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In Südsudan : UN-Bericht: Blauhelme sahen bei Vergewaltigungen einfach weg

  • Aktualisiert am

Ein Untersuchungsbericht macht Soldaten der Vereinten Nationen schwere Vorwürfe. Bild: Reuters

In einem Bericht verurteilen die Vereinten Nationen das Verhalten ihrer Truppe. Die Soldaten seien selbst bei Vergewaltigungen nicht eingeschritten, offenbar auch aus Feigheit.

          Die UN hat ihren Blauhelmen im afrikanischen Bürgerkriegsland Südsudan schweres Versagen beim Schutz von Zivilisten bescheinigt und den Kommandeur der Truppe entlassen. Auf die Kämpfe in der Hauptstadt Juba im Juli habe die Blauhelmtruppe „chaotisch und ineffektiv“ reagiert und Zivilisten trotz offenkundiger Menschenrechtsverletzungen im Stich gelassen, heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht der Vereinten Nationen. Es habe einen „Mangel an Führungskraft, Einsatzbereitschaft und Abstimmung“ gegeben.

          Blauhelme reagierten nicht

          Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte sich „tief erschüttert“ über die Befunde und ordnete die sofortige Entlassung des Kommandeurs der Unmiss-Mission an. Der kenianische General Johnson Mogoa Kimani Ondieki hatte erst im Mai die Führung der Truppe übernommen. Bans Sprecher kündigte weitere Maßnahmen an, um auf die Missstände zu reagieren.

          Die Untersuchungskommission zeichnet in ihrem Bericht das Bild einer Blauhelmtruppe, die offenbar systematisch ihre Pflichten verletzte und Risiken beim Schutz von Zivilisten scheute. Die Soldaten hätten auch dann nicht eingegriffen, als sie zu Augenzeugen schwerer Gewalttaten an Zivilisten geworden seien.

          Bei der Untersuchung ging es in erster Linie um einen Angriff südsudanesischer Soldaten am 11. Juli auf ein Hotel in der Hauptstadt Juba, in dem Mitarbeiter internationaler Organisationen untergebracht waren. Bei diesem Angriff „wurden Zivilisten zum Opfer oder zu Augenzeugen schwerer Menschenrechtsverletzungen wie Mord, Einschüchterung, sexueller Gewalt und Taten, die auf Folter hinausliefen“, heißt es in dem Bericht.

          Eine Frau schrie vergebens

          Die Blauhelme griffen nicht ein, obwohl das Hotel nur 1,2 Kilometer von ihrem Stützpunkt entfernt liegt und sie zur Hilfe gerufen worden seien. Die Soldaten aus China, Indien, Nepal und Äthiopien hätten „die Anfragen zurückgewiesen und mitgeteilt, sie sind bereits voll im Einsatz“.

          Nach Angaben der Organisation Human Rights Watch wurde bei dem Überfall auf das Hotel ein Journalist getötet, zudem seien mehrere Ausländerinnen vergewaltigt worden.

          Der UN-Bericht führt einen weiteren Fall an, als am 2. September eine Frau am Eingang zum Gelände der Blauhelm-Mission „in Sichtweite“ der Soldaten vergewaltigt worden sei. „Trotz der Schreie der Frau haben sie nicht eingegriffen“, heißt es in dem Befund. Die UN-Soldaten hätten generell ein „risikoscheuendes Verhalten an den Tag gelegt, das nicht geeignet war, Zivilisten vor sexueller Gewalt zu schützen“.

          Zudem hätten sich Unmiss-Soldaten geweigert, in Juba zu Fuß auf Patrouille zu gehen. Stattdessen hätten sie die Lage „aus den winzigen Fenstern gepanzerter Truppenfahrzeuge observiert“, heißt es in dem Bericht. „Dieser Ansatz ist schlecht geeignet, um Verantwortliche von sexueller Gewalt ausfindig zu machen und der Bevölkerung ein Gefühl der Sicherheit zu geben.“

          Die Blauhelmsoldaten sollen in dem Bürgerkriegsland für ein Ende der im Juli wieder aufgeflammten Kämpfe zwischen den Truppen von Präsident Salva Kiir und dem Rebellenführer Riek Machar sorgen. Die Mission war kürzlich um 4000 Soldaten auf nun 16.000 Blauhelme aufgestockt worden. An Unmiss sind derzeit auch 15 Bundeswehrsoldaten aus Deutschland beteiligt.

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