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„Alan Kurdi“ ohne Hafen : „Die Menschen an Bord haben nur das absolute Minimum“

Die „Alan Kurdi“ bei einem Einsatz auf dem Mittelmeer Bild: Karsten Jäger/Sea-Eye/dpa

Für das Rettungsschiff „Alan Kurdi“ zeichnet sich noch immer keine Lösung ab. Bordärztin Caterina berichtet im Interview von steigender Frustration, Nächten auf dem Boden und Enge an Deck.

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          Für die „Alan Kurdi“ gibt es weiterhin keinen Hafen. Das Schiff der Regensburger Nichtregierungsorganisation Sea-Eye, das am Montag 150 Migranten aus Seenot gerettet hat, befand sich am Samstagabend auf dem Weg Richtung Sizilien, um im Nordwesten der Insel Wetterschutz zu suchen. Am Morgen erhielt das Schiff eine dringend benötigte Lebensmittellieferung von Italien. Dennoch spitzt sich die Lage an Bord weiter zu, mahnt die Einsatzleitung. Auf dem Schiff befänden sich so viele Menschen wie noch nie. Ein Anruf an Bord.

          Julia Anton
          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Caterina, Sie sind als Ärztin an Bord des Rettungsschiffes „Alan Kurdi“. Wie erleben Sie die aktuelle Situation?

          An Bord ist es sehr eng. Die Menschen haben kaum Platz und nur eine Decke pro Person. Nachts ist es kalt, sie müssen an Deck schlafen. Sie können ihre Kleidung nicht wechseln. Wir konnten ihnen einmal ermöglichen, ihre Sachen zu waschen und haben ihnen am Samstag eine Dusche organisiert. Aber im Vergleich zu dem, was viele von uns sonst haben, ist es das absolute Minimum. Wir sagen ihnen seit Montag jeden Tag, dass wir weder wissen, wohin wir fahren können, noch, wie lange es dauert. Sie geben sich Mühe, das zu verstehen, aber die Frustration wird immer größer. 

          Eine Person musste bereits von Bord gebracht werden, um an Land medizinisch versorgt zu werden. Wie bewerten Sie die Lage derzeit aus medizinischer Sicht?

          Zum Glück müssen wir keine kleinen Kinder versorgen. Aber viele Menschen sind schwach, sie waren in libyschen Lagern. Manche von ihnen haben Spuren von Folter: Narben, Verbrennungen. Eine Person hat gebrochene Finger, die nicht richtig geheilt sind. Manche haben chronische Krankheiten wie Diabetes. Viele haben Schmerzen, weil sie am Boden schlafen. Akut ist aktuell zum Glück nichts, auch seekrank sind wegen des ruhigen Wetters nur wenige. Aber das kann sich schnell ändern. Dass eine kranke Person bereits an Land gebracht wurde, ist außerdem eine große psychologische Herausforderung für alle, die an Bord bleiben mussten.

          Italien und Malta wollen die „Alan Kurdi“ wegen der Corona-Krise nicht anlegen lassen. Fürchten Sie einen Ausbruch des Virus an Bord?

          Bislang hat niemand Anzeichen auf das Virus gezeigt. Am ersten Tag haben wir alle Leute untersucht und bei allen konnte eine Infektion zunächst ausgeschlossen werden. Daran hat sich auch in den letzten Tagen nichts geändert. Das stimmt mich optimistisch, dass es unter den Geretteten keinen Fall gibt. Die Crew ist inzwischen seit drei Wochen zusammen, niemand hatte Symptome. Für den Notfall wären wir aber vorbereitet: Wir könnten die Person isolieren und haben Schutzkleidung.

          Sie haben bereits eine Lebensmittellieferung aus Italien erhalten. Wie sieht es im Bordhospital aus, haben Sie noch ausreichend Medikamente?

          Noch gibt es keinen Engpass. Wenn das Wetter schlechter werden sollte, könnte die Lage schnell anders aussehen. Wenn von den 149 Menschen an Bord auch nur die Hälfte seekrank wird, haben wir ein großes Problem. Wir brauchen einen sicheren Hafen.

          Wie geht es der Crew?

          Wir sind 17 Leute und arbeiten rund um die Uhr: Essen kochen, verteilen, sauber machen. In manchen Nächten habe ich nur drei Stunden geschlafen. Die Crew ist sehr kompetent und wir vertrauen einander, das gibt mir Kraft. Aber wir sind erschöpft und müde. 

          Wie lange können Sie noch durchhalten?

          Ich hoffe, dass schnell eine Lösung gefunden wird. Wir müssen sobald wie möglich an Land. Aber wegen der Feiertage und der Corona-Krise habe ich Sorge, dass es noch dauern könnte. Ich bin Italienerin, ich weiß, was die Krise für Italien bedeutet. Aber deshalb hört das Leid der Geflüchteten nicht auf, sie brauchen immer noch unsere Hilfe.

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