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Ein Jahr Taliban-Herrschaft : Ahmad Massoud fordert neues deutsches Engagement

Ahmad Massoud, aufgenommen am 16. September 2022 bei einer Pressekonferenz in Wien. Bild: AFP

Massoud gehörte zu den letzten afghanischen Anführern, die Widerstand gegen die Taliban leisteten. Er ruft Deutschland und Europa zum Handeln in Afghanistan auf.

          3 Min.

          Vor rund einem Jahr haben die westlichen Streitkräfte Afghanistan in überstürzter Hast verlassen, seitdem regieren die radikal-islamischen Taliban das Land. Die notleidende Bevölkerung steht vor dem zweiten entbehrungsreichen Winter. Nun ruft Ahmad Massoud, der Sohn des legendären, in Afghanistan als Nationalheld verehrten Freischärlers Ahmad Schah Massoud, die Staaten der westlichen Welt auf, den politischen Druck auf das Taliban-Regime zu steigern, um eine neue, durch Wahlen legitimierte Regierung in Kabul etablieren zu können.

          Johannes Leithäuser
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Massoud gehörte zu den letzten afghanischen Anführern, die auch in den Wochen nach dem Rückzug der internationalen Allianz im vergangenen September weiter Widerstand gegen die Taliban leisteten. Aber auch er musste den Kampf im heimatlichen Pandschir-Tal im September vorigen Jahres aufgeben und lebt seither im Exil. „Nach dem Kollaps“ der westlichen Unterstützung habe es keine andere Möglichkeit mehr gegeben, sagt der dreiunddreißig Jahre alte Massoud, der in Großbritannien Politikwissenschaft studierte und ein Jahr an der Offiziersakademie Sandhurst absolvierte, im Gespräch mit der F.A.Z. Jetzt, da die Herrschaft der Taliban in ihr zweites Jahr geht, plädiert Massoud für eine neue politische Initiative, um Afghanistan den Weg in eine bessere Zukunft zu ebnen. Die humanitäre Hilfe der Europäer und vieler anderer Länder sei notwendig, auch wenn, wie er sagt, vielleicht nur ein Drittel davon die Bedürftigen erreiche. Der Rest werde nach Gutdünken der Taliban verwendet und verteilt. Aber: „Wie viele Winter werden wir noch haben?“, fragt er und fügt mit Blick auf die von Russland verursachte Energiekrise an: „Und dieses Jahr kommt der Winter ja auch nach Europa.“ Massoud sagt, das Leid der Afghanen sei nicht nur ihrer tiefen wirtschaftlichen Not geschuldet, sondern „weil es für sie keine Zukunft gibt“.

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