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Spannungen unter Nachbarn : Algerien bricht diplomatische Beziehungen zu Marokko ab

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Ein ausgebrannter Lastwagen Mitte August nach einem Waldbrand in der Region Kabylei Bild: dpa

Algerien bezichtigt Marokko, Separatisten im Nordosten des Landes zu unterstützen. Sie sollen für schwere Waldbrände dort verantwortlich sein.

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          Seit Monaten gibt es zwischen den Nachbarländern Marokko und Algerien heftige Spannungen. Nun hat die Regierung in Algier ihre diplomatischen Beziehungen zu Rabat abgebrochen. Der algerische Außenminister Ramtane Lamamra warf den marokkanischen Sicherheitsdiensten am Dienstag vor, „einen verabscheuungswürdigen Krieg gegen Algerien, sein Volk und seine Führer“ zu führen. Die Geschichte habe gezeigt, dass „Marokko es nie aufgegeben hat, feindselige Akte gegen Algerien auszuführen“.

          Marokko und Algerien werfen einander gegenseitig die Unterstützung von Separatistenbewegungen im jeweils anderen Land vor. „Die marokkanische Provokation erreichte ihren Höhepunkt, als ein marokkanischer Delegierter bei den Vereinten Nationen die Unabhängigkeit des Volkes der Region Kabylei forderte“, sagte Lamamra am Dienstag.

          Das marokkanische Außenministerium bezeichnete das algerische Vorgehen als „komplett ungerechtfertigt“. Der Schritt sei aber „angesichts der Eskalationslogik, die wir den vergangenen Wochen beobachtet haben“, erwartet worden, erklärte das Ministerium. Der algerischen Entscheidung zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen lägen „falsche und sogar absurde Vorwände“ zugrunde.

          Unabhängigkeitsbewegung verantwortlich für Waldbrände?

          Algerien hatte bereits im Juli seinen Botschafter aus der marokkanischen Hauptstadt Rabat zu Konsultationen zurückgerufen, nachdem der marokkanische Gesandte bei den Vereinten Nationen, Omar Hilale, sich für die Selbstbestimmung der Kabylei ausgesprochen hatte. Algier hatte daraufhin erklärt, es werde die Beziehungen zwischen den beiden Ländern „überprüfen“ und „die Sicherheitskontrollen an den Westgrenzen verstärken“. Die Grenze zwischen Algerien und Marokko ist bereits seit 1994 offiziell geschlossen.

          Die von Algier als Terrororganisation eingestufte Bewegung für die Selbstbestimmung der Kabylei (MAK) kämpft für die Unabhängigkeit der Kabylei, einer berbersprachigen Region im Nordosten Algeriens. Die algerischen Behörden machen die Bewegung für die verheerenden Waldbrände diesen Monat verantwortlich, bei denen mindestens 90 Menschen ums Leben kamen.

          Streit über Polisario-Front in Marokko

          Marokko hatte bereits einmal 1976 die diplomatischen Beziehungen zur algerischen Regierung abgebrochen, als diese die von der Bewegung Polisario-Front ausgerufene Demokratische Arabische Republik Sahara auf dem Gebiet der von Marokko besetzten Westsahara anerkannt hatte. Der marokkanische Gesandte Hilale hatte seine Unterstützung für eine unabhängige Region Kabylei als Reaktion auf Algeriens Unterstützung der Polisario-Front bezeichnet.

          Ein weiterer Streitpunkt zwischen den Ländern ist die Normalisierung der diplomatischen Beziehungen zwischen Marokko und Israel als Gegenleistung für die Anerkennung der marokkanischen „Souveränität“ über die Westsahara durch die Vereinigten Staaten. Algier unterstützt traditionell die Palästinenser im Nahost-Konflikt.

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