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Wahl in Nigeria : Deutlicher Vorsprung für Oppositionsführer Buhari

  • -Aktualisiert am

Muhammadu Buhari gibt eine Pressekonferenz. Bild: Reuters

Nach offiziellen Zwischenergebnissen liegt Oppositionsführer Muhammadu Buhari in Nigeria vor Präsident Jonathan Goodluck. Die Lage im Land ist angespannt.

          Bei der Präsidentenwahl in Nigeria liegt der Herausforderer Muhammadu Buhari deutlich vor dem Amtsinhaber Goodluck Jonathan. Nach Auszählung von 30 der 36 Bundesstaaten gewann Buhari davon 18 Staaten. Jonathan siegte in zwölf Bundesstaaten sowie im Hauptstadtterritorium Abuja, wie die Wahlkommission am Dienstag mitteilte. Nach den offiziellen Zwischenergebnissen kam Buhari auf mindestens rund 13,8 Millionen Stimmen, Jonathan auf etwa 10,8 Millionen Stimmen.

          Buhari gelang es zudem, den südlichen Bundesstaat Lagos zu gewinnen. Alleine im Bundesstaat Kano im Norden, einem der größten Wahlbezirke des Landes, betrug der Vorsprung Buharis auf Jonathan 1,7 Millionen Stimmen. Kano ist einer der Bundesstaaten, die seit fünf Jahren Ziel der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram sind. Der muslimische Norden scheint nahezu geschlossen für den ehemaligen General Buhari gestimmt zu haben. Insgesamt waren in Nigeria 69 Millionen Bürger wahlberechtigt.

          Das Lager Buharis beanspruchte bereits vor Verkündung des Wahlergebnisses den Sieg. Ein Sprecher der Buhari-Partei All Progressives Congress (APC) sagte der Nachrichtenagentur AFP, es sei „das erste Mal in der Geschichte Nigerias“, dass die Opposition eine Regierung bei einer Wahl aus dem Amt gedrängt habe.

          Der Muslim Buhari ist ein ehemaliger General der nigerianischen Streitkräfte, der sich 1983 an die Macht putschte, bevor er von einem anderen General, Ibrahim Babangida, 1985 selbst gestürzt wurde.

          Allerdings standen am Dienstag zunächst noch einige Ergebnisse aus dem Niger-Delta aus. Das Delta gilt als Hochburg des Christen Jonathan. Dort war es bereits am Sonntagabend zu Zusammenstößen zwischen Anhängern beider Lager gekommen. Anlass war der Vorwurf der APC an die nationale Wahlkommission, die Ergebnisse zu fälschen. Eine ähnliche Sorge hatten der amerikanische Außenminister John Kerry und der britische Außenminister Philip Hammond geäußert, die vor „möglichem politischen Einfluss“ beim Auszählen der Stimmen warnten. Der Präsident der Wahlkommission, Attahiru Jega, bestritt die Vorwürfe vehement.

          Im Bundesstaat Rivers musste angesichts der Vehemenz der Proteste eine nächtliche Ausgangssperre verhängt werden. Die Wahl verlief nach einhelliger Meinung nationaler und internationaler Wahlbeobachter insgesamt jedoch friedlich und ehrlich. Die Ankündigung von Boko Haram, die Wahlen in ein Blutbad zu verwandeln, konnte verhindert werden. Lediglich im Bundesstaat Gombe war es zu vereinzelten Angriffen auf Wähler gekommen.

          Angesichts der gespannten Lage und der Sorge vor gewaltsamen Ausschreitungen rief die Afrikanische Union dazu auf, für den Fall von Wahlfälschungen alle „legalen Wege“ auszuschöpfen, statt zu Straßenkämpfen zwischen den Anhängern beider Lager aufzurufen. In dem entlang religiöser und ethnischer Gräben geteilten Nigeria waren Wahlausgänge bislang immer von Gewalt überschattet gewesen. Bei den Wahlen im Jahr 2011 wurden mehr als 1000 Menschen getötet.

          Der Gewinner muss in Nigeria neben einer absoluten Stimmenmehrheit auch mindestens 25 Prozent der Stimmen in zwei Dritteln der Bundesstaaten gewinnen. Gelingt dies keinem Kandidaten, kommt es zu einer Stichwahl.

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