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Verteidigungsminister im F.A.Z.-Gespräch : Le Drian würdigt Beitrag der Bundeswehr in Mali

Spalier der Dankbarkeit: Französische Truppen verlassen den Flughafen von Bamako gen Norden. Bild: dpa

Der französische Verteidigungsminister respektiert den Beitrag der Bundesregierung im Mali-Konflikt. Nun sei eine deutsche Beteiligung an der EU-Ausbildungsmission entscheidend. Tschadische Einheiten besetzten derweil Kidal.

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          Trotz der militärischen Zurückhaltung Deutschlands im Mali-Krieg hat der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian den Beitrag der Bundesregierung gewürdigt. „Das wissen wir sehr zu schätzen“, sagte Le Drian im Gespräch mit der F.A.Z.. Dass Deutschland in militärischen Fragen anders denke, erkläre sich aus seiner „ganz anderen Geschichte“. „Ich respektiere das“, sagte Le Drian. Die EU-Ausbildungsmission, an der sich Deutschland beteiligen will, sei jetzt das Entscheidende.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Dabei müssten die Europäer aus der „bedauerlichen amerikanischen Erfahrung“ lernen und verhindern, dass sich vom Ausland ausgebildete Einheiten wie im vorigen Jahr gegen die Zentralregierung wenden. Die wichtigste Lektion sei, dass die malische Armee „das gesamte Staatsgebilde widerspiegeln“ müsse, erläuterte Le Drian. Frankreich werde in dem Land bleiben, bis die afrikanische Mali-Truppe einsatzfähig sei. „Frankreich ist nicht berufen, dauerhaft in Mali zu bleiben“, sagte er.

          Unterdessen trafen in der nordmalischen Stadt Kidal, einer der Hochburgen der radikalen Tuareg, am Dienstag die letzten Soldaten einer 1800 Mann starken Militäreinheit aus Tschad ein. Die Aufgabe der Tschader, die sich mit insgesamt 2000 Mann an der Militärmission in Mali beteiligen, sei die Sicherung der Stadt, hieß es im französischen Verteidigungsministerium. Lediglich am Flughafen der Stadt seien französische Fallschirmjäger stationiert. Kidal wird von einer Gruppe namens Islamische Bewegung des Azawad (MIA) kontrolliert, bei der es sich um Tuaregs handelt, die zuvor bei den radikalen Islamisten der Gruppe Ansar al Dine gekämpft hatten, die aber angesichts des rasanten Vorstoßes der französischen Armee neuerdings vorgeben, eine friedliche Lösung des Konfliktes in Mali anzustreben. Die MIA weigert sich allerdings, malische Truppen nach Kidal zu lassen und begründet dies mit der Angst vor Übergriffen auf die Tuareg-Bevölkerung.

          Aus französischer Sicht sind die Führer dieser Gruppe wichtige Gesprächspartner bei den Bemühungen, die sieben französischen Geiseln, die sich noch in der Hand der Dschihadisten befinden, unversehrt freizubekommen.

          Tschader sichern Kidal

          Damit erklärt sich auch die Anwesenheit der Tschader in Kidal, denn auf diese Weise wird der Forderung der Tuareg entsprochen, keine malischen Soldaten in die Stadt zu lassen, und gleichzeitig jeder mögliche Versuch der Tuareg unterbunden, sich neu zu organisieren und zu bewaffnen.

          Friedensmacht? Tschadische Soldaten auf ihrem „Technical“ Bilderstrecke

          Nach Informationen aus französischen Sicherheitskreisen soll der Führer der MIA, Alghabasse Ag Intalla, Kontakt sowohl zu Einheiten von Al Qaida im islamischen Maghreb (Aqmi) als auch der Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika (Mujao) aufgenommen haben, die beide in dem Gebirgszug von Ifoghas unweit von Kidal vermutet werden. Dort soll sich auch Iyad Ag Ghaly aufhalten, der Führer von Ansar al Dine. Ghaly stammt aus Kidal. Die französische Regierung spekuliert offenbar darauf, dass die Geiselnehmer angesichts der inzwischen unmittelbaren Bedrohung durch französische Kommandosoldaten zu Verhandlungen über die Freilassung der Geiseln bereit sind.

          Derweil rückten am Dienstag rund 600 französische Soldaten aus der Wüstenstadt Timbuktu in Richtung Kidal ab. Das Kontingent werde zunächst nach Gao verlegt, um von dort auf dem Landweg nach Kidal zu gelangen, hieß es im französischen Generalstab. Mit einem Eintreffen der Franzosen in Kidal ist demnach nicht vor dem Wochenende zu rechnen.

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