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Staatspräsident Bouteflika : Der Mann, der ganz Algerien war

Unwürdiger Abgang: Bouteflika überreicht sein Rücktrittsschreiben. Bild: AFP

Abdelaziz Bouteflika brachte dem vom Bürgerkrieg gezeichneten Algerien Stabilität. Doch dann verlor das Land den Anschluss. Jetzt nahm der Präsident Abschied von seinem Amt – und gab dabei ein trauriges Bild ab.

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          Es war ein trauriges Bild, welches das algerische Staatsfernsehen am Dienstagabend verbreitete. In seinem Rollstuhl zusammengesunken, hatte Abdelaziz Bouteflika Mühe, dem Vorsitzenden des Verfassungsrats sein Rücktrittsschreiben zu überreichen. Nach fast 20 Jahren im Amt hatte der Staatspräsident wohl auf einen anderen Abschied gehofft. Angeblich wollte er auf jeden Fall noch die größte Moschee Afrikas eröffnen, die chinesische Bauunternehmen gerade in Algier fertigstellen.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Ob der 82 Jahre alte Politiker sich überhaupt noch selbst äußern konnte und was er tatsächlich mitbekam, konnte oder wollte in Algier schon seit Jahren niemand verlässlich sagen. Seit seinem Schlaganfall vor sechs Jahren hat er sich nicht mehr öffentlich geäußert. Seine Residenz außerhalb der Hauptstadt soll zuletzt einem Pflegeheim geglichen haben, das er praktisch nur noch verließ, um sich in Europa medizinisch behandeln zu lassen.

          Viel zu spät hatten der Präsident und der Machtapparat in seinem Rücken die Konsequenzen aus seiner Schwäche gezogen und damit auch einen großen Teil seines Erbes verspielt. Statt ihm einen würdigen Abschied zu ermöglichen, zwang ihn die Armeeführung, die selbst noch bis vor kurzem wollte, dass er ein fünftes Mal kandidiert, zu einem Abgang durch die Hintertür. Dabei sind auch viele Algerier, die seit Februar gegen eine weitere Amtszeit demonstrierten, ihm dankbar.

          Sein Name bleibt in Algerien mit dem Ende des „schwarzen“ Jahrzehnts des Terrors verbunden. In dem Bürgerkrieg während der neunziger Jahre kamen mehr als 150.000 Menschen ums Leben. Die Anschläge der islamistischen Terroristen und das äußerst harte Durchgreifen der Sicherheitskräfte ließen das rohstoffreiche Land fast ausbluten. Tausende Algerier flohen ins Ausland und sind bis heute nicht zurückgekehrt.

          Weg von der Isolation

          Als Abdelaziz Bouteflika am 14. April 1999 zum Präsidenten gewählt wurde, war die militärische Auseinandersetzung mit dem bewaffneten Arm der Islamischen Heilsfront (FIS) fast vorüber. Seine Kritiker sagen, sein Vorgänger im Präsidentenamt, der General Liamine Zéroual, habe den Terroristen den entscheidenden Stoß versetzt – heute ist Zéroual angeblich als ein möglicher Übergangs-Staatschef bis zu den nächsten Wahlen im Gespräch. Der Zivilist Bouteflika machte sich vor zwanzig Jahren daran, das traumatisierte Land zu versöhnen, aus der internationalen Isolation zu führen und den politischen Wiederaufbau zu beginnen.

          Schon damals hatte er mit dem weitverbreiteten Misstrauen gegen den Machtapparat zu kämpfen. Am Tag vor der Präsidentenwahl 1999 hatten sich alle seine sechs Herausforderer zurückgezogen. Sie befürchteten Manipulationen zugunsten Bouteflikas, der auf die Unterstützung der Armee und der einstigen Befreiungsfront FLN bauen konnte.

          Drei Mal wurde er dann wiedergewählt – im Jahr 2009 mit 90 Prozent der Stimmen, was den Argwohn vieler weckte, die sich an kommunistische Herrscher in Osteuropa erinnert fühlten. Und bis vor wenigen Wochen meinte der algerische Machtapparat, die Wähler, von denen zuletzt weniger als ein Drittel ihre Stimme abgaben, würden ihn auch noch ein fünftes Mal bestätigen. Kein algerischer Staatschef war länger im Amt als er.

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