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Algerien : Al Qaida bekennt sich zu Anschlägen

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Die Terroranschläge in Algier sind in Algerien und international verurteilt worden. Der algerische Ministerpräsident Belkhadem, der möglicherweise Ziel des Anschlags war, sprach von einer „feigen und kriminellen Tat“. Die Terrororganisation Al Qaida hat sich zu den Anschlägen bekannt.

          Die schweren Terroranschläge in der algerischen Hauptstadt Algier sind in Algerien und international scharf verurteilt worden. Der algerische Ministerpräsident Abdelaziz Belkhadem nannte die Attentate „kriminell und feige“. Die Anschläge seien offensichtlich bewusst in einer Zeit verübt worden, in der man sich in Algerien um eine „nationale Versöhnung“ bemühe. Belkhadem war möglicherweise Ziel des Anschlages auf das Regierungsgebäude.

          Die Europäische Union äußerte sich in einer von der deutschen EU-Ratspräsidentschaft in Berlin veröffentlichten Erklärung bestürzt über die Anschläge und sprach den Opfern ihr Mitgefühl aus. Der amerikanische Außenamtssprecher Sean McCormack sagte, islamische Terroristen blieben eine „anhaltende Bedrohung“ in Nordafrika. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die internationale Gemeinschaft zu einem geschlossenen Handeln gegen die Gewalt auf.

          Bei den schwersten Terroranschlägen in der algerischen Hauptstadt Algier seit Jahren sind am Mittwoch nach
          offiziellen Angaben mindestens 24 Menschen getötet worden. Die Zahl der Verletzten wurde vom Zivilschutz in der Nacht zum Mittwoch mit 222 angegeben.. Ein Selbstmordattentäter riss vor dem Regierungspalast in der algerischen Hauptstadt elf Menschen mit in den Tod, darunter zwei Polizisten, eine schwangere Frau und zwei Kinder aus einem benachbarten Kindergarten. Das teilte der Minister für nationale Soldidarität, Jamal Walad Abbas, mit.

          Ein Selbstmordattentäter soll sich in seinem Auto in die Luft gesprengt haben

          Al Qaida bekennt sich zu Anschlägen

          Die aus der algerischen radikal-islamischen Terrorgruppe GSPC hervorgegangene „Al Qaida des Islamischen Maghreb“ bekannte sich zu diesem Anschlag wie auch zu dem zweiten Attentat auf ein Polizeikommissariat. Die Zahl der Todesopfer werde sich noch erhöhen, befürchtet der Zivilschutz.

          Der Attentäter hatte demnach versucht, vor dem Gebäude, in dem das Innenministerium und das Büro von Ministerpräsident Abdelaziz Belkhadem untergebracht sind, eine Polizeisperre zu durchbrechen. Als ihn die Beamten gestoppt hätten, habe er seine Autobombe gezündet. Im Umkreis von zweihundert Metern gingen Fensterscheiben zu Bruch. Die Detonation war in ganz Algier zu spüren. Zahlreiche Krankenwagen waren im Einsatz, um die Verletzten zu versorgen.

          Bei einer zweiten Explosion, die sich etwa zeitgleich vor einer Polizeistation im Osten der Stadt ereignete, starben nach Angaben von Krankenhausärzten zwölf Menschen. 50 weitere Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Tausende Menschen seien nach den Detonationen auf die Straßen gestürmt.

          Ständiger Konflikt mit Islamisten

          Algerien befindet sich seit 1992 im ständigen Konflikt mit islamischen Fundamentalisten. Damals stand deren Islamische Heilsfront (FIS) bei einer Parlamentswahl kurz davor, die Regierungsmehrheit zu erringen. Die Wahl wurde daraufhin von den Streitkräften für ungültig erklärt, und die Fundamentalisten gingen in den Untergrund. Bei Anschlägen, Überfällen und Kämpfen mit Polizei und Arbmee kamen seitdem schätzungsweise 200.000 Menschen ums Leben. Ende der 90er Jahre flaute die Gewalt etwas ab.

          In einem Referendum vom 29. September 2005 sprach sich die algerische Bevölkerung mit großer Mehrheit für einen Plan von Präsident Abdelaziz Bouteflika zur nationalen Versöhnung aus, verbunden mit einer weitgehenden Amnestieregelung (siehe auch: Portrait: Abdelaziz Bouteflika). Seit einigen Monaten kommt es aber wieder häufiger zu Zwischenfällen vor allem im Osten und in der Mitte des nordafrikanischen Landes. Am vergangenen Wochenende wurden bei Gefechten zwischen Islamisten und Regierungstruppen neun Soldaten und sechs Aufständische getötet. Die Islamisten griffen nach Angaben der Behörden eine Militärpatrouille im Wald von Zaccar an, 250 Kilometer westlich von Algier.

          Suche nach Terroristen in Marokko

          Unterdessen sucht in der marokkanischen Wirtschaftsmetropole Casablanca ein großes Aufgebot an Sicherheitskräften nach etwa zehn „äußerst gefährlichen Terroristen“, die bereit seien, sich selbst in die Luft zu sprengen. Der Suche war eine Polizeiaktion am Dienstag vorausgegangen, bei der sich drei Männer mit Sprengstoffgürteln in die Luft gesprengt hatten, nachdem die Polizei ihr Haus umstellt hatte. Ein vierter wurde erschossen, bevor er seinen Sprengsatz zünden konnte.

          Nach Ansicht eines marokkanischen Experten deutet vieles darauf hin, dass die Mitglieder der Gruppe einen Befehl des ägyptischen Al-Qaida-Vizechefs Ayman al Zawahiri befolgten, „sich lieber selbst in die Luft zu sprengen als der Polizei in die Hände zu fallen“.

          Frankreichs ranghöchster Anti-Terror-Ermittler Jean-Louis Bruguière hatte Mitte März vor der Bildung einer neuen Terrorismusfront in Nordafrika gewarnt. Nach seinen Worten bildete sich um die algerische GSPC ein „radikal-islamistischer Bogen“ durch mehrere Länder der Region. Die GSPC hatte sich im vergangenen September dem Al-Qaida-Netzwerk angeschlossen und nennt sich seitdem Al Qaida des Maghreb. Diese Region umfasst neben Algerien und Marokko auch Tunesien, Mauretanien und Libyen.

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