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Gastbeitrag : Afrikas friedliche Entwicklung liegt in unserem ureigensten Interesse

  • -Aktualisiert am

Geschossen wird hier nicht: Das malische Parlament nach einer Rede Herman Van Rompuys in Bamako Bild: REUTERS

Vor dem EU-Afrika-Gipfel, der an diesem Dienstag beginnt, fordern die Verteidigungsminister Deutschlands und Frankreichs, Ursula von der Leyen und Jean-Yves Le Drian, in der F.A.Z. ein stärkeres Engagement Europas in Afrika.

          Für uns Europäer ist Afrika mit seinen 54 Ländern unser großer Nachbar im Süden. Unsere Zukunft ist mehr denn je eine gemeinsame. Afrika ist ein Kontinent der Chancen. Eine junge, dynamische Bevölkerung, Staaten mit großem wirtschaftlichem Entwicklungspotential, ein ungeheurer Reichtum an Ressourcen und insbesondere ein wachsender Mittelstand zeigen: Afrika wird mehr und mehr zu einem bedeutenden Akteur in der globalen Wirtschaft.

          Aber Afrika ist auch ein Kontinent der Krisen. Der Konflikt in der Zentralafrikanischen Republik, Unruhen im Südsudan und in der Region der Großen Seen, unermessliches Flüchtlingselend in Darfur und Gewaltakte in Somalia machen deutlich, wie zerbrechlich manche Staaten in Afrika sind. Schwache Institutionen, poröse Grenzen und Verwerfungen in ihren Sicherheits- und Verteidigungsstrukturen machen sie verwundbar gegenüber Bedrohungen, die immer stärker über Landesgrenzen hinaus wirken. Dabei entwickelt sich der raumgreifende Terrorismus in der Sahelzone zu einer der großen Gefahren für die Sicherheit Afrikas und Europas.

          Es geht um die Versorgung mit strategisch wichtigen Gütern, strategische Handelsinteressen und auch um die Sicherheit europäischer Staatsbürger in Afrika. Diese gemeinsamen Interessen zu wahren und zu schützen ist daher ein gemeinsames Anliegen: der Afrikaner wie der Europäer. Deutschland und Frankreich sind deshalb davon überzeugt, dass Fragen der Sicherheit ein wichtiges Element des EU-Afrika-Gipfels am 2. und 3. April sein müssen.

          Vorzeichen von Krisen früher wahrnehmen

          Oberstes Ziel muss sein, Krisen in Afrika möglichst früh vorzubeugen. Stabilisierungsbemühungen sind leichter, wenn die Vorzeichen einer Krise früher wahrgenommen werden und Europa dann in einem ganzheitlichen Ansatz und in enger Kooperation mit den afrikanischen Partnern reagiert. Militärische Mittel ersetzen gewiss keine politischen Lösungen. Aber sie können zur Stabilisierung und zum Schutz der Bevölkerungen beitragen und damit entscheidende Voraussetzungen für einen Wiederaufbau schaffen.

          Die Europäische Union ist mit ihrem umfassenden sicherheits- und entwicklungspolitischen Ansatz prädestiniert dafür, krisenvorbeugend zu handeln, bei akuten Krisen einzugreifen und auch bei der Krisennachsorge stabilisierend zu wirken.

          Verteidigungsministerin von der Leyen im Trainingscamp von Koulikoro

          Mali veranschaulicht exemplarisch die Komplexität der Herausforderung: Am Jahresende 2012 drohte der malische Staat mit seinen fast 14 Millionen Einwohnern unter das Regime radikal-islamistischer Terroristen zu fallen. Was das bedeutet hätte, zeigte sich in den Städten, die von den Terrorgruppen eingenommen wurden: blutige Gewalt, Vertreibung und Zerstörung. Es war das rasche und beherzte Eingreifen Frankreichs, das weiteres Chaos und Blutvergießen verhinderte. Frankreichs Einsatz bildete zugleich den Beginn eines breiten Bündnisses und internationalen Engagements: Staaten aus Afrika, Europa und der Welt helfen Mali beim Wiederaufbau staatlicher Strukturen.

          Weder die afrikanischen Staaten noch die Europäer wollen und werden aber dauerhaft in Mali engagiert bleiben. Deswegen muss es auch hier Ziel sein, den malischen Staat wieder in die Lage zu versetzen, selbst Herrschaft im gesamten Staatsgebiet auszuüben. Die europäische militärische Trainingsmission ist dazu neben diplomatischen und entwicklungspolitischen Maßnahmen ein geeignetes Instrument. Die Ergebnisse sind beeindruckend: von der Pionier- und Infanterieausbildung über die Beratung bis hin zum Aufbau von Militärkrankenhäusern. Ein besonderes Zeichen der intensivierten Zusammenarbeit wird sein, dass Deutschland und Frankreich auch Angehörige der Deutsch-Französischen Brigade einsetzen.

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