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Fernández gewinnt Wahl : Argentinien in den allerschönsten Farben

Große Versprechen: Alberto Fernández mit Cristina Kirchner am Montag Bild: Getty

Das südamerikanische Land ist wirtschaftlich stark angeschlagen. Doch nach seinem Wahlsieg kümmert das den künftigen Präsidenten Alberto Fernández nicht.

          4 Min.

          Träume verkaufen sich derzeit einfach gut in Argentinien. Alberto Fernández hat es vorgemacht. Das Land ist wirtschaftlich angeschlagen und hochverschuldet, die Lebenshaltungskosten sind für viele Argentinier kaum noch zu tragen, die Armut wächst – eine scheinbar ausweglose Situation. Doch Alberto Fernández redet, als kenne er ein Wundermittel. Als er am Sonntagabend nach gewonnener Wahl vor seine Anhänger trat, ließ er Argentinien in den schönsten Farben erstrahlen. Er werde den Argentiniern all das zurückgeben, was ihnen genommen worden sei: Arbeitsplätze, Würde, soziale Sicherheit und mehr. Viele der ausgewählten Gäste in der Festhalle waren zu Tränen gerührt. Und draußen auf der Straße, wo sich bereits Stunden zuvor Tausende Argentinier zum Volksfest versammelt hatten, brach Jubel aus. „Eine Schweigeminute für Macri, der tot ist“, besangen sie die Niederlage von Präsident Mauricio Macri, dem sie die ganze Misere in die Schuhe schieben.

          Tjerk Brühwiller

          Freier Berichterstatter für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Doch politisch tot ist Macri noch lange nicht. Die Wahl am Sonntag ging weniger klar aus, als zu erwarten war. In den Vorwahlen im August hatte Fernández den Präsidenten noch um 16 Prozentpunkte übertrumpft. Das Resultat war so klar, dass es den Sieg von Fernández am Sonntag bereits vorwegnahm und einen Sturz an den Finanzmärkten in Gang setzte. Doch Macri hat Boden gutgemacht. Fernández fuhr mit 48 Prozent der gültigen Stimmen zwar einen ungefährdeten Sieg im ersten Wahlgang ein (45 Prozent sind nötig). Allerdings schnitt Macri wesentlich besser ab als noch in der Vorwahl; am Ende kam er auf mehr als vierzig Prozent. Fernández erzielte ein starkes Ergebnis in der Provinz Buenos Aires, wo rund vierzig Prozent der Wähler leben. Die Peronisten holten in der Provinz einen Stimmenanteil von mehr als fünfzig Prozent und werden dort mit dem früheren Finanzminister Axel Kicillof auch den nächsten Gouverneur stellen. Im Hauptstadtdistrikt Buenos Aires bleibt das Bündnis von Macri an der Regierung. Die Peronisten haben alles richtig gemacht, um Präsident Mauricio Macri aus dem Amt zu drängen.

          Der entscheidende Schachzug war die Auswahl des Kandidaten: Nicht die frühere Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner trat gegen Macri an, sondern der eher gemäßigte Alberto Fernández – mit Kirchner als Kandidatin für das Amt der Vizepräsidentin. Kirchners riesige Anhängerschaft war somit im Boot, doch ein Zusammenschluss der zuvor gespaltenen Blöcke des Peronismus wäre unter ihr nicht möglich gewesen. Zudem wäre Kirchner zu angreifbar gewesen. Gegen sie laufen nicht nur zahlreiche Korruptionsverfahren, sie trägt auch eine Mitschuld an der wirtschaftlichen Krise Argentiniens. Doch hinter Fernández konnte sich der Peronismus, diese in Argentinien dominierende und politisch heterogene Bewegung, vereinen.

          Vom Bruch mit Cristina Kirchner zurück zum Bündnis

          Fernández und Kirchner kennen sich schon lange. Der sechzig Jahre alte Anwalt und Vater eines Sohnes aus geschiedener Ehe war bereits unter Kirchners 2010 verstorbenem Mann und Vorgänger Néstor Kirchner von 2003 an Kabinettschef. Er behielt diesen einflussreichen Posten auch, als Cristina Kirchner 2007 Präsidentin wurde. Kurz darauf kam es jedoch zum Bruch zwischen Fernández und Kirchner, als die frühere Präsidentin mit dem mächtigen Agrarsektor in einen offenen Konflikt trat. Fernández distanzierte sich und entwickelte sich zu einem Kritiker Kirchners innerhalb des Peronismus. 2013 schloss er sich gar dem oppositionellen Flügel des Peronismus an.

          So sieht Dankbarkeit aus: Fernández hält ein T-Shirt empor mit der Aufschrift „Danke für alles, Nestor“. Tatsächlich war die Nähe zu Nestor Kirchner, einem seiner Vorgänger, einer der Schlüssel auf dem Weg zur Macht.

          Fernández war nie eine auffällige Figur, doch er hatte durch seine Nähe zu Néstor Kirchner viel Einfluss gewonnen. Neben politischem Kalkül dürfte diese Verbundenheit mit Néstor Kirchner wesentlich dazu beigetragen haben, dass die beiden wieder zusammenfanden und so die Wiedervereinigung der Peronisten möglich machten. Am Wahltag, der zugleich Nestor Kirchners Todestag war, zeigte sich Fernández berührt und sagte vor der Presse, dass Néstor Kirchner ihm raten würde, das zu tun, was er tun müsse.

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