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„Agent Orange“ : „Kämpfen für Millionen Opfer“

  • Aktualisiert am

„Agent Orange”-Opfer: „Wollen nur Gerechtigkeit” Bild: picture-alliance / dpa

80 Millionen Liter des Entlaubungsmittels „Agent Orange“ hat das amerikanische Militär während des Vietnamkriegs eingesetzt. Eine Sammelklage von vier Millionen Vietnamesen gegen die Hersteller wurde nun von einem amerikanischen Gericht abgewiesen.

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          Ein amerikanisches Gericht hat am Donnerstag eine Sammelklage von rund vier Millionen Vietnamesen gegen die amerikanischen Hersteller des Entlaubungsmittels „Agent Orange“ zurückgewiesen, das von den Amerikanern im Vietnamkrieg eingesetzt worden war.

          Die Kläger wollten erreichen, daß die Herstellung des Mittels für den Kriegseinsatz als Kriegsverbrechen eingestuft wird, um Entschädigungszahlungen zu erhalten.

          „Urteil ist eine Schande“

          Bezirksrichter Jack Weinstein lehnte es ab, „Agent Orange“ mit Substanzen gleichzusetzen, deren Anwendung nach dem Kriegsvölkerrecht verboten ist, auch wenn sie vergleichbare Auswirkungen auf Mensch und Umwelt haben. Nach Ansicht des Richters konnten die Kläger auch nicht nachweisen, daß ihre gesundheitlichen Schäden von dem Mittel verursacht wurden.

          Die Abweisung der Klage ist in Vietnam auf Kritik und Enttäuschung gestoßen. Dieses Urteil sei eine Schande, sagte Nguyen Trong Nhan, Vizepräsident der Vietnamesischen Vereinigung der Opfer von Agent Orange, am Freitag. „Wir wollen nur Gerechtigkeit, sonst nichts.“

          Hohe Dioxin-Belastung

          Amerikanische Flugzeuge hatten während des Vietnamkriegs rund 80 Millionen Liter des Entlaubungsmittels versprüht, um den nordvietnamesischen Truppen die Deckung im Dschungel zu nehmen. Durch „Agent Orange“ wurde Dioxin freigesetzt. Eine Studie kam vor zwei Jahren zu dem Schluß, daß auch drei Jahrzehnte nach dem Krieg in einigen Regionen Vietnams die Dioxin-Belastung noch fast genau so hoch ist wie in den Tagen des Einsatzes des Mittels.

          Ein Zusammenhang zwischen dem Einsatz von „Agent Orange“ und Geburtsschädigungen ist wissenschaftlich bisher noch nicht nachgewiesen worden. Nach Angaben der vietnamesischen Regierung sind mehr als 620.000 Menschen Opfer des giftigen Mittels geworden. Sie sieht Washington in der moralischen Pflicht, den Kranken zu helfen.

          Kläger kündigen Revision an

          Die Beklagten, darunter die Unternehmen Monsanto und Dow Chemical, zeigten sich mit dem Richterspruch zufrieden. Dagegen kündigte die Gegenseite an, in Revision zu gehen. „Ich werde kämpfen, nicht nur für mich selbst, sondern für Millionen vietnamesischer Opfer“, sagte einer der Kläger, der 50 Jahre alte Nguyen Van Quy.

          Quy leidet unter Leber- und Magenkrebs. Er macht Agent Orange außerdem für Mißbildungen seiner Kinder verantwortlich. Beide sind geistig behindert, seine 14 Jahre alte Tochter ist zudem taubstumm. „Diejenigen, die diese giftigen Chemikalien hergestellt haben, müssen zur Rechenschaft gezogen werden“, sagte Quy.

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