https://www.faz.net/-gq5-7dq5m
 

Zimbabwe : Immer Ärger mit Comrade Bob

  • -Aktualisiert am

Der ewige Despot: Robert Mugabe Bild: REUTERS

Robert Mugabes dubioser Sieg in Zimbabwe ist nicht nur einer über die Opposition. Auch Südafrika ist düpiert worden. Ein Kommentar.

          3 Min.

          Zehn Jahre lang war Robert Mugabe der Paria der afrikanischen Politik. Binnen weniger Jahre verwandelte der Präsident von Zimbabwe sein einst blühendes Land in einen Hungerstaat, aus dem mehr als drei Millionen Menschen flohen. Mugabe ruinierte die Industrie und das von ihm begründete und als vorbildlich geltende Bildungssystem gleich mit. Zudem hat der Despot dem nach ausländischen Investoren lechzenden afrikanischen Kontinent den größten Ansehensverlust der jüngeren Vergangenheit zugefügt - und genau dieser Mugabe ist gerade im stolzen Alter von 89 Jahren für weitere fünf Jahre als Präsident seines Landes bestätigt worden.

          Ob dieses Ergebnis ausschließlich den manipulierten Wählerlisten zu verdanken ist oder ob seine Wiederwahl nicht auch der Enttäuschung über die Opposition unter Morgan Tsvangirai zu verdanken ist, bleibt dahingestellt. Als Ministerpräsident einer Regierung der nationalen Einheit hat Tsvangirai in den vergangenen vier Jahren keine Spuren hinterlassen.

          Doch Mugabes dubioser Sieg ist nicht nur einer über die Opposition. Es ist vor allem ein Sieg über seine ausländischen Widersacher, von denen die Europäer und die Amerikaner die unbedeutenderen sind. Aus Mugabes Sicht sind die Entwicklungsgemeinschaft im südlichen Afrika (SADC) und folglich die südafrikanische Regierung Gegner von ganz anderem Kaliber. Die Gratulation des südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma zum Wahlsieg muss Mugabe deshalb wie Musik in den Ohren geklungen haben. Wirtschaftlich und finanziell hängt Zimbabwe am Tropf Südafrikas. Doch wie immer, wenn es um die Durchsetzung außenpolitischer Interessen geht, ist Pretoria auf halbem Weg stehengeblieben. Insofern kann Zumas Gratulation auch als Kapitulation bezeichnen werden - allerdings eine, an der die zimbabwische Opposition eine gehörige Mitschuld trägt.

          Man kann viel mutmaßen über den Langmut, mit dem Mugabes politischer Amoklauf von den Nachbarländern zumindest hingenommen wurde. Da wäre etwa der Unwille, gegen einen der mutigsten Freiheitskämpfer im südlichen Afrika vorzugehen, dem insbesondere die südafrikanische Regierungspartei „African National Congress“ (ANC) zu großem Dank verpflichtet ist. Oder auch die politische Elite des südlichen Afrika, die innerhalb der SADC den Ton angibt und Tsvangirai schon deshalb nicht als Präsidenten im Nachbarland sehen wollte, weil dieser aus der Gewerkschaftsbewegung kommt und sein Aufstieg die aufmüpfigen Arbeiter zuhause auf Ideen bringen könnte. Was die Haltung Südafrikas angeht, trifft dieser Befund allerdings nur bis Mitte 2009 zu. Damals kam dort Zuma an die Macht, der mit dem windelweichen Kurs seines Vorgängers Mbeki gegenüber Mugabe zu brechen versuchte.

          Auch Tsvangirai hat versagt

          Zuma ernannte Lindiwe Zulu zur Sonderbeauftragten für Zimbabwe, eine Diplomatin, die genauso austeilen kann wie Mugabe. Frau Zulu bestimmte die Zimbabwe-Politik der SADC, was umso leichter fiel, als das andere Schwergewicht in diesem Regionalverband, nämlich Angola, keine Meinung über Zimbabwe hatte. Die neue Verfassung Zimbabwes, deren Ausarbeitung vier Jahre dauerte und viele Millionen Euro kostete, die überwiegend von der südafrikanischen Regierung bezahlt wurden, ist nicht zuletzt Frau Zulus Werk.

          Zu behaupten, Pretoria habe hinter den Kulissen nicht auf einen Regimewechsel in Zimbabwe hingearbeitet, ist jedenfalls falsch. Dass dieses Projekt gescheitert ist, liegt vor allem an Tsvangirai. Noch im Juni hatte Frau Zulu ihm geraten, die von Mugabe für Ende Juli anberaumten Wahlen zu boykottieren, um Zeit zu gewinnen für eine Bereinigung der Wählerlisten um mutmaßlich mehr als zwei Millionen Scheinwähler. Tsvangirai lehnte ab, weil er glaubte, er könne diese Wahl auch so gewinnen. Das Ergebnis ist bekannt. Dass Pretoria auf das falsche Pferd gesetzt hat, ist den Südafrikanern nicht anzulasten. Es gab keinen anderen Gaul in Harare.

          Insofern blieb Zuma nichts übrig, als Mugabe zum Sieg zu gratulieren. Das hat wenig mit nostalgischer Freiheitskämpferromantik oder einem kruden Verständnis demokratischer Gepflogenheiten zu tun. Das ist Realpolitik. Südafrika braucht Stabilität im Nachbarland, um die Stabilität im eigenen Land aufrechtzuerhalten. Zwischen zwei und drei Millionen Zimbabwer sind seit Beginn der Krise im Jahr 2002 nach Südafrika geflohen. Dort belasten sie nicht nur den zum Zerreißen gespannten Arbeitsmarkt, sondern bilden auch den Anlass für die immer wieder aufflammenden fremdenfeindlichen Ausschreitungen am Kap. Hätte die südafrikanische Regierung Mugabes Wahlsieg offiziell in Zweifel gezogen, hätte das unweigerlich zu Unruhen im Nachbarland geführt und damit zu einem neuen Exodus Abertausender Zimbabwer.

          Dennoch ist ausgeschlossen, dass sich das Verhältnis zwischen Südafrika und Zimbabwe nunmehr normalisiert. Mugabe ist nachtragend. Seine Ankündigung, die Anteilsmehrheit an ausländischen Unternehmen per Gesetz in zimbabwische Hände zu übertragen, trifft vor allem südafrikanische Firmen. Für Pretoria fängt der Ärger mit „Comrade Bob“ gerade erst an.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der Start am Weltraumbahnhof in Florida

          Cape Canaveral : Erste bemannte SpaceX-Rakete erfolgreich gestartet

          Es ist der erste bemannte Weltraumflug Amerikas seit neun Jahren – die Privatfirma SpaceX hat ihre Crew-Dragon-Kapsel ins All geschickt. Der erfolgreiche Start der zweistufigen Rakete bedeutet eine grundsätzliche Abkehr von der Art und Weise, mit der Astronauten bisher in den Orbit befördert werden.
          Nicht nur am Mainufer, sondern auch an der Frankfurter Börse herrscht frühlingshafter Optimismus.

          Steigende Kurse trotz Krise : Das Börsenvirus

          Die Wirtschaft liegt noch am Boden, doch die Kurse an der Börse steigen und steigen. Kann die Wette auf die bessere Zukunft aufgehen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.