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Al Qaida in Afrika : Die neue Internationale des Terrors

  • -Aktualisiert am

Enge Kooperation mit der Terrorgruppe „Al Qaida im islamischen Maghreb“: „Ansar Din“-Kämpfer in Mali Bild: AFP

Al Qaida verlegt seine Aktivitäten mehr und mehr nach Somalia und Mali. Der Westen empfiehlt den Afrikanern, das Problem selbst zu lösen. Ganz so, als wären diese das Ziel der Terroristen. Eine Analyse.

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          Das könnte Ayman al Zawahiri, so passen: Die Bewegungs- und Handlungsfähigkeit des Anführers von al Qaida ist wegen des Drucks, den die Nato in Afghanistan ausübt, stark eingeschränkt. Die Taliban, so sollen es die Spatzen am Hindukusch von den Dächern pfeifen, sind ihrer ungebetenen Gäste längst überdrüssig. Und ob sich al Qaida auf Dauer in Stammesgebieten wie Wasiristan halten kann, entscheidet nicht zuletzt die pakistanische Führung.

          Zawahiri braucht also eine neue Basis für sein Terrornetzwerk, einen Standort, dessen Beschaffenheit schnell beschrieben ist: ein nur rudimentär organisierter Staat, dessen Strukturen er unterwandern kann; eine große muslimische Gemeinschaft, in der er Terroristennachwuchs rekrutieren kann; poröse Grenzen, die für seine Kämpfer leicht zu überwinden sind; und ein großer Waffenbasar, auf dem sich alles finden lässt, was einer wie er für sein blutiges Geschäft benötigt. Dieser Ort heißt Afrika.

          Mali als Zentrum einer unheilvollen Entwicklung

          Wenn es um den radikalen Islamismus auf afrikanischem Boden geht, fällt der Blick zunächst auf Somalia und die Miliz al Shabaab, die das Land am Horn in einen Gottesstaat verwandeln will. Aber Somalia ist nur ein Land unter vielen, in dem die Radikalen Fuß gefasst haben. Ihre Einflusszone erstreckt sich wie ein Riegel von Mauretanien am Atlantik quer durch den Sahel und Sudan bis nach Mogadischu am Indischen Ozean.

          Das Zentrum dieser unheilvollen Entwicklung ist Mali. Der Norden des Landes ist seit nunmehr fast einem halben Jahr fest in der Hand einer Gruppe namens Ansar Din, die eine enge Kooperation mit der Terrorgruppe „Al Qaida im islamischen Maghreb“ (Aqim) eingegangen ist. Diese Terroristen bewegen sich nahezu ungehindert durch die Sahara, sie reisen nach Niger, Tschad, Algerien, Mauretanien und bis in die nördlichen Bundesstaaten von Nigeria. Es gibt zahlreiche Hinweise auf Kontakte zwischen den Terroristen im Sahel, der radialen Sekte Boko Haram in Nigeria und der Al-Shabaab-Miliz in Somalia. Von Ausbildungszentren in Mali und in Niger ist die Rede. Die wenigen, ausnahmslos muslimischen Journalisten, die bis in die malischen Hochburgen der Radikalen in Gao und Kidal vorstoßen konnten, berichten von einer neuen Internationalen des Terrors, in der sich Nigerianer, Ivorer, Tschader, Guineer und Algerier zusammenfinden.

          Mit bescheidenen finanziellen Mitteln erstaunliches geleistet

          Waffen haben diese Islamisten übrigens mehr als genug, seit in Libyen Gaddafis Kasernen zur Plünderung freigegeben wurden. Geld besorgen sie sich durch Geiselnahmen von westlichen Ausländern und „Dienstleistungen“ für südamerikanische Kokainexporteure, für die sie den einen oder anderen Transport durch die Wüste bis ans Mittelmeer übernehmen. Die Radikalen im Sahel sind zu einer ungleich größeren Bedrohung geworden als die Milizen in Somalia, weil sie jetzt schon grenzüberschreitend agieren, was al Shabaab nie gelungen ist. Gleichwohl nimmt die Welt von dieser neuen Gefahr nur beiläufig Kenntnis.

          In Somalia ist es nur aufgrund massiven militärischen Engagements der Afrikanischen Union gelungen, zumindest die Hauptstadt Mogadischu von den Radikalen zu befreien. In dieser Woche soll das somalische Parlament einen neuen Präsidenten wählen, und das auf Grundlage einer neuen Verfassung, die sich ausdrücklich zu einem Mehrparteiensystem und einem moderaten Islam bekennt. Ob sich das Schicksal dieses Landes deshalb zum Guten wenden wird, bleibt angesichts der bisherigen Erfahrungen mit dem politischen Personal Somalias abzuwarten. Gleichwohl wäre diese Entwicklung, die den Moderaten im Land den langersehnten Auftrieb gibt, ohne die Amisom genannte Eingreiftruppe nicht möglich gewesen - eine Militärmission übrigens, die mit ihren bescheidenen finanziellen Mitteln unter anderem aus der EU erstaunliches zu leisten imstande ist.

          Einfache Rechnung

          Um einen Flächenbrand zu verhindern, wäre es folglich nur logisch, das Rezept aus Somalia auf Mali zu übertragen. Selbst kann sich das Land derzeit nicht helfen. Mali hat einen Militärputsch hinter sich, die hastig eingesetzte Übergangsregierung ist kaum handlungsfähig. Der Westen aber empfiehlt den Afrikanern, dieses Problem selbst zu lösen - ganz so, als wären die Afrikaner das Ziel der Bärtigen und nicht der Westen.

          Die westafrikanische Wirtschafts- und Währungsunion (Ecowas) hat unter Führung des ivorischen Präsidenten Ouattara (einem Muslim) in den zurückliegenden Monaten mehrfach versucht, dem UN-Sicherheitsrat eine Resolution für ein militärisches Eingreifen im Norden Malis zu entlocken. Bislang wurde noch jeder Antrag abschlägig beantwortet, womit sich die Frage stellt, warum für Mali nicht gelten soll, was in Somalia gängige Währung ist. Die Antwort heißt Geld. Westafrika ist zwar gewillt, in Mali einzugreifen, hat aber weder das Geld noch die Ausrüstung für eine derartige Mission. Beides müsste von Europa und den Vereinigten Staaten finanziert werden. Doch die zieren sich angesichts von Wahlkämpfen, Euro-Krise und hoher Arbeitslosigkeit daheim.

          Dabei ist diese Rechnung eine ganz einfache. Um wie viel teurer wird es am Ende für die westliche Welt sein, wenn sie weiter untätig zuschaut, wie sich die Radikalen am südlichen Rand des Mittelmeeres breitmachen?

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