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Asylstreit in der EU : Albanien lehnt Flüchtlingslager auf eigenem Boden ab

  • Aktualisiert am

Hofft auf eine EU-Lösung: Edi Rama Bild: AFP

Ministerpräsident Edi Rama sagt, er sei dagegen, „Menschen irgendwo abzuladen wie Giftmüll“. Eine Lösung der Flüchtlingskrise müsse von ganz Europa erreicht werden.

          Im Streit über die Reform der europäischen Migrationspolitik lehnt Albanien eine Errichtung von EU-Asylzentren auf seinem Staatsgebiet kategorisch ab. „Wir werden niemals solche EU-Flüchtlingslager akzeptieren“, sagte Ministerpräsident Edi Rama der „Bild“-Zeitung. Dies gelte auch dann, wenn seinem Land als Gegenleistung ein EU-Beitritt in Aussicht gestellt werde. Er sei grundsätzlich dagegen, „verzweifelte Menschen irgendwo abzuladen wie Giftmüll, den niemand will“.

          Albanien werde immer bereit sein, einen gerechten Beitrag zur Bewältigung europäischer Lasten zu leisten, sagte Rama weiter. Aber das könne nicht heißen, dass sein Land die Probleme für alle schultere. Es sei eine „gefährliche Lösung, Albanien zum Wellenbrecher für Europas Flüchtlinge“ machen zu wollen. „Die Flüchtlingskrise muss ungeachtet des aktuellen Stands unserer Beitrittsversuche bewältigt werden“, forderte Rama.

          Für Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Deutschen hatte Rama ein Lob parat. Sie hätten durch die Flüchtlingsaufnahme 2015 das Ansehen Europas „in einer Weise gewahrt, die unsere Gründerväter stolz gemacht hätte“.

          Die EU-Staaten hatten der Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit Albanien am Dienstag grundsätzlich zugestimmt. Spekuliert wurde, ob dieser Schritt mit einer Zusage Albaniens zusammenhängen könnte, den Aufbau von Auffangcamps für Flüchtlinge zu erwägen. Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz und auch EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani hatten sich zuletzt für die Einrichtung solcher Lager außerhalb der derzeitigen EU-Außengrenze ausgesprochen – in Albanien und Mazedonien.

          Merkel möchte auf dem EU-Gipfel an diesem Donnerstag und Freitag für eine „europäische Lösung“ in der Flüchtlingspolitik werben. Allerdings rechnet sie noch nicht mit einer umfassenden Vereinbarung zu einem gemeinsamen europäischen Asylpaket.

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