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Wahlen in Moçambique : Übertünchter Bürgerkrieg

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Ein Produkt der Frelimo-Kaderschule: Filipe Nyusi Bild: AFP

Bei den Wahlen an diesem Mittwoch könnte sich in Moçambique erstmals eine dritte Kraft etablieren - neben den früheren Bürgerkriegsparteien Frelimo und Renamo.

          Wenn die Zahl der Zuschauer bei Wahlkampfveranstaltungen ein Indiz für das Abschneiden an den Urnen ist, dann würde Afonso Dhlakama die Wahlen in Moçambique am heutigen Mittwoch vermutlich gewinnen. Nirgendwo war der Auflauf größer als bei den Auftritten des Führers der „Resistência Nacional Moçambicana“ (Renamo), einer der beiden ehemaligen Bürgerkriegsparteien des Landes. 61 Jahre alt ist Dhlakama inzwischen, und er redet und denkt, als befinde er sich immer noch im Krieg. Vor zwei Jahren hatte er sogar damit gedroht, den Krieg wiederaufzunehmen, was angesichts der boomenden Wirtschaft einem nationalen Selbstmord gleichgekommen wäre. Insofern war das Interesse an ihm vermutlich weniger politisch begründet, als der schlichten Neugier geschuldet, einmal einen politischen Dinosaurier in Augenschein zu nehmen.

          Das moderne Moçambique wird gerne als Erfolgsgeschichte verkauft. Das Land verfügt über die größten bekannten Steinkohlereserven des Kontinents, und vor der Küste lagern Gasvorkommen, deren Größe nach Einschätzung von Fachleuten jene von Kuweit übertrifft. Um mehr als sieben Prozent wächst die Wirtschaft jedes Jahr, und die Hauptstadt Maputo hat sich von einer zusammengeschossenen Anhäufung von Plattenbauten in eine ebenso quirlige wie teure Metropole verwandelt. Seit 1992 regiert der ehemalige Gegner der antikommunistischen Renamo, die ehedem marxistische „Frente de Libertação de Moçambique“ (Frelimo), das Land. Und das könnte Teil des Problems sein.

          Politischer Dinosaurier: Oppositionskandidat Afonso Dhlakama

          Keine zwei Jahre ist es her, dass die Renamo mit einem neuen Krieg gedroht hat. Es gab Angriffe auf Polizeistationen und auf Überlandbusse auf der Strecke zwischen Maputo und der zweitgrößten Stadt des Landes, Beira. Zwei Dutzend Menschen kamen dabei ums Leben. Dhlakama hatte die Kämpfe mit der „Arroganz“ der Frelimo und der Geldgier ihrer Funktionäre begründet, und wenn auch niemand in Moçambique einen neuen Waffengang will, ganz unrecht hatte er mit seinen Anschuldigungen nicht. Die Korruption im Land ist schwindelerregend, und wer nicht zur Frelimo gehört, der hat kaum Chance, ein florierendes Geschäft zu betreiben.

          Der Bürgerkrieg von 1977 bis 1992 ist nicht vergessen, er ist nur übertüncht. Der ehemalige Präsident Joaquim Chissano war sich dieser offenen Wunden bewusst und hatte den Gesprächsfaden mit der Renamo-Führung auch dann nicht abreißen lassen, als er mit einer Dreiviertelmehrheit regierte. Unter seinem Nachfolger Armando Guebuza, den der Volksmund aufgrund seiner vielfältigen wirtschaftlichen Verflechtungen „Armando Gue-Business“ ruft, aber zählte nur noch das Geld.

          Die dritte Kraft: MDM-Kandidat Daviz Simango

          Guebuza darf nach zwei Amtsperioden nicht mehr antreten, gleichwohl ist seine Präsenz weiter zu spüren. Sein designierter Nachfolger ist Verteidigungsminister Filipe Nyusi, ein 55 Jahre altes Produkt der Frelimo-Kaderschule. Nyusi ist ein Zögling Guebuzas, womit zu erwarten steht, dass alles beim Alten bleibt. Die Frage ist allerdings, ob der Mann aus Cabo Delgado an der tansanischen Grenze gleich im ersten Anlauf die 50-Prozent-Hürde nimmt. Wenn nicht, müsste er sich einer Stichwahl gegen Dhlakama beziehungsweise gegen den dritten aussichtsreichen Kandidaten Daviz Simango durchsetzen.

          Der 50 Jahre alte Simango ist eine der interessanten Figuren der moçambiquanischen Politik. Er ist der Sohn eines ehemaligen Frelimo-Funktionärs, der kurz nach der Unabhängigkeit Moçambiques von Portugal 1975 aus der damals marxistischen Bewegung ausgeschlossen wurde, weil er zu liberal war. Sein Sohn Daviz Simango suchte seine politische Heimat bei der Renamo, bis die ihn an einer abermaligen Kandidatur als Bürgermeister von Beira hinderte, weil er zu populär geworden war. Als Unabhängiger schaffte Simango trotzdem seine Wiederwahl.

          Seinen Erfolg erklärt Simango gerne mit einem Blick auf die Geschichte des Landes. Renamo und Frelimo sind in seinen Augen nichts weiter als „bewaffnete Gruppen“, die sich um die Macht und das Geld streiten, wobei ihre Daseinsberechtigung doch eigentlich mit dem Ende des Kalten Krieges erloschen sei. Offensichtlich sehen das viele Moçambiquaner ganz ähnlich. Bei den Lokalwahlen vor zwei Jahren kam Simangos Partei „Movimento Democrático de Moçambique“ (MDM) in der Hauptstadt Maputo auf 41 Prozent aller Stimmen, obwohl sie nicht einmal einen Bürgermeisterkandidaten aufgestellt hatte. Der Frelimo wird die MDM bei diesen Wahlen vermutlich noch nicht gefährlich werden. Aber dass sie die Renamo als größte Oppositionspartei ablösen wird, gilt als sehr wahrscheinlich.

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