik Hakkar wörtlich. Derzeit laufen laut spanischen Presseberichten die regelmäßig stattfindenden Gespräche über eine Aktualisierung des Preises mit dem spanischen Importeur Naturgy, der die guten Beziehungen nach Algier lobt.

          Für Madrid hat Marokko Priorität

          Aus Algerien stammen etwa 40 Prozent des spanischen Erdgases, die zum größten Teil über eine Pipeline unter dem Mittelmeer geliefert werden. Italien, das über eine Leitung über Tunesien versorgt wird, ist inzwischen der wichtigste europäische Abnehmer des nordafrikanischen Landes, an dem seit Kriegsausbruch das Interesse wächst. Dessen ist man sich auch in Algier bewusst. Momentan könne man das russische Gas nicht ersetzen, sagte der Sonatrach-Chef Hakkar, „aber unsere Kapazitäten werden sich angesichts des Tempos unserer Explorationen innerhalb von vier Jahren verdoppeln, was vielversprechende Perspektiven für unsere europäischen Kunden eröffnet“.

          Die Chancen, dass Spanien davon profitiert, haben sich erst einmal verschlechtert. Am 19. März rief Algier seinen Botschafter aus Madrid zurück. Bei den neuen Fluggenehmigungen nach Algerien wurde die spanische Gesellschaft Iberia nicht berücksichtigt. Zudem setzte Algerien laut Presseberichten die Rückführung illegaler Migranten aus, die in immer größerer Zahl nach Spanien kommen.

          In der spanischen Regierung hatte man nicht mit einer derart heftigen Reaktion gerechnet. In Madrid hatte die Wiederherstellung der Beziehungen zu Marokko Priorität, das ein wichtiger Partner beim Kampf gegen die illegale Migration ist. Nach 15 Monaten diplomatischem Stillstand kam nun sogar der marokkanische König dem spanischen Ministerpräsidenten zu Hilfe, der wegen seiner neuen Westsaharapolitik auch zu Hause heftig kritisiert wird. Mohammed VI. lud Sánchez „in allernächster Zukunft“ nach Marokko ein.

          Eine für Freitag geplante Reise des spanischen Außenministers wurde daraufhin abgesagt. Der Monarch will angeblich schon in den nächsten Tagen mit Sánchez gemeinsam den Beginn einer „neuen Etappe“ besiegeln. Der Besuch wird während des Ramadans stattfinden, und Sánchez könnte an einem Iftar teilnehmen, dem abendlichen Fastenbrechen, was als eine besondere Ehre gilt.

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