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Zentralafrikanische Republik : Bürgermeisterin von Bangui neue Interimspräsidentin

  • -Aktualisiert am

Hoffnungsträgerin: Catherine Samba-Panza nach ihrer Wahl Bild: AFP

Die bisherige Bürgermeisterin der zentralafrikanischen Hauptstadt Bangui ist zur neuen Übergangspräsidentin des Landes gewählt worden. Zwischen Muslimen und Christen reißt die Gewalt nicht ab. Die UN warnen vor einem Völkermord.

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          In der Zentralafrikanischen Republik hat am Montag das provisorische Parlament die Bürgermeisterin der Hauptstadt Bangui, Catherine Samba-Panza, zur neuen Übergangspräsidentin gewählt. Sie soll das Land bis zu freien Wahlen regieren, die voraussichtlich nicht vor Anfang 2015 stattfinden werden. Samba-Panza setzte sich im zweiten Wahlgang gegen den Sohn des ehemaligen Präsidenten André Kolingba, Désiré Kolingba, durch. An der geheimen Wahl hatten 129 der insgesamt 135 Parlamentarier teilgenommen. Kandidiert hatte auch Sylvain Patassé, der Sohn des ehemaligen Präsidenten Ange-Félix Patassé. Er konnte aber keine nennenswerte Zahl an Stimmen auf sich vereinen. Weder Kolingbas noch Patassés Vater waren zu Lebzeiten demokratisch an die Macht gekommen.

          Der Putschpräsident Michel Djotodia, der sich im vergangenen Jahr mit Hilfe der überwiegend muslimischen Séléka-Rebellen an die Macht geputscht hatte und der für die bürgerkriegsartigen Auseinandersetzungen seither verantwortlich gemacht wird, war vor rund zehn Tagen von den afrikanischen Nachbarn zum Rücktritt gezwungen worden und befindet sich gegenwärtig in Benin.

          „Gewalt, wie in Ruanda und Bosnien“

          Sowohl die afrikanischen Nachbarstaaten als auch die Europäische Union hatten vor der Wahl klargemacht, dass künftige Hilfe für die Zentralafrikanische Republik unter anderem davon abhänge, ob der neue Übergangspräsident integer genug ist, dem Land Frieden zu bringen. Unter anderem war gefordert worden, dass der Übergangspräsident weder mit der berüchtigten Séléka-Miliz zusammengearbeitet noch einer der zahlreichen Rebellengruppen im Land angehört haben dürfe. Angesichts solcher Kriterien ist der Vorsprung von Catherine Samba-Panza nicht verwunderlich, weil sie wohl die einzige aus der Riege der acht Kandidaten ist, deren Familie kein Blut an den Händen hat.

          Unterdessen gingen die Auseinandersetzungen zwischen christlichen und muslimischen Teilen der Bevölkerung unvermindert weiter. Am Sonntag waren abermals zwei Muslime in der Hauptstadt Bangui von einem christlichen Mob getötet und ihre Leichname in Brand gesetzt worden. Dem vorangegangen war offenbar die Entführung eines christlichen Taxifahrers durch ehemalige Séléka-Rebellen. Das Büro des Roten Kreuzes in Bangui meldete am Montag, seine Mitarbeiter hätten alleine am Wochenende im Landesinnern mehr als 50 Getötete bestattet.

          Die Zentralafrikanische Republik steht aufgrund der extremen Spannungen zwischen Muslimen und Christen nach Auffassung der Vereinten Nationen kurz vor einem Völkermord. Der UN-Beauftragte für humanitäre Einsätze, John Ging, hatte in der vergangenen Woche gesagt, die Verhältnisse in dem Land enthielten alle Elemente von Gewalt, wie sie früher in Ruanda oder Bosnien ausgeübt worden sei.

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