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Trotz Waffenruhe in Nordsyrien : Aktivisten: Fünf Zivilisten durch türkischen Luftangriff getötet

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Rauch steigt aus der syrischen Stadt Ras al-Ain auf. Der Türkei wird vorgeworfen, die vereinbarte Waffenruhe in der Region zu verletzen. Bild: Reuters

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sowie ein Kurdenvertreter werfen der Türkei Verstöße gegen die am Donnerstag vereinbarte Waffenruhe vor. Bei einem Luftangriff sollen am Freitag fünf Zivilisten getötet worden sein.

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          Trotz der vereinbarten Waffenruhe für Nordsyrien hat die türkische Luftwaffe laut Aktivisten dort am Freitag abermals Luftangriffe geflogen. Bei dem Angriff auf das syrische Dorf Bab al-Cheir östlich der Grenzstadt Ras al-Ain seien mindestens fünf Zivilisten getötet worden, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. 

          Ein Kurdenvertreter warf der Türkei andauernde Verstöße gegen die Feuerpause vor. Die Luftangriffe und der Artilleriebeschuss durch die Türkei sei eine „Verletzung“ der Waffenruhe, sagte Mustafa Bali, der Sprecher der von der YPG-Miliz dominierten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF). Das kurdisch-arabische Bündnis hatte sich in der Nacht zu Freitag zur Einhaltung der fünftägigen Waffenruhe bereit erklärt, die zuvor zwischen der Türkei und den Vereinigten Staaten in Ankara ausgehandelt worden war.

          Nach Angaben der Vereinten Nationen vom Freitagabend hingegen hält die Waffenruhe weitgehend. In den meisten Gebieten sei es ruhig, sagte der Sprecher von UN-Geralsekretär António Guterres, Stéphane Dujarric, am Freitag in New York. Allerdings hatte es rund um die Grenzstadt Ras al-Ain zuletzt weiterhin Beschuss mit Granaten und durch Schusswaffen gegeben. Die UN berief sich auf Informationen ihres Nothilfebüros Ocha, das mit „vertrauenswürdigen Quellen“ in dem Bürgerkriegsland zusammenarbeite.

          Amnesty International: Kriegsverbrechen

          Derweil macht auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International den türkischen Streitkräften und ihren syrischen Verbündeten aus Rebellenkreisen Kriegsverbrechen Vorwürfe. In einem am Freitag veröffentlichten Bericht hieß es, sie hätten während der Offensive in Nordostsyrien gegen Kurdenmilizen auch Zivilisten getötet und verletzt. Die gesammelten Informationen lieferten Beweise zum Beispiel „für rücksichtslose Angriffe in Wohngebieten“, unter anderem auf ein Wohnhaus, eine Bäckerei und eine Schule, berichtete Amnesty.

          In dem Report geht es auch um den Tod einer syrisch-kurdischen Politikerin. Amnesty-Recherchen zufolge sollen von der Türkei unterstützte syrische Rebellen sie geschlagen und erschossen haben. Angebliche Videos vom Tatort waren auch im Internet kursiert. Die Rebellen hatten die Anschuldigungen zurückgewiesen. Amnesty bezieht sich für den Bericht auf Interviews mit 17 Augenzeugen sowie Videomaterial und Dokumente wie Ärzteberichte.

          Die Türkei hatte am 9. Oktober eine Militäroffensive gegen die Kämpfer der kurdischen YPG-Miliz in Nordsyrien begonnen. Die türkische Regierung betrachtet die YPG als einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und damit als Terrororganisation. Für die Vereinigten Staaten waren die Kurdenkämpfer hingegen enge Verbündete im Kampf gegen die Terrormiliz IS.

          Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte vom Donnerstag sind seit Beginn der Offensive mindestens 72 Zivilisten, mehr als 220 Kämpfer der von den Kurden dominierten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) und mehr als 180 mit der Türkei verbündete Rebellen getötet worden.

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