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„Al Qaida für den Islamischen Maghreb“ : Frankreich fürchtet Anschläge von Islamisten

Der Anführer der „Al Qaida für den Islamischen Maghreb”, Abu Musab Abdul Wadud. Bild: AFP

Die Terrororganisation „Al Qaida für den islamischen Maghreb“ hat sich der Entführung von fünf Franzosen in Niger bezichtigt. Paris befürchtet eine erhöhte Anschlagsgefahr durch diese Gruppe auf französischem Boden.

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          Frankreich steht unter verschärfter terroristischer Bedrohung. Das hat der Generaldirektor der Polizei, Frédéric Péchenard, am Mittwoch im Radiosender Europe 1 bestätigt. Die erhöhte Anschlagsgefahr gehe von der Terrororganisation „Al Qaida für den Islamischen Maghreb“ aus, sagte der Polizeichef. „Wir erleben derzeit einen Höhepunkt der Bedrohung“, sagte er.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          So gebe es ernstzunehmende Hinweise auf geplante Anschläge auf französischem Boden. Eine „spezifische Terrorgefahr“ bestehe gegen französische Interessen im Ausland. „Al Qaida für den Islamischen Maghreb“ hat sich in einer am Dienstagabend im Sender Al Dschasira ausgestrahlte Videobotschaft der Entführung von fünf Franzosen in Niger bezichtigt.

          Zur Freilassung der Geiseln würden in Kürze Forderungen gestellt, hieß es in der Botschaft. Die französische Regierung solle in der Zwischenzeit von „weiteren Dummheiten“ absehen, eine Anspielung auf die von französischen Spezialeinheiten geleiteten geheimen militärischen Operationen in Niger und Mali. „Al Qaida für den Islamischen Maghreb“, der vor drei Jahren aus der früheren salafistischen „Gruppe für Predigt und Kampf“ hervorgegangene Al Qaida-Ableger, steht unter dem Kommando des Algeriers Abou Zeid.

          Der französische Außenminister Bernard Kouchner traf den Führer der Junta in Niger, General Salou Djibo, Ende Juli 2010.

          Frankreich bezieht fast die Hälfte seines Urans aus Niger

          Die Gruppe wird von Paris und Algier für die Ermordung des 78 Jahre alten, im Mali entführten Franzosen Michel Germaneau im Juli verantwortlich gehalten. 2009 hatte die Terrorgruppe die britische Geisel Edwin Dyer ermordet. Am vergangenen Donnerstag waren sieben Mitarbeiter - fünf Franzosen, ein Togoer und ein Madagasse - des französischen Atomkonzerns Areva und des französischen Bauunternehmens Sogea-Satom (Vinci) in Niger verschleppt worden.

          Die Videobotschaft bestätigte den Anfangsverdacht der französischen Behörden, dass sich die Geiseln in der Gewalt der Maghreb Al Qaida befinden. Es wird vermutet, dass die sieben Menschen in den Norden Malis verschleppt wurden. Der Staatskonzern Areva war seit Anfang Juli vor möglichen Aktionen der Maghreb Al Qaida gewarnt worden. Das bestätigte der französische Innenminister Brice Hortefeux in Bamako. Der Innenminister war noch am Dienstag in die malische Hauptstadt gereist, um das weitere Vorgehen mit dem Regime in Mali abzustimmen.

          Für Frankreich steht viel auf dem Spiel. Der staatliche Atomkonzern Areva bezieht aus Niger fast die Hälfte seines für die Atomstromproduktion in Europa notwendigen Urans. Die Geiselnahme fand im Norden Nigers bei Arlit statt, wo Areva von 2013 an die weltweit zweitgrößte Uranmine in Betrieb nehmen will. Die Geiselnahme offenbart ein schweres Zerwürfnis zwischen dem Regime in Niger und Areva in Sicherheitsfragen. Areva hatte es abgelehnt, die Wohnsiedlung seiner Mitarbeiter vom nigrischen Militär überwachen zu lassen und stattdessen eine private Sicherheitsfirma angeheuert.

          Sarkozy ließ sich auf Handel mit Al Qaida ein

          Die Geiselnahme konfrontiert Frankreich mit den Widersprüchen seiner Terrorismusbekämpfungsstrategie in Nordafrika und in der Sahelzone. Zu Jahresbeginn hatte Präsident Sarkozy sich auf einen Handel mit „Al Qaida für den Islamischen Maghreb“ eingelassen, der das Vertrauen der algerischen Staatsführung in die gemeinsame Kooperation nachhaltig erschütterte. Zur Freilassung des entführten, vom Tode bedrohten Franzosen Pierre Camatte hatte Paris nicht nur ein Lösegeld gezahlt, sondern auch auf den malischen Präsidenten Amadou Toumani Touré starken Druck ausgeübt, damit dieser vier verhaftete Terroristen freiließ.

          Der algerische Staatspräsident Bouteflika war über die Freilassung der Terroristen so erbost, dass er seinen Botschafter aus Bamako einberief. Als kurze Zeit später der französische Entwicklungshelfer Michel Germaneau in die Hände der Al Qaida geriet, blieb Paris hart. Eine zusammen mit der mauritanischen Militärjunta eingefädelte militärische Befreiungsaktion scheiterte. Germaneau wurde ermordet.

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