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Wahl in Benin : Baumwollkönig gegen Banker

  • -Aktualisiert am

Farbenfroh: Ein Unterstützer des mittlerweile ausgeschiedenen Präsidentschaftskandidaten Pascal Irenee Koupaki am 4. März in Cotonou Bild: AFP

Nicht nur in Amerika, auch in Benin wird ein neuer Präsident gewählt. Der Wahlkampf sieht anders aus; bunter, lauter, schneller. Am Ende könnten Moped-Taxifahrer die Wahl entscheiden.

          3 Min.

          Wahlkampf in Benin ist anders. Er ist lauter, bunter, hat mehr Rhythmus. Wer sich für einen der 33 Präsidentschaftskandidaten engagiert, der fährt mitunter hupend im Tross durch die sandigen Straßen Cotonous, wo der Staub sich an den Gliedmaßen festsetzt. Der rennt mit dem Megafon durch die Straßen und reißt Wahlplakate der Konkurrenten nieder, der tanzt, der klatscht, der singt. Das passt zu Cotonou, der heimlichen wirtschaftlichen Hauptstadt des kleinen Landes in Westafrika, denn auch Cotonou ist laut, bunt und hat einen schnellen Rhythmus. Auf den wenigen gepflasterten Hauptverkehrsachsen, die die Stadt durchkreuzen, schmeckt die Luft nach Benzin. Mehr als 400.000 Mopedtaxis schnellen jeden Tag durch die Stadt. Sie sind das wichtigste Fortbewegungsmittel in der größten Stadt Benins und auch bei der Wahl ist ihr Einfluss nicht geringzuschätzen.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Die Taxifahrer erkennt man an ihren gelben Shirts, und viele unterstützen mit einer Botschaft darauf auch einen Präsidentschaftskandidaten – für einen Tag dieser Wahlwerbung bekommen sie bis zu 5000 Francs (etwa 7,60 Euro). Angesichts eines Fahrpreises von 100 bis 200 Franc pro Fahrt sichert das ein gutes Auskommen, das an schlechten Tagen die Einnahmen aus den Fahrten weit übersteigen kann.

          Doch auch wer nicht mit den Zemidjans unterwegs ist (in der lokalen Fon-Sprache heißt das „nimm mich schnell mit“), entkommt man dem Wahlkampf nicht. Jede Mauer, jeder Pfahl, jedes Straßenschild ist zugepflastert mit Wahlplakaten. Von denen lächeln die 33 Kandidaten, so viele sind noch nie zuvor angetreten. Viele haben sich von den etablierten Parteien losgesagt und stellen sich parteilos zur Wahl. Im ersten Wahlgang am vergangenen Wochenende konnte sich keiner von ihnen mit einer absoluten Mehrheit durchsetzen, die für eine erfolgreiche Wahl benötigt wird. Nun wird die Stichwahl am 20. März ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen zwei Männern, die schon mehrmals auf der politischen Bühne des Landes präsent waren: dem Industriellen Patrice Talon und dem Bankier Lionel Zinsou.

          Am kommenden Sonntag wird der nächste Präsident Benins in einer Stichwahl entschieden. Bilderstrecke
          Am kommenden Sonntag wird der nächste Präsident Benins in einer Stichwahl entschieden. :

          Patrice Talon gilt als „Baumwollkönig“, er kam mit Düngemittel-Importen für die Landwirtschaft zu Wohlstand und kontrolliert diesen Industriezweig, der Benins größtes Exportgut herstellt. Talon war langjähriger finanzieller Unterstützer des amtierenden Präsidenten Thomas Boni Yayi, bis er 2012 verdächtigt wurde, den Präsidenten vergiften zu wollen. Sechs Mitverdächtige gingen ins Gefängnis, Talon ins Exil. Bis 2014 lebte er in Frankreich, dann wurde er von Boni Yayi begnadigt und kehrte in sein Heimatland zurück. Auf seinen Wahlplakaten gibt er sich staatsmännisch, sie erinnern in Stil und Beleuchtung stark an Aufnahmen Barack Obamas.

          Der Posten des Premierministers wurde extra  geschaffen

          Talons Gegner Lionel Zinsou gehört schon länger zum politischen Establishment in Benin. Er ist in Paris geboren, leitete einst Frankreichs größte Investmentbank und war Redenschreiber für Frankreichs einstigen Premierminister Laurent Fabius, der jetzt Vorsitzender des Verfassungsgerichts ist. In Benin engagierte sich Zinsou in den vergangenen Jahren nicht nur politisch, er gründete im Jahr 2013 auch die erste Stiftung für afrikanische Gegenwartskunst auf dem afrikanischen Kontinent außerhalb Südafrikas. Vom amtierenden Präsidenten Boni Yayi ist Zinsou als Nachfolger gesetzt worden, als dieser ihn im vergangenen Jahr zum Premierminister machte – ein Posten, der weder in der Verfassung vorgesehen ist, noch zuvor je besetzt worden war.

          Präsident Boni Yayi selbst muss nach zwei Legislaturperioden das Amt räumen, auch wenn er bis zuletzt durch Verfassungsänderungen versucht hat, sich eine dritte Amtszeit zu sichern. Das haben jüngst viele Präsidenten in afrikanischen Ländern probiert: Ein Referendum in Ruanda sicherte Paul Kagame zu, im Amt zu bleiben. In Burundi gab es Aufruhr wegen einer möglichen dritten Amtszeit von Präsident Pierre Nkurunziza. Die langjährigen Präsidenten von Uganda und der Republik Kongo verlängerten ihre Amtszeiten eigenmächtig. Benin jedoch hält an seiner Demokratie fest – zumindest äußerlich. Über Wahlstimmen, wird kolpotiert, entscheiden zumindest auf dem Land oft auch Geld- und Sachspenden. Knapp drei Viertel der zehn Millionen Bürger zählenden Bevölkerung sind Illiteraten. Die potentiellen Nachfolger Yanis lagen in der Wählergunst zuletzt ziemlich gleich auf: Lionel Zinsou holte im ersten Wahldurchgang am vergangenen Sonntag 28,4 Prozent der Stimmen, Talon 24,8 Prozent. Die Auszählung der Stimmen wird wohl auch bei der Stichwahl bis zum darauffolgenden Mittwoch dauern.

          Anmerkung der Redaktion

          In einer früheren Version des Artikels war von einer Stichwahl „am kommenden Sonntag“ die Rede. Gemeint war damit der 20. März. Diese Formulierung war missverständlich, wir haben sie inzwischen korrigiert.

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