https://www.faz.net/-gq5-7px8g

Sudan : Zum Tode verurteilte Christin soll freikommen

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Das Todesurteil gegen eine Christin in Sudan hat weltweite Proteste ausgelöst. Jetzt soll die Frau überraschend freigelassen werden. Doch ihr Anwalt ist skeptisch.

          1 Min.

          Die in Sudan zum Tode verurteilte Christin Mariam Jahia Ibrahim Ischag soll in den nächsten Tagen freikommen. Das sagte ein hoher Beamter des Außenministeriums in Khartum am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Die sudanesische Regierung habe mit dem Fall nichts zu tun, sagte er. Das Gesetz erlaube den Bürgern zu glauben, was sie wollten. Die 27 Jahre alte Ischag war wegen angeblicher Abkehr vom Islam zum Tode verurteilt worden.

          Ihr Vater ist Muslim, die Mutter aber eine orthodoxe Christin aus Äthiopien. Ischag war wegen der weitgehenden Abwesenheit des Vaters als Christin erzogen worden. Das Schicksal der jungen Frau, die Anfang der Woche im Gefängnis eine kleine Tochter zur Welt gebracht hat, erregte international Aufsehen. Der britische Premierminister David Cameron nannte das Urteil „barbarisch“.

          Das Al-Hadsch-Jusif-Kriminalgericht in Khartum hatte Ischag am 15. Mai wegen „Gotteslästerung“ und „Glaubensabtrünnigkeit“ (Apostasie) zum Tode durch Erhängen verurteilt. Sie könne dem nur entkommen, wenn sie ihrem Glauben abschwöre und zum Islam zurückkehre.

          Der Regierungsbeamte sagte weiterhin, das Urteil werde von einem Berufungsgericht geprüft, das den Richterspruch noch ändern könne. Der Anwalt der Christin äußerte sich skeptisch. Das Berufungsgericht könne den Anklagepunkt Apostasie zwar fallen lassen. Es bleibe dann aber noch die Beschuldigung wegen Ehebruchs, weswegen sie zu 100 Peitschenhieben verurteilt worden war. Nach sudanesischem Scharia-Recht war die im Jahr 2012 eingegangene Ehe mit dem Christen Daniel Wani ungültig.

          Weitere Themen

          Groteske Geschichtsklitterung

          Streit über Peter Handke : Groteske Geschichtsklitterung

          Heute wird Peter Handke in Stockholm der Literaturnobelpreis verliehen. Die Debatte über seine Auszeichnung zeigt, wie anfällig selbst solche Milieus für Verschwörungstheorien sind, die sich für aufgeklärt und weltoffen halten.

          Topmeldungen

          Schriftsteller Peter Handke

          Streit über Peter Handke : Groteske Geschichtsklitterung

          Heute wird Peter Handke in Stockholm der Literaturnobelpreis verliehen. Die Debatte über seine Auszeichnung zeigt, wie anfällig selbst solche Milieus für Verschwörungstheorien sind, die sich für aufgeklärt und weltoffen halten.
          Traditionell ist die Agrarpolitik einer der größten Blöcke im Haushalt.

          EU-Gipfel : Das große Feilschen um die Milliarden

          Auf dem EU-Gipfel in dieser Woche steht ein Thema ganz oben auf der Agenda: Wie viel Geld soll fließen? Wohin soll es fließen? Und wie teuer wird das für Deutschland? Ein Überblick.

          „Tatsächlich Brexit“ : Boris Johnsons Charme-Offensive

          Mit einem Video, das eine berühmte Szene aus dem Weihnachtsklassiker „Tatsächlich Liebe“ nachstellt, bittet der britische Premierminister Boris Johnson um Wählerstimmen. Es ist überraschend gelungen – und bietet trotzdem unerwünschten Subtext.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.