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Diplomatische Krise : Algerien droht Marokko mit Vergeltung

Der algerische Präsident Abdelmadjid Tebboune am 13. Dezember 2019 in Algier Bild: AFP

Drei algerische Zivilisten sollen bei einem marokkanischen Anschlag ermordet worden sein. Algerien hat nun damit gedroht, ihren Tod „nicht ungestraft“ zu lassen. Kommt es zu einer Eskalation der diplomatischen Krise?

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          Der diplomatischen Krise zwischen Algerien und Marokko droht eine bewaffnete Eskalation. „Drei Algerier wurden bei einem barbarischen Anschlag ermordet“, teilte das Büro des algerischen Präsidenten in einer von der Nachrichtenagentur APS verbreiteten Erklärung mit: Ihr Tod werde „nicht ungestraft bleiben“. Nach algerischer Darstellung waren die drei Händler am Montag auf dem Weg aus der mauretanischen Hauptstadt Nouakchott durch die von Marokko annektierte Westsahara in die algerische Stadt Ouargla. Es gebe Hinweise darauf, dass „die marokkanischen Besatzungstruppen in der Westsahara dieses feige Attentat mit einer hoch entwickelten Waffe verübt haben“, heißt es in der Erklärung weiter. Algerien hatte im August seine diplomatischen Beziehungen zu Marokko abgebrochen.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Aus Marokko gab es bisher keine offizielle Stellungnahme. Die Nachrichtenagentur AFP zitierte eine ungenannte Quelle in Rabat, die die algerischen Vorwürfe zurückwies, und betonte, dass es Marokko „nicht zulasse, in einen Krieg hineingezogen zu werden“. Der spanische Marokko-Kenner Ignacio Cembrero spricht von einem marokkanischen Drohnenangriff. „Die wahrscheinlichste Vergeltungsmaßnahme Algeriens wird die Entfesselung der Polisario-Front sein“, sagte er in Anspielung auf die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen der Polisario-Befreiungsfront, die für eine unabhängige Westsahara kämpft, und der marokkanischen Armee.

          Algerien stoppte den Gastransfer

          Algerien unterstützt die Polisario, während Marokko von der internationalen Gemeinschaft fordert, dem Beispiel des früheren amerikanischen Präsidenten Donald Trump zu folgen und die marokkanischen Ansprüche auf die Westsahara anzuerkennen. Vor einem Jahr hatte die Polisario nach 29 Jahren die Waffenruhe für beendet erklärt und das marokkanische Militär angegriffen.

          Der Westsahara-Konflikt spielte eine wichtige Rolle beim jüngsten Abbruch der diplomatischen Beziehungen. Algier wirft Marokko zudem vor, Separatisten in Algerien zu unterstützen, die Regierung auszuspionieren und der „Brückenkopf Israels“ im Maghreb zu sein. Nachdem die Regierung in Algier marokkanischen Flugzeugen die Überflugrechte entzogen hatte, folgte am vergangenen Wochenende ein weiterer Schritt, der für das Nachbarland viel schmerzhafter ist: Algerien stoppte den Gastransfer durch die knapp 1400 Kilometer lange „Maghreb-Europa“-Pipeline, die über marokkanisches Staatsgebiet nach Spanien führt. Marokko hatte dafür sieben Prozent des Gases als eine Art Lizenzgebühr erhalten; das waren jährlich etwa 700 Millionen Kubikmeter. Rund ein Zehntel der marokkanischen Stromerzeugung hing bisher vom Erdgas aus Algerien ab, das vor allem für den Spitzenbedarf genutzt wurde. Eine Alternative ist jetzt der Import von Flüssiggas mit Tankern, der jedoch teurer ist. Längerfristig arbeitet Marokko daran, den Anteil erneuerbarer Energiequellen auszubauen.

          Der Konflikt im Maghreb hat auch Folgen in Europa. Algerien ist der wichtigste Gaslieferant Spaniens, das zwar weiter über die Medgaz-Pipeline direkt mit Erdgas beliefert wird. Diese gleicht aber nur einen Teil der bisherigen Lieferungen aus. Ein großer Teil muss nun verflüssigt und mit Tankschiffen nach Spanien transportiert werden.

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