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AKK in Jordanien : Eine Ministerin lässt sich beeindrucken

  • -Aktualisiert am

Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) auf der Luftwaffenbasis Al Azraq in Jordanien Bild: dpa

Annegret Kramp-Karrenbauer besucht die Tornado-Flieger in der jordanischen Wüste. Dabei betritt die Verteidigungsministerin eine Welt, die fern vom deutschen Alltag liegt – und doch eine ganze Menge mit ihm zu tun hat.

          Als Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer am Montagabend auf dem deutschen Areal der jordanischen Luftwaffenbasis Al Azraq auf die Piloten, Techniker, die Mannschaften und den Koch, das Geburtstagskind des Tages, trifft, hat sie einen Tag voller Eindrücke hinter sich. Um sechs war sie von Berlin nach Jordanien geflogen, hatte in Amman den König getroffen, den Außen- und den Verteidigungsminister. Sie war mit einer Kolonne gepanzerte Fahrzeuge hinaus in die Wüste gefahren, eine Fahrstunde östlich von Amman. Von der dortigen Luftwaffenbasis Al Azraq aus beteiligt sich die deutsche Luftwaffe seit zwei Jahren mit Tornado-Aufklärungsflugzeugen am Kampf gegen den „Islamischen Staat“. Zuvor waren die Tornados bereits monatelang von der Türkei aus gestartet, um für die Anti-IS-Koalition Ziele zu erkunden.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Kramp-Karrenbauer ist, was internationale Verhältnisse betrifft, ein Landei. Als regionale CDU-Politikerin, als saarländische Ministerin, dann Ministerpräsidentin, und selbst als CDU-Generalsekretärin oder Parteichefin hat sie mit den kaputten Ecken der Welt wenig zu tun gehabt. So wie fast alle Deutschen.

          Es sind allerdings genau jene Ecken, in denen man die Bundeswehr seit mehr als zwei Jahrzehnten findet: Die Bürgerkriegsgebiete auf dem Balkan, die Todeszonen in Kabul, die Piraten-Gewässer am Horn von Afrika, Außenposten am Hindukusch, entlegene Feldlager in den Territorien der Islamisten am Niger-Fluss in Mali – überall stehen Hunderte oder Tausende Soldatinnen und Soldaten für Deutschland ein. Sie schützen Menschen vor dem Krieg, wachen über Handelswege, begleiten fragile Waffenstillstände, bekämpfen den Terrorismus – so wie in Syrien und im Irak. Für die neue Verteidigungsministerin sind das fremde, ferne Welten, so wie für die meisten Deutschen. Im Alltag macht man sich keine besonders große Gedanken darüber, wie viele Brandherde es auf dem Globus gibt und dass Deutschland dort durchaus Interessen und Pflichten hat. So kam man etwa in den Luftraum über Syrien, nachdem der IS-Terror immer aggressiver nach Europa ausgegriffen und besonders in Frankreich eine blutige Spur gezogen hatte.

          „Zurückgedrängt, aber keinesfalls besiegt“

          Als Kramp-Karrenbauer spät am Montagabend vor den Soldatinnen und Soldaten stand, sagte sie, es liege einer der beeindruckendsten Tage ihres Lebens hinter ihr. Das klang etwas seltsam in den Ohren derer, für die das seit Jahr und Tag zum Alltag gehört, ob als Soldaten, Diplomaten oder mitreisende Berichterstatter. Doch Kramp-Karrenbauer hatte tatsächlich zum ersten Mal eine Welt betreten, die für die meisten nicht nur so aussieht wie eine Mars-Landschaft, sondern auch ähnlich weit entfernt zu sein scheint. Und es ist gut, dass eine Politikerin, die in einer unabsehbaren Zukunft vielleicht einmal Bundeskanzlerin sein möchte, sich mit dieser Welt vertraut macht, zu der auch Gegenden gehören, in denen man, wie in Bagdad, eine kleine Busfahrt nur hinter Panzerglas, mit Schutzwesten und Begleitern unternimmt, die ein ganzes Waffenarsenal zwischen den Sitzen bereithalten. Kramp-Karrenbauer hat dabei keineswegs cool getan, sondern sich beeindrucken lassen. Von der Gegend, aber auch von ihren Gesprächen in der Region, wo ihr jeder gesagt habe, wie wichtig Deutschlands Beitrag ist. Zu Hause, wo der Bundestag demnächst über eine Verlängerung des eigentlich schon zu beendenden Mandats entscheiden soll, dürfte das keine ganz nebensächliche Nachricht sein.

          „Der IS ist territorial zurückgedrängt, aber keineswegs besiegt“, hatte die Ministerin überall gehört, nicht zuletzt von ihren eigenen Soldaten. Für die Tornados gibt es keinen Ersatz, keine vergleichbaren Fähigkeiten in der Allianz, wie der Kommandeur des Kontingents ihr nicht ohne Stolz berichtete. Wenn die Deutschen sich davonmachen, hinterlassen sie eine Lücke, und sie lassen andere im Stich. Zum Beispiel die benachbarten Amerikaner, aber auch Franzosen, Italiener und mehr als 70 weitere Partner der Anti-IS-Koalition.

          Kramp-Karrenbauer hat sich in Amman und später in Bagdad von den Argumenten überzeugen lassen; mehr noch als zuvor steht sie zu dem Einsatz. Es gab und gibt aber auch Kritik und Zweifel. Die fanden sich in ihrer Delegation bei SPD- und Grünen-Abgeordneten, aber natürlich auch bei vielen in Deutschland. Wieso sind wir in Jordanien, so fern von Rostock oder Garmisch? Was bringt das? Werden wir nicht Teil einer kriegerischen amerikanischen Außenpolitik? Oder haben wir eigene und europäische Interessen?

          Es ist gut, wenn eine neue Ministerin, die auch noch die CDU führt, sich ein eigenes Bild verschafft und sich beeindrucken lässt. Kramp-Karrenbauer hat die Gelegenheit, Überzeugungen am Ort der Ereignisse zu überprüfen und dann immer besser zu wissen, wovon sie redet.

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