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Zentralafrikanische Republik : Ringen um Einfluss

  • -Aktualisiert am

Waffen verboten: Gesundheitsposten in einem Flüchtlingslager bei Bangui Bild: dpa

Seit einem Jahr versinkt die Zentralafrikanische Republik in einem Bürgerkrieg. Regionalmächte bestimmen die Politik in dem rohstoffreichen Land. Die Übergangspräsidentin regiert nicht. Sie führt Befehle aus.

          3 Min.

          Es soll angeblich eine Versöhnungsgeste an die Muslime im Land sein: Am Montag ist Mahamat Kamoun, als erster Muslim in der Geschichte der Zentralafrikanischen Republik zum Ministerpräsidenten der seit Februar dieses Jahres amtierenden Übergangsregierung ernannt worden. Die Präsidentin der Übergangsregierung, Cathérine Samba-Panza, lobt Kamoun als ausgewiesenen Ökonomen. Vor allem aber ist der neue Ministerpräsident einer, der gerne Verantwortung übernimmt: Kamoun war einst Chef der Zentralbank unter Präsident Jean-François Bozizé, bevor er Finanzberater von Michel Djotodia wurde, der Bozizé im März vergangenen Jahres stürzte. Kamoun ist ein Stehaufmännchen im wahrsten Sinne und damit genau der Typ von Politiker, an dem die Zentralafrikanische Republik seit jeher krankt. Aber er gilt als pflegeleicht. Genau wie seine Chefin. Der eine ist nur an Geld interessiert, die andere an Prestige. Zusammen sind sie Wachs in den Händen der regionalen Akteure, allen voran des Präsidenten von Kongo-Brazzaville, Denis Sassou-Nguesso.

          Seit einem Jahr versinkt das rohstoffreiche Land in einem Bürgerkrieg. Alles begann im März vergangenen Jahres mit dem Sturz von Präsident Bozizé durch eine Rebellengruppe namens Séléka, die aus dem überwiegend muslimischen Norden gekommen war. Die Séléka unter ihrem Führer Djotodia errichtete eine Schreckensherrschaft, auf die die christliche Mehrheit der Bevölkerung mit der Gründung von Selbstverteidigungsgruppen namens Anti-Balaka reagierte. Das Land ist seither faktisch geteilt in einen muslimischen Norden und einen christlichen Süden. Und jede Gruppe gibt ihr Bestes, die jeweils andere zu massakrieren. Dazwischen lavieren 2000 französische und 6000 afrikanische Soldaten, ohne dass sich deswegen etwas geändert hätte.

          Die EU ist bei der Suche nach einer Lösung für das Land ebenso involviert wie die Afrikanische Union, die Zentralafrikanische Wirtschafts- und Währungsunion (Cemac) und die Vereinten Nationen. Frankreich verfolgt in der Zentralafrikanischen Republik Interessen, die sich nicht unbedingt mit denen der neuen Regionalmacht Tschad decken. Die ruandische Armee beteiligte sich in dem Moment an der afrikanischen Eingreiftruppe für die Zentralafrikanische Republik, als die Kongolesen ausgerechnet das Bataillon entsandten, das den von Ruanda unterstützten Rebellen in Ostkongo eine bittere Niederlage beigebracht hatte. Und dann gibt es in Bangui noch eine Übergangsregierung, die behauptet, im Namen des Volkes zu regieren und deren Macht buchstäblich an den Pforten des heruntergekommenen Präsidentenpalastes endet.

          Die Zentralafrikanische Republik ist - wieder einmal - zum Spielball ausländischer Interessen geworden. Das hat allerdings auch mit der Gier und der himmelschreienden Unfähigkeit des politischen Personals in dem Land zu tun. Die im Februar von ernannten (nicht gewählten) Parlamentariern zur Übergangspräsidentin bestimmte Samba-Panza ist das Paradebeispiel dafür. Diese Frau regiert nicht. Sie exekutiert vielmehr Befehle, die sie aus Brazzaville bekommt. Was Frau Samba-Panza interessiert, ist allein die Bezeichnung „Madame la Présidente“. Beim Gipfeltreffen der Afrikanischen Union in Äquatorialguinea musste sie den Raum verlassen, als die Staats- und Regierungschefs über das weitere Vorgehen in der Zentralafrikanischen Republik berieten. Und mit der jüngsten Kabinettsumbildung wartete Frau Samba-Panza, bis der Kongolese Sassou-Nguesso den geeigneten Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten ausfindig gemacht hatte.

          Wie wenig Einfluss die Zentralafrikaner eigentlich noch auf die Dinge im eigenen Land haben, zeigten auch die schweren Kämpfe zwischen französischen Soldaten und einem Teil der Séléka-Rebellen Anfang August in Batangafo im Norden des Landes. Die Gefechte dauerten mehrere Stunden und waren so heftig, dass die Franzosen zum Schluss Unterstützung durch Kampfflugzeuge anforderten, um Herren der Lage zu bleiben. Die Angreifer gehörten zu einer Gruppe der Séléka, die sich „Séléka Birao“ nennt, ihr Rückzugsgebiet im Nordosten des Landes hat und sich überwiegend aus sudanesischen und tschadischen Söldnern zusammensetzt.

          Soldaten der UN-Friedenstruppe patrouillieren in Bangui

          Die Kämpfe in Batangafo wiederum waren die Antwort der „Séléka Birao“ auf das Waffenstillstandsabkommen zwischen Séléka (oder besser: Teilen der Séléka) und den Anti-Balaka, das am 23. Juli in Brazzaville unterzeichnet worden war. Darin hatte sich der Séléka-Führer Mohamed Moussa Dhaffane, ein gebürtiger Zentralafrikaner, unter anderem verpflichtet, die Forderung nach einer Teilung des Landes fallenzulassen. Den Ausländern der „Séléka Birao“ gefiel das schon deshalb nicht, weil eine autonome Region im Norden des Landes ganz nach dem Geschmack ihrer Unterstützer in Tschad sein dürfte. Dort liegen große Öl-, Gold- und Uranvorkommen, auf die der tschadische Präsident Idriss Déby schon länger ein Auge geworfen hat. Derselbe Déby, der Bozizé bei seinem Putsch gegen Ange-Félix Patassé im Jahr 2002 unterstützte, um dann Bozizé von Djotodia stürzen zu lassen, als der anfing, mit südafrikanischen Rohstoffkonzernen zu kungeln. Die militärischen Kommandeure der „Séléka Birao“ gehören nahezu alle zum Volk der Zaghawa, der Ethnie von Déby, das sowohl in Tschad als auch in Sudan siedelt.

          Der inzwischen in Benin lebende ehemalige Putschpräsident Djotodia diente seinem Land einst als Generalkonsul im sudanesischen Nyala, dem Verwaltungszentrum der Provinz Darfur, wo die Zaghawas ebenfalls militärisch aktiv sind. Dennoch wird bei keiner Verhandlungsrunde für die Zentralafrikanische Republik die mehr als dubiose Rolle Tschads auch nur am Rande erwähnt. Der Grund dafür heißt Mali. Dort hatten die Tschader der französischen Armee wertvolle Dienste im Kampf gegen die radikalen Islamisten geleistet.

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