https://www.faz.net/-gpf-9n0oc

Alarmstufe Rot : Ist Iran gefährlicher als sonst?

Soldaten der iranischen Armee marschieren am 18. April 2019 an den Spitzen des Regimes in Teheran vorbei. Bild: EPA

Botschaftsmitarbeiter gehen, Kriegsschiffe und Kampfbomber kommen. Die Vereinigten Staaten schlagen Alarm und warnen vor möglichen Angriffen des Teheraner Regimes im Nahen Osten. Dabei bleiben Fragen offen.

          Alarmstufe Rot. Das scheint der Zustand der amerikanischen Regierung zu sein, seit Vertreter der Geheimdienste des Landes von spezifischen und glaubwürdigen Gefahren für Bürger der Vereinigten Staaten in der Region gewarnt hat. Doch nach dem Abzug amerikanischer Botschaftsmitarbeiter aus dem Irak und der Verlegung von Kriegsschiffen und Langstreckenbombern in die Golfregion häufen sich in Amerika und bei seinen Verbündeten die Nachfragen, was dran ist an den Einschätzungen, die manche von ihnen offenkundig nicht nachvollziehen können.

          Die Gründe für den Alarm in der amerikanischen Regierung ruhen, soweit nachvollziehbar, auf zwei Argumenten. Sorgen vor Raketenangriffen iranischer Boote im Persischen Golf. Angebliche Informationen über Vorbereitungen für Angriffe auf amerikanische Einrichtungen im Irak; vermutlich aus den Reihen schiitischer Milizen im Irak. Hinzu kommen noch mehrere Sabotageakte, die in den vergangenen Tagen in der Region vermeldet wurden.

          Was die iranischen Boote angeht, ist offenbar bereits eine Kontroverse zwischen dem Weißen Haus, dem Pentagon und dem amerikanischen Auslandsgeheimdienst CIA entbrannt. Das berichtet die Zeitung „New York Times“ unter Berufung auf drei nicht namentlich genannte Behördenvertreter. Die Einschätzungen sollen demnach auf Fotos beruhen, die vollständig montierte Raketen auf den Booten zeigen. Das Lager um Trumps Hardliner, Außenminister Mike Pompeo und den Nationalen Sicherheitsberater John Bolton, soll davon ausgehen, dass diese Fotos auf einen bevorstehenden Angriff iranischer Kräfte auf amerikanische Schiffe im Persischen Golf hindeuten könnten.

          Zuvor hatte es geheißen, sie könnten an Irans verbündete Milizen geliefert werden. Das Regime unterhält enge Kontakte zu den Houthi-Rebellen im Jemen ebenso wie zur Hizbullah im Libanon und weiteren Gruppen. Laut „New York Times“ kommen andere Vertreter aus der amerikanischen Regierung indes zu einem anderen Ergebnis. Das gilt auch für mehrere Mitglieder der Demokraten und Republikaner im amerikanischen Kongress sowie für eine Reihe von Europäern und Irakern. Sie tendieren eher zu der Einschätzung, dass sich Iran defensiv wappnet angesichts der von Teheran als Provokation empfundenen härteren Gangart Washingtons.

          Wie bei den raketenbestückten Booten gibt es auch mit Blick auf die Gefahr durch schiitische Milizen im Irak eine Reihe skeptischer oder sogar gegenläufiger Einschätzungen. Iraks Ministerpräsident Adel Abdul Mahdi hatte am Dienstag einen Bericht der Nachrichtenagentur Reuters dementiert, nach dem die Amerikaner Hinweise auf verdächtige Bewegungen von schiitischen Milizen im Irak abgefangen hätten. Reuters hatte sich dabei auf eine Quelle der irakischen Sicherheitsbehörden bezogen.

          Neben Mahdi äußerte sich auch ein ranghoher Militär der Anti-IS-Operation „Inherent Resolve“ skeptisch, und das ausgerechnet in einer Livekonferenz auf dem Videokanal des amerikanischen Verteidigungsministeriums. Es gebe keine erhöhte Bedrohung durch iranisch unterstützte Kräfte im Irak und in Syrien, sagte der britische Generalmajor Christopher Ghika an Dienstag von Bagdad aus. Er ist derzeit der stellvertretende Kommandeur der Operation. Diejenigen Gefahren, mit denen die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten konfrontiert seien, so Ghika, hätten schon immer existiert.

          Weitere Themen

          Diese Probleme warten auf Boris Johnson Video-Seite öffnen

          Brexit : Diese Probleme warten auf Boris Johnson

          Der neue britische Regierungschef Boris Johnson muss jetzt beim Brexit seinen lautstarken Ankündigungen Taten folgen lassen. Die Situation dürfte für ihn nicht einfacher sein als für seine gescheiterte Vorgängerin Theresa May.

          Was die Bundeswehr braucht

          Pläne der neuen Ministerin : Was die Bundeswehr braucht

          Die Streitkräfte müssen bereit und fähig für den Einsatz sein. Die bisherigen Bemühungen müssen deshalb fortgesetzt und verstärkt werden – daran wird man die neue Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer messen.

          Topmeldungen

          Der radikale Konzernumbau der Deutschen Bank führt zu Milliardenverlusten im zweiten Quartal 2019.

          In drei Monaten : Die Deutsche Bank macht 3,1 Milliarden Euro Verlust

          Das größte und wichtigste deutsche Kreditinstitut will und muss sich radikal verändern. Die Belastungen durch den Umbau des Konzerns führen zu tiefroten Zahlen. Besonders betroffen ist die einst bedeutendste und berüchtigtste Sparte des Unternehmens.

          Anhörung von Robert Mueller : Der unfreiwillige Zeuge

          Ende März präsentierte Sonderermittler Robert Mueller seinen Bericht zur möglichen Wahlkampf-Affäre Trumps aus dem Jahr 2016. Jetzt muss er dazu im Kongress aussagen. Donald Trump spielt den Termin herunter, als sei es eine reine Formalität.
          Donald Trump gratuliert am Dienstagabend dem neuen amerikanischen Verteidigungsminister Mark Esper.

          Amerikas Verteidigungsminister : Ein Mann der Truppe

          Mark Esper ist mit überwältigender Mehrheit im Amt des amerikanischen Verteidigungsministers bestätigt worden. Die Gegenstimmen kamen im Senat vor allem von demokratischen Wahlkämpfern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.