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Al-Qaida-Führer getötet : Bin Ladins Tod im pakistanischen Domizil

Hier soll es passiert sein: Ein Grundstück in Abbotabad Bild: dpa

Am Ende verbarg sich der meistgesuchte Mann der Welt nicht in den zerklüfteten Bergen Afghanistans, sondern in Abbottabad, einer beschaulichen Stadt nördlich Islamabads.

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          Auffallend vage äußerte sich die pakistanische Regierung zu den Vorkommnissen in ihrem Land. „Die Operation“, hieß es am Montag in einer Mitteilung des Außenministeriums, „wurde von den amerikanischen Streitkräften ausgeführt im Einklang mit der erklärten Politik, nach der Osama Bin Ladin in einer direkten Aktion von amerikanischen Streitkräften eliminiert wird, wo immer er gefunden wird.“ Auch weiterführende Äußerungen aus Regierungskreisen ließen im Dunkeln, ob und wenn in welchem Maße pakistanische Sicherheitskräfte an der Operation gegen die Ikone Al Qaidas beteiligt gewesen sind.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Aus Sicht vieler Staaten, insbesondere der beiden Nachbarländer Indien und Afghanistan, bestätigt der letzte Zufluchtsort Bin Ladins die Janusköpfigkeit der pakistanischen Regierung. In Delhi bezeichnete die Regierung das Nachbarland als „Schlupfwinkel für Terroristen“. In Kabul triumphierte Staatspräsident Karzai, „dass Afghanistan Recht hatte, als wir sagten, dass der Kampf gegen den Terrorismus nicht in Afghanistan stattfindet.“

          Wieder und wieder hatten Indien und Afghanistan in den vergangenen zehn Jahren ihre Überzeugung kundgetan, dass sich Osama Bin Ladin in Pakistan aufhält. Ebenso unverdrossen wiesen die Regierungen Musharraf und Zardari dies von sich. Nun wurde der Gejagte doch in Pakistan gefunden - und zwar nicht in einem wazirischen Erdloch oder in einem Außenbezirk der chaotischen Metropole Karachi, sondern gewissermaßen im Wohnzimmer des Landes.

          Auf diesem Grundstück soll sich Usama Bin Ladin versteckt gehalten haben

          Nahe einer prestigeträchtigen Militärakademie

          Bin Ladins letztes Versteck befand sich in Abbottabad, einer beschaulichen Stadt im Norden Islamabads, die seines angenehmen Klimas wegen pensionierte Offiziere anzieht. In Reiseführern wird Abbottabad als Ausgangspunkt für Bergwanderungen angepriesen. Die Stadt ist Standort mehrerer Bildungseinrichtungen und beherbergt ein für pakistanische Verhältnisse intaktes Gemeinwesen, das in den vergangenen Jahren von Bombenanschlägen verschont geblieben ist. Bin Ladins Versteck war umgeben von wohlhabenden Anwesen; an Ende der Straße steht eine der prestigeträchtigsten Militärakademien des Landes.

          Dass sich der meistgesuchte Terrorist der Welt ausgerechnet im ruhigen und geordneten Abbottabad ohne das Wissen des pakistanische Sicherheitsestablishments aufhalten konnte, gilt unter Beobachtern als unwahrscheinlich. Festungsartige Wohnhäuser mit eigenen Wachtrupps sind zwar in Pakistan nichts Ungewöhnliches, aber nach den bislang vorliegenden Informationen fiel das Anwesen Bin Ladins auf und weckte Misstrauen.

          Mysteriöser „Landlord“

          Es war deutlich größer als umliegende Komplexe, von meterdicken Mauern umgeben und aus Sicherheitsgründen weder ans Internet noch ans Mobilfunknetz angeschlossen. Immer wieder tauchten Kuriere auf, während der mysteriöse „Landlord“ selber nie in Erscheinung trat, wie Bürger aus Abbottabad am Montag berichteten.

          Gerüchte wollen von einem „Deal“ zwischen Islamabad und Washington wissen. Danach könnte die pakistansche Armee Obama angeboten haben, Amerikas meistgesuchten Terroristen ans Messer zu liefern - im Tausch gegen einen schnelleren Abzug aus der Region. Im Sommer will Washington seine ersten Soldaten aus Afghanistan nach Hause schicken. Bis zum Jahr 2014 soll die Sicherheit vollständig an die afghanische Armee übergeben werden. Pakistan sieht sich traditionell als Ordnungsfaktor im Nachbarland und möchte lieber früher als später auf die Nachkriegsordnung in Afghanistan Einfluss nehmen.

          Geheimdienste arbeiten zusammen

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