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Verbindung zu Sexualstraftäter : Kann sich Trumps Arbeitsminister halten?

  • -Aktualisiert am

Alexander Acosta verteidigt seine Handlungen im Fall Epstein auf einer Pressekonferenz im amerikanischen Arbeitsministerium am Mittwoch Bild: AP

Als Bundesstaatsanwalt handelte er einen Deal mit dem mutmaßlichen Vergewaltiger Jeffrey Epstein aus. Jetzt muss sich der amerikanische Arbeitsminister Alexander Acosta dafür rechtfertigen. Aber auch Trump kannte den Täter.

          Alexander Acosta will sich unbedingt im Amt halten. Am Mittwoch verteidigte er sich gegen Vorwürfe, den selbsternannten Milliardär Jeffrey Epstein vor einer langen Gefängnisstrafe bewahrt zu haben. Epstein ist in New York angeklagt, einen Kindervergewaltiger-Ring unterhalten zu haben. Im Jahre 2008 war er in Florida wegen ähnlicher Vorwürfe mit einer milden Strafe davon gekommen.

          Epstein, der minderjährige Mädchen sexuell missbraucht und bezahlt haben soll, musste sich damals lediglich wegen der Nutzung von in den Vereinigten Staaten verbotener Prostitution schuldig bekennen und als „sex offender“ registrieren lassen. Eine Gefängnisstrafe von 13 Monaten saß er zwar ab, durfte aber an sechs Tagen die Woche die Haftanstalt für zwölf Stunden verlassen, um zu arbeiten.

          „Ich wollte ihnen helfen“

          Acosta war damals Bundesstaatsanwalt in Miami und handelte mit Epsteins Anwälten den Deal aus. Der heutige Arbeitsminister behauptete bei einer Pressekonferenz am Mittwoch, ohne ihn hätte Epstein gar nicht ins Gefängnis gemusst. Die „neuen“ Erkenntnisse über Epsteins Taten seien „grauenhaft“. „Ich wollte ihnen helfen“, sagte Acosta über die damals bekannten fast 40 mutmaßlichen Opfer des Investors, von denen einige 13 oder 14 Jahre alt gewesen sein sollen. Dabei gab es damals Zeugenaussagen und eine 53 Seiten lange Anklageschrift, die die Vorwürfe detailliert zu belegen versuchte.

          Die Vereinbarung führte dazu, dass Epstein sich nicht vor einem Bundesgericht verantworten musste, das eigentlich zuständig für Sexualverbrechen gewesen wäre. Sein Schuldbekenntnis legte er vor einem Gericht des Staates Florida ab.

          Acosta wies am Mittwoch jede Schuld an der Freigangsregelung von sich. Diese sei tatsächlich „kompletter Mist“ gewesen, sagte er. Die mutmaßlichen Opfer aus diesem ersten Verfahren wurden nicht über den Deal informiert und klagten deswegen. Ein Bundesrichter gab ihnen im Februar Recht. Die von Acosta ohne ihr Wissen ausgehandelte Vereinbarung verstoße gegen das Gesetz über die Rechte der Opfer von Straftaten.

          Der 66 Jahre alte Epstein war Anfang dieser Woche festgenommen worden. Die aktuelle Anklageschrift der New Yorker Bundesstaatsanwaltschaft umfasst 14 Seiten und wirft ihm vor, ein „weit reichendes Netzwerk von minderjährigen Opfern“ unterhalten zu haben, die er „sexuell ausgebeutet“ habe. Die Opfer seien zum Teil 14 Jahre alt gewesen. Epstein soll auch in New York Dutzende, wenn nicht Hunderte Minderjährige sexuell genötigt, ihnen Geld für Sex bezahlt und sie auch an andere Männer weiter „vermittelt“ haben. Oft soll es sich bei Epsteins Opfern um Jugendliche gehandelt haben, die aus armen Familien stammten, berichtete der „Miami Herald“.

          Minister Acosta hatte am Dienstag getwittert, dass es nun glücklicherweise „neue Beweise und zusätzliche Zeugenaussagen“ gegen Epstein gebe. Doch auch schon 2008 war die Bundesstaatsanwaltschaft davon ausgegangen, dass sie stichhaltige Beweise hatte, vor allem die Aussagen von Teenagern, aber auch SMS-Nachrichten von Epstein.

          Acosta wollte die anwesenden Journalisten am Mittwoch indessen davon überzeugen, dass der Umgang mit sexueller Gewalt vor zehn Jahren ein vollkommen anderer gewesen sei. Man lebe in einer „sehr veränderten Welt“ behauptete er. Streckenweise hörte sich seine Verteidigungsrede an, als sei der Fall Jahrzehnte her – „eher nach 1958 als nach 2008“, kommentierte die „Washington Post“ den Auftritt.

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