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Zimbabwe : Staatsstreich im Schlafzimmer

  • -Aktualisiert am

„Gucci-Grace“ in der ersten Reihe: Robert Mugabe mit seiner Gattin Bild: Reuters

Grace Mugabe - Spitzname „Gucci-Grace“ - drängt in die Politik. Wird die Frau des greisen Machthabers Robert Mugabe bald Präsidentin Zimbabwes?

          Wenn der Weg das Ziel ist, dann wissen die Delegierten der zimbabwischen Regierungspartei Zanu-PF, was von ihnen erwartet wird: Die Straße zum Kongresszentrum heißt jetzt „Dr. Grace Mugabe Avenue“. Seit Dienstag tagen 12.000 Mitglieder der ehemaligen Befreiungsbewegung, um einen neuen Vorsitzenden zu wählen, die politischen Weichen für die kommenden Jahre zu stellen und die wichtigsten Posten innerhalb der Partei neu zu besetzen.

          Und doch dreht sich der ganze Kongress nur um die eine Frage: Was will Grace Mugabe? Die zweite Frau von Präsident Robert Mugabe drängt in die Politik, und zwar mit aller Macht. Ihr inzwischen neunzig Jahre alter Ehemann scheint im Angesicht seiner Restlebenszeit anscheinend sein Haus bestellen zu wollen, und da fällt ihm niemand anderes ein als seine 41 Jahre jüngere Frau.

          Es gilt als ausgemacht, dass Mugabe von den Delegierten als Vorsitzender der Partei bestätigt wird. Ebenso sicher ist, dass Frau Mugabe zur Vorsitzenden der einflussreichen Frauenliga der Zanu-PF gekürt wird, was ihr unter anderem einen Sitz im Politbüro sichern würde. Über das Fernziel der für ihre kostspieligen Einkaufstouren berüchtigten Grace herrscht allerdings Unklarheit. Soll sie Zwietracht im Politbüro säen, damit Gatte Bob leichter durchregieren kann, ist sie die Steigbügelhalterin für Justizminister Emmerson Mnangagwa, der sich als Erbe des Alten zu profilieren sucht - oder will sie ihrem Mann als Staatschef nachfolgen?

          Für Letzteres spricht unter anderem, dass Robert Mugabe noch vor Beginn des Kongresses die Direktwahl seiner Stellvertreter durch die Delegierten abgeschafft hat. Die darf der Präsident jetzt ernennen, und es würde niemanden wundern, wenn Madame Mugabe am Ende des Kongresses nicht nur Vorsitzende der Frauenliga, sondern auch stellvertretende Parteivorsitzende wäre.

          Dass die ehemalige Sekretärin mehr plant, als dem Justizminister in den Sattel zu helfen, zeigt allein der Umgang mit Joice Mujuru, die seit Jahren als stellvertretende Präsidentin des Landes dient. Bislang war sie auf die Rolle von Mugabes Kronprinzessin abonniert. Frau Mujuru ist zwar alles andere als eine Demokratin, gleichwohl genießt sie im Westen den Ruf einer Pragmatikerin, mit der man reden kann, was sie automatisch zu einer Gefahr für die Mugabe-Dynastie macht. Zuerst musste sich Mujuru im Sommer von der First Lady allerlei öffentlich vorgetragene Bösartigkeiten bieten lassen. Dann verdächtigte sie die staatliche Zeitung „The Herald“ gar, ein Mordkomplott gegen Mugabe geschmiedet zu haben, um den „Kolonialherren zu gefallen“. Wenige Tage vor dem Beginn des Parteitages war Frau Mujuru dann nicht mehr Mitglied des Politbüros. In Südafrika bereitet man sich seither klammheimlich auf ihren Asylantrag vor.

          Ähnlich rabiat wurde mit einem prominenten Vertreter der „Veteranen“ aus dem Befreiungskrieg verfahren, die vor nicht allzu langer Zeit noch Speerspitze des Regimes bei den Enteignungen von weißem Farmland gewesen waren. Jabulani Sibanda hatte die Unverschämtheit besessen, den orchestrierten Durchmarsch von Grace Mugabe als „Staatsstreich im Schlafzimmer“ zu bezeichnen, weshalb er sich jetzt wegen Beleidigung des Staatsoberhaupts vor Gericht verantworten muss. Wie mit der First Lady künftig umzugehen sei, auch dafür hat der „Herald“ längst den Ton vorgegeben. Der Instant-Akademikerin, die nach nur drei rekordverdächtigen Monaten von ihrem Gatten höchstpersönlich promoviert wurde, wird in der Zeitung inzwischen abwechselnd als „Dr. Amai“ (Dr. Mutter), als „Versöhnerin“, oder, wie zuletzt in einem geradezu feudalistischen Kniefall, als „Königin der Königinnen“ gehuldigt.

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