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Alabama-Kommentar : Süßer Sieg im Südstaat

Der demokratische Kandidat für den amerikanischen Senat, Doug Jones, und seine Frau Louise winken ihren Anhängern in Birmingham (Alabama) zu. Bild: dpa

Ein Demokrat, der für ein Amt in Washington kandidierte, hat die Mehrheit in Alabama errungen. Eine Sensation. Doch dass noch immer eine so große Zahl weißer Wähler für den republikanischen Kandidaten stimmte, ist beschämend.

          Wer vor ein paar Wochen auf einen Sieg des Demokraten Doug Jones über den Republikaner Roy Moore in einer Senatsnachwahl im Bundesstaat Alabama gewettet hätte – wenn sich überhaupt jemand dafür interessiert hätte –, der könnte heute mit breitem Lächeln seinen Gewinn betrachten. Denn dass ein Demokrat, der für ein Amt in Washington kandidierte, die Mehrheit in diesem Südstaat errang, das hat es seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben. Alabama, wo die Bürgerrechtsbewegung ihre blutigen Anfänge hatte, ist, in der amerikanischen Politfarbenlehre, tiefrot.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Der Republikaner Moore war Favorit, trotz eines Gebaren, das skurril zu nennen maßlos untertrieben wäre, und trotz Auffassungen voller fundamentalistischer Bigotterie. Aber dann wurden Vorwürfe erhoben, dass der Mann, ein ehemaliger hoher Richter, früher Mädchen belästigt, ja missbraucht haben soll. Und eine obskure Wahl wurde zu einem nationalen Ereignis. Am Ende siegte der Demokrat. Selbst vielen seiner Wähler kommt der Sieg wie ein Wunder vor.

          Präsident Trump erlebte jedoch ein blaues Wunder. Er hatte den Richter Moore erst nicht unterstützt, ihn dann aber vehement gegen die Vorwürfe in Schutz genommen. Sein Hassprediger Steve Bannon, der mit allen Mitteln die republikanische Partei von sogenannten Establishment-Politikern säubern will, pries Moore als vermeintlichen Helden des Volkes im Kampf der Mistgabeln gegen die Elite an. Dieses Schauspiel hat das verdiente Ende gefunden.

          Denn Moore ist weder ein Held noch ist er würdig, ein hohes politisches Amt zu bekleiden. Das sahen auch viele Republikaner im Senat so, weswegen sie sich den Zorn des Präsidenten zuzogen. Es ist beschämend, dass noch immer eine so große Zahl weißer Wähler für ihn stimmte.

          Im neuen Jahr wird die Mehrheit der Republikaner jedenfalls auf nur noch einen Sitz schrumpfen. Es wird dann noch schwerer werden, Gesetzesvorhaben des Präsidenten durchzubringen: Springen nur zwei Republikaner ab und zeigen die Demokraten Geschlossenheit, dann ist es aus mit Trumpscher Herrlichkeit – es sei denn, er bemühte sich um überparteilichen Brückenbau.

          Die Demokraten rechnen den Erfolg von Alabama schon hoch und träumen von neuen Mehrheiten bei den Kongresswahlen im nächsten Herbst. Aber die Republikaner werden nicht noch einmal so töricht sein, einen Mann zu ihrem Kandidaten zu machen, der eigentlich unwählbar ist. Oder vielleicht doch?

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