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Syrische Stadt Afrin : Berichte von Ladenplünderungen durch protürkische Kämpfer

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Kämpfer der von der Türkei unterstützten „Freien Syrischen Armee“ plündern Berichten zufolge in Afrin Läden, Cafés, Behördengebäude und Wohnungen. Bild: AFP

Gerade erst hat die türkische Armee die Stadt Afrin eingenommen – in der es inzwischen zu Anschlägen und Diebstählen gekommen sein soll. Nun will der stellvertretende türkische Regierungschef die Region bald ihren „wahren Besitzern“ zurückgeben.

          Nach der Einnahme Afrins durch die türkische Armee und ihre arabischen Hilfstruppen von der „Freien Syrischen Armee“ (FSA) ist es in der kurdischen Stadt im Nordwesten Syriens offenbar zu Plünderungen und Anschlägen gekommen. Wie kurdische Quellen sowie mehrere Nachrichtenagenturen übereinstimmend berichteten und zum Teil durch Bilder belegten, raubten FSA-Kämpfer Cafés, Läden, Behördengebäude und Wohnungen aus. Bilder zeigten Lastwagen und Traktoren, deren Anhänger offenbar mit Diebesgut beladen sind.

          Mehrere Führer der syrischen Opposition gegen den syrischen Diktator Baschar al Assad kritisierten das Verhalten der Freischärler scharf. Ocha, die Behörde der Vereinten Nationen zur Koordinierung humanitärer Hilfe, sprach unterdessen von „fast 100.000“ Menschen, die aus Afrin in Gebiete unter Kontrolle Assads geflohen seien. Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes teilte mit, in Afrin litten „Zehntausende“ dort Verbliebene, denen es an Schlafplätzen, Nahrung, Wasser und Medikamenten fehle.

          Der stellvertretende türkische Regierungschef Bekir Bozdag versicherte am Montag, die Türkei habe nicht die Absicht, dauerhaft in Afrin zu bleiben. Sie wolle die Region ihren „wahren Besitzern“ zurückgeben, sagte Bozdag, ohne zu präzisieren, wer damit gemeint ist. Laut Bozdag ist es der Türkei im Laufe der Afrin-Operation gelungen, „die meisten“ Waffen einzusammeln, die den kurdischen „Volksschutzeinheiten“ (YPG) zuvor von den Amerikanern übergeben worden seien.

          Sprecher der syrischen Kurden erklären die rasche Einnahme Afrins durch die Türkei damit, dass sich die YPG aus Rücksicht auf die Zivilbevölkerung zu einem taktischen Rückzug entschieden, die Stadt den Angreifern also bewusst kampflos überlassen habe, den Kampf jedoch fortsetzen werde. So teilte der syrische Kurdenführer Salih Muslim auf Twitter mit: „Der Rückzug aus einer Schlacht bedeutet nicht, den Krieg verloren zu haben oder den Kampf aufzugeben.“

          Der Kampf werde fortgesetzt und das kurdische Volk werde sich gegen den geplanten „Genozid“ verteidigen. Laut der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu kamen derweil am Montag in Afrin bei einem Bombenanschlag sieben Zivilisten und vier FSA-Kämpfer ums Leben.

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