https://www.faz.net/-gpf-9n0oc

Alarmstufe Rot : Ist Iran gefährlicher als sonst?

Das für den Nahen Osten zuständige amerikanische Zentralkommando sah sich im Anschluss zu einer knappen Stellungnahme genötigt, in der sie der Äußerung des verbündeten Generals widersprach. Sie laufe den „glaubwürdigen Bedrohungen“ zuwider, die die Geheimdienste der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten gesammelt hätten. Auf deutscher Seite ist von ihnen nichts bekannt.

Man verfüge über keine eigenen Erkenntnisse und verlasse sich komplett auf die Amerikaner, teilten mehrere Fachpolitiker des Bundestages der F.A.Z. mit. Sie waren vom Generalinspekteur der Bundeswehr, Eberhard Zorn, am Mittwoch erst auf Nachfrage darüber informiert worden, dass die im Irak stationierten Bundeswehrsoldaten den Ausbildungsbetrieb eingestellt haben und ihre Camps nicht mehr verlassen dürfen.

Die Bundeswehr unterhält dort eine bilaterale Ausbildungsmission, an der gegenwärtig 160 Soldaten beteiligt sind. „Im Zweifel geht die Sicherheit der Soldaten immer vor“, so die verteidigungspolitische Sprecherin der FDP, Marie-Agnes Strack-Zimmermann. „Aber es ist wichtig, dass wir schnellstmöglich eigene Informationen einholen.“ Inzwischen wurde bekannt, dass die deutsche Mission am Wochenende wiederaufgenommen werden soll. Die Nato, die ebenfalls eine Ausbildungsmission im Irak unterhält, teilte am Donnerstag mit, dass sie ihre Mission nicht unterbrochen habe und auch fortzusetzen gedenke.

Bei den Sabotageakten der vergangenen Tage zeigt sich ein differenziertes Bild. Fragen werfen die Attacken vom Wochenende auf. Da hatten die Vereinigten Arabischen Emirate Angriffe auf mehrere Öltanker gemeldet, freilich ohne Aussagen über mögliche Hintermänner zu treffen. Sie sprachen von „staatsfeindlichen Aktionen“. Dennoch richtete Irans Erzrivale Saudi-Arabien den Verdacht umgehend gegen Teheran.

In westlichen Militärfachkreisen werden sowohl das mögliche Motiv als auch Zielauswahl und Angriffsweise indes skeptisch beurteilt. „Niemand greift leere Tanker mit Tauchern und Minen an“, schrieb der Sicherheitsfachmann Malcolm Nance stellvertretend für viele auf Twitter. Die im Raum stehenden Vorwürfe, so lässt sich seinen Worten entnehmen, bräuchten bessere Erklärungen als iranische Provokationen.

Etwas anders liegt der Fall bei einem Drohnenangriff auf eine saudi-arabische Ölpipeline vor zwei Tagen. Dabei sollen laut Regierungsangaben aus Riad zwei Pumpstationen getroffen worden sein. Der Betrieb der 1200 Kilometer langen Leitung, die Öl vom Osten des Landes ans Rote Meer transportiert, sei daraufhin aus Sicherheitsgründen eingestellt worden, hieß es. Zu der Tat bekannten sich die jemenitischen Houthi-Rebellen. Sie werden von Iran unterstützt. Riad macht Iran für die Angriffe verantwortlich.

Zweifellos suche Iran seinen Einfluss in der Region weiter auszuweiten, so ein langjähriger Strategieexperte und ehemaliger amerikanischer General gegenüber der F.A.Z. Doch sei es in der jetzigen Situation angebracht, vorschnellen Einschätzungen „mit äußerster Skepsis“ zu begegnen.

Er erinnert an die Vorbereitungen auf den Irak-Krieg 2003. Auch da seien die Geheimdiensteinschätzungen über angebliche Massenvernichtungswaffen des Diktators Saddam Hussein nicht ganz korrekt gewesen. Einer der wesentlichen Triebkräfte für den damaligen Waffengang sitzt nun im Weißen Haus. Es ist Trumps Nationaler Sicherheitsberater John Bolton.

Weitere Themen

Le Pen und ihr trügerisches Bild

Regionalwahlen in Frankreich : Le Pen und ihr trügerisches Bild

Den Stimmungstest vor der Präsidentenwahl haben Marine Le Pen und Emmanuel Macron verloren. Zweidrittel der Wahlberechtigten blieben bei den Regionalwahlen zu Hause. Die Regierung in Paris ist besorgt, Le Pen verärgert.

Topmeldungen

Die Union will künftig mehr strategisches Denken in der Außenpolitik. Aber die Kanzlerin wird nicht mehr dabei sein.

Wahlprogramm der Union : Im 21. Jahrhundert angekommen

CDU und CSU wollen das strategische Denken in der Außen- und Sicherheitspolitik stärken. Die meisten anderen Parteien sind noch nicht so weit.

EM-Debatte in München : Kampf um den Regenbogen

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und der Stadtrat von München wollen zum EM-Spiel gegen Ungarn ein Zeichen setzen – gegen Viktor Orbán. Die UEFA spielt auf Zeit.

F.A.Z.-Serie Schneller Schlau : Die Armut will einfach nicht weichen

Der lange Wirtschaftsaufschwung und der Mindestlohn haben die gemessene Armut nicht verringert: In Deutschland sind sogar etwas mehr Menschen armutsgefährdet als vor zehn Jahren. Anders als oft behauptet, liegt das nicht nur an „den vielen Flüchtlingen“.
Arafat Abou-Chaker trifft im August zu einem Verhandlungstermin im Gericht ein.

Bushidos Frau über Abou-Chaker : Es war „eine völlige Überwachung“

Anna-Maria Ferchichi, Bushidos Frau, spricht vor Gericht über die Methoden von Arafat Abou-Chaker. Anhand zahlreicher Geschichten zeichnet sie das Bild einer Beziehung, in der der Berliner Clanchef alles bestimmt haben soll.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.