https://www.faz.net/-gq5-7x2xc

Zimbabwe : Staatsstreich im Schlafzimmer

  • -Aktualisiert am

„Gucci-Grace“ in der ersten Reihe: Robert Mugabe mit seiner Gattin Bild: Reuters

Grace Mugabe - Spitzname „Gucci-Grace“ - drängt in die Politik. Wird die Frau des greisen Machthabers Robert Mugabe bald Präsidentin Zimbabwes?

          2 Min.

          Wenn der Weg das Ziel ist, dann wissen die Delegierten der zimbabwischen Regierungspartei Zanu-PF, was von ihnen erwartet wird: Die Straße zum Kongresszentrum heißt jetzt „Dr. Grace Mugabe Avenue“. Seit Dienstag tagen 12.000 Mitglieder der ehemaligen Befreiungsbewegung, um einen neuen Vorsitzenden zu wählen, die politischen Weichen für die kommenden Jahre zu stellen und die wichtigsten Posten innerhalb der Partei neu zu besetzen.

          Und doch dreht sich der ganze Kongress nur um die eine Frage: Was will Grace Mugabe? Die zweite Frau von Präsident Robert Mugabe drängt in die Politik, und zwar mit aller Macht. Ihr inzwischen neunzig Jahre alter Ehemann scheint im Angesicht seiner Restlebenszeit anscheinend sein Haus bestellen zu wollen, und da fällt ihm niemand anderes ein als seine 41 Jahre jüngere Frau.

          Es gilt als ausgemacht, dass Mugabe von den Delegierten als Vorsitzender der Partei bestätigt wird. Ebenso sicher ist, dass Frau Mugabe zur Vorsitzenden der einflussreichen Frauenliga der Zanu-PF gekürt wird, was ihr unter anderem einen Sitz im Politbüro sichern würde. Über das Fernziel der für ihre kostspieligen Einkaufstouren berüchtigten Grace herrscht allerdings Unklarheit. Soll sie Zwietracht im Politbüro säen, damit Gatte Bob leichter durchregieren kann, ist sie die Steigbügelhalterin für Justizminister Emmerson Mnangagwa, der sich als Erbe des Alten zu profilieren sucht - oder will sie ihrem Mann als Staatschef nachfolgen?

          Für Letzteres spricht unter anderem, dass Robert Mugabe noch vor Beginn des Kongresses die Direktwahl seiner Stellvertreter durch die Delegierten abgeschafft hat. Die darf der Präsident jetzt ernennen, und es würde niemanden wundern, wenn Madame Mugabe am Ende des Kongresses nicht nur Vorsitzende der Frauenliga, sondern auch stellvertretende Parteivorsitzende wäre.

          Dass die ehemalige Sekretärin mehr plant, als dem Justizminister in den Sattel zu helfen, zeigt allein der Umgang mit Joice Mujuru, die seit Jahren als stellvertretende Präsidentin des Landes dient. Bislang war sie auf die Rolle von Mugabes Kronprinzessin abonniert. Frau Mujuru ist zwar alles andere als eine Demokratin, gleichwohl genießt sie im Westen den Ruf einer Pragmatikerin, mit der man reden kann, was sie automatisch zu einer Gefahr für die Mugabe-Dynastie macht. Zuerst musste sich Mujuru im Sommer von der First Lady allerlei öffentlich vorgetragene Bösartigkeiten bieten lassen. Dann verdächtigte sie die staatliche Zeitung „The Herald“ gar, ein Mordkomplott gegen Mugabe geschmiedet zu haben, um den „Kolonialherren zu gefallen“. Wenige Tage vor dem Beginn des Parteitages war Frau Mujuru dann nicht mehr Mitglied des Politbüros. In Südafrika bereitet man sich seither klammheimlich auf ihren Asylantrag vor.

          Ähnlich rabiat wurde mit einem prominenten Vertreter der „Veteranen“ aus dem Befreiungskrieg verfahren, die vor nicht allzu langer Zeit noch Speerspitze des Regimes bei den Enteignungen von weißem Farmland gewesen waren. Jabulani Sibanda hatte die Unverschämtheit besessen, den orchestrierten Durchmarsch von Grace Mugabe als „Staatsstreich im Schlafzimmer“ zu bezeichnen, weshalb er sich jetzt wegen Beleidigung des Staatsoberhaupts vor Gericht verantworten muss. Wie mit der First Lady künftig umzugehen sei, auch dafür hat der „Herald“ längst den Ton vorgegeben. Der Instant-Akademikerin, die nach nur drei rekordverdächtigen Monaten von ihrem Gatten höchstpersönlich promoviert wurde, wird in der Zeitung inzwischen abwechselnd als „Dr. Amai“ (Dr. Mutter), als „Versöhnerin“, oder, wie zuletzt in einem geradezu feudalistischen Kniefall, als „Königin der Königinnen“ gehuldigt.

          Weitere Themen

          „Die Politik ist gegen uns“ Video-Seite öffnen

          „Bauerndemo“ in München : „Die Politik ist gegen uns“

          In München und Bonn gingen mehrere Tausend Beschäftigte aus der Landwirtschaft auf die Straße, um sich Gehör zu verschaffen. Tausende Landwirte appellierten mit Demonstrationen an Verbraucher und Politik, um positiver wahrgenommen und besser unterstützt zu werden.

          Topmeldungen

          Das britische Unterhaus am Dienstag Abend

          Johnson-Zeitplan abgelehnt : Brexit zum 31.Oktober nahezu ausgeschlossen

          Das britische Parlament hat den Gesetzesrahmen für den Brexit-Deal im Grundsatz gebilligt. Unmittelbar nach diesem Zwischenerfolg lehnte das Unterhaus jedoch den Zeitplan von Boris Johnson ab. EU-Ratspräsident Tust will eine Verlängerung der Brexit-Frist empfehlen.
          Mal wieder Münchner Mitarbeiter des Abends: Robert Lewandowski

          3:2 in Piräus : Bayern retten sich ins Ziel

          Die Bayern geraten bei Olympiakos Piräus früh in Rückstand und unter Druck – aber auf Torjäger Lewandowski ist Verlass. Für die Münchner Abwehr gilt das beim 3:2-Sieg schon wieder nicht.
          Kurze und höchst umstrittene Amtszeit: Stefan Jagsch spricht vor dem Gemeinschaftshaus in Altenstadt-Waldsiedlung.

          Nur einen Monat im Amt : NPD-Ortsvorsteher nach Eklat abgewählt

          Die Wahl eines NPD-Parteimitglieds zum Ortsvorsteher im hessischen Ort Altenstadt hatte bundesweit für Empörung gesorgt. Nun wurde Stefan Jagsch wieder abgewählt. Er fechtet die Entscheidung an – und versammelt einige Unterstützer hinter sich.

          AKK-Vorstoß : Gezielte Überrumpelung

          Annegret Kramp-Karrenbauer hat den Koalitionspartner mit ihrem Syrien-Vorstoß schwer düpiert. Jetzt muss sie ihre Idee so seriös weiterentwickeln, dass sie dem Vorwurf entgeht, es sei ihr nur um die eigene Profilierung gegangen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.