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Epidemie in Westafrika : Sicherheitsrat beschließt UN-Mission gegen Ebola

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Hilfe zur Selbsthilfe: Eine Mitarbeiterin der WHO bringt medizinischem Personal in Sierra Leone den Umgang mit Schutzanzügen bei Bild: AP

Zum ersten Mal in seiner Geschichte kam der UN-Sicherheitsrat wegen einer Epidemie zusammen. Eine Notmission soll die Ebola-Seuche nun in den Griff bekommen. Die betroffenen Länder greifen derweil zu drastischen Maßnahmen.

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          Die Vereinten Nationen wollen eine Notmission in die von der Ebola-Epidemie betroffenen Staaten Westafrikas entsenden. Damit begegne man einer Gefahr für Frieden und Sicherheit in der Welt, sagte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon nach einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats in der Nacht zum Freitag in New York. Der Sicherheitsrat hatte sich zum ersten Mal in seiner Geschichte wegen einer Epidemie getroffen. Ban rief Staaten weltweit auf, mehr zur Bewältigung der Krise beizutragen als bisher.

          Die UN schätzen, dass sie in den kommenden sechs Monaten mindestens eine Milliarde Dollar zur Eindämmung der Epidemie benötigen, die vor allem in Guinea, Liberia und Sierra Leone grassiert. Die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation WHO, Margaret Chan, sprach von weitaus höheren Todeszahlen als bisher offiziell bekannt. Bei den erfassten gut 5.500 Infizierten und 2.500 Toten handele es sich um grobe Unterschätzungen.

          Ebola könnte Weltwirtschaft bedrohen

          Die vom Sicherheitsrat beschlossenen UN-Mission soll sicherstellen, dass die Ausbreitung der Krankheit gestoppt und Infizierte bestmöglich behandelt werden. Außerdem sollen grundlegende Dienste der betroffenen Staaten erhalten, die Stabilität in den Ländern gewährleistet und künftige Ausbrüche vermieden werden. Details der Mission, etwa ihre Größe, wurden zunächst nicht bekannt. Der Sicherheitsrat beschloss die Resolution, die von 131 Staaten unterstützt wurde, einstimmig.

          Unterdessen warne der Weltbankchef Jim Yong Kim davor, dass die Ebola-Epidemie die gesamte Weltwirtschaft bedrohen könnte, wenn die Staatengemeinschaft das Problem nicht in den Griff bekommt. „Wir haben aber das Werkzeug, alles unter Kontrolle zu bekommen, deshalb bin ich optimistisch“, sagte Kim am Freitag vor dem Treffen der Finanzminister der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) im australischen Cairns.

          Eskorte in die Quarantäne: Helfer bringen eine Frau, die Ebola haben könnte, in eine Klinik

          Schafte Kritik an den bisherigen Maßnahmen gegen die Epidemie kam von der stellvertretenden Präsidentin des Bundestages, Claudia Roth (Grüne). Sie sagte: „Die internationale Gemeinschaft, auch die Bundesregierung, haben angesichts dieser Katastrophe bislang völlig versagt.“ Dem Berliner „Tagesspiegel“ sagte sie, Ebola in Westafrika bedeute „unvorstellbares Leid, tausendfachen Tod und allgegenwärtige Angst“. Das alles wäre vermeidbar gewesen, hätte die Weltgesellschaft früher gehandelt. Der deutschen Regierung warf Roth vor, die jetzt zugesagten Mittel kämen viel zu spät und seien höchstens ein Tropfen auf den heißen Stein

          Die Bundesregierung wehrte sich umgehend gegen die Kritik, die in dieser Form etwa auch von der Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ erhoben worden war. Regierungssprecher Steffen Seibert verwies am Freitag in Berlin darauf, dass Deutschland bereits vor mehreren Monaten tätig geworden sei. Die Bundesregierung habe seit dem Frühjahr ein „breites Angebot“ an die betroffenen Länder gemacht. Zugleich werde weitere personelle und materielle Unterstützung geprüft. Dazu solle es am Nachmittag auch ein Krisengespräch im Auswärtigen Amt geben. Am Donnerstag hatte Deutschland angekündigt, die finanzielle Hilfe im Kampf gegen Ebola um fünf auf 17 Millionen Euro zur erhöhen.

          Ausgangssperre in Sierra Leone

          Während die Staatengemeinschaft über Hilfe berät, greifen die betroffenen Länder zum immer drastischeren Maßnahmen. In Sierra Leone hat in der Nacht zum Freitag eine dreitägige Ausgangssperre begonnen, während der die Regierung gezielt gegen die Ebola-Epidemie vorgehen will. Bis zum Sonntag soll Fachpersonal von Tür zu Tür gehen, um nach möglichen verborgenen Ebola-Kranken unter den sechs Millionen Einwohnern zu suchen und die Bevölkerung über Schutzmaßnahmen aufzuklären.

          Staatspräsident Ernest Koroma sagte in einer Radio- und Fernsehansprache zum Beginn der Ausgangssperre, „außergewöhnliche Zeiten“ erforderten „außergewöhnliche Maßnahmen“. „Die dreitägige Maßnahme wird nicht allein die Ausbreitung von Ebola beenden, aber wenn alle auf die Empfehlungen der Aufklärungsteams hören, wird sie erheblich dazu beitragen, die Geschwindigkeit der Ausbreitung zu drosseln“, sagte Koroma. „Ärzte ohne Grenzen“ kritisierte die Ausgangssperre. Mit ihr werde das Vertrauen zwischen Ärzten und Patienten zerstört, sagte eine Sprecherin. Erkrankte würden in den Untergrund getrieben, was zu einer weitere Ausbreitung der Seuche führe.

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