https://www.faz.net/-gq5-7kk16

UN-Berichte : Bis zu 500 Tote in Südsudan

  • Aktualisiert am

Südsudanesische Flüchtlinge auf dem Weg zu einem UN-Stützpunkt in der Hauptstadt Juba Bild: AP/UNMISS/Rolla Hinedi

Nach dem angeblichen Putschversuch in Südsudan sind nach Angaben der UN bis zu 500 Menschen getötet worden. Mehr als 15.000 Menschen suchten Zuflucht bei den UN-Truppen.

          2 Min.

          Bei den Kämpfen zwischen rivalisierenden Fraktionen der Armee in Südsudan sind einem UN-Vertreter zufolge bis zu 500 Menschen getötet worden. In die Krankenhäuser der Hauptstadt Juba seien 400 bis 500 Leichen eingeliefert worden, sagte der Leiter der UN-Friedenseinsätze, Hervé Ladsous, laut Diplomaten am Dienstag vor dem Sicherheitsrat in New York.

          Zwischen 15.000 und 20.000 Menschen hätten sich seit Beginn der Kämpfe am Sonntag in die UN-Quartiere geflüchtet, wurde Ladsous weiter zitiert. Die Zahlen basierten demnach auf Angaben der Krankenhäuser, die Vereinten Nationen hätten sie wegen neuer Kämpfe am Dienstag bislang nicht überprüfen können. In Juba, wo sich offenbar verschiedene ethnische Gruppen bekämpften, herrsche eine „extrem angespannte“ Lage.

          Frankreichs Botschafter bei den Vereinten Nationen, Gérard Araud, bestätigte die neuen Zahlen ebenfalls nicht. Sicher sei aber, dass die Opferbilanz hoch sei, sagte er. Es gebe „dutzende und aberdutzende Opfer“. Auch aus Pibor im östlichen Bundesstaat Jonglei würden Kämpfe gemeldet, sagte Araud weiter.

          Washington zieht Diplomaten ab

          Die Beratungen des UN-Sicherheitsrats waren von den Vereinigten Staaten beantragt worden, die die Gründung Südsudans 2011 unterstützt hatten. Angesichts der jüngsten Gefechte kündigte Washington am Dienstag an, es ziehe alle nicht unbedingt notwendigen Diplomaten und Botschaftsmitarbeiter sofort ab.

          Die Kämpfe zwischen Truppen, die Präsident Salva Kiir gegenüber loyal sind, und Soldaten, die seinen langjährigen Rivalen Riek Machar unterstützen, waren am Sonntag ausgebrochen. Kiir hatte am Montag von einem vereitelten Putsch Machars gesprochen. Einige Beobachter bezweifeln diese Darstellung und mutmaßen, dass sich Kiir Machars zu entledigen versuche. Am Dienstag hatte die Regierung erklärt, in Zusammenhang mit dem „Putschversuch“ seien zehn Politiker festgenommen, darunter acht im Juli entlassene Minister.

          Machtkampf ums Präsidentenamt

          Machar, der laut Juba auf der Flucht ist und gesucht wird, führt die gespaltene SPLM-Gruppe. Nachdem er seine Kandidatur gegen Kiir bei der Präsidentschaftswahl 2015 angekündigt hatte, wurde Machar im Juli als Vizepräsident entlassen. Während Kiir der Ethnie der Dinka angehört, ist Machar Nuer.

          UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hatte am Dienstag Präsident Kiir aufgefordert, seinen Gegnern ein „Dialogangebot“ zu machen, um die Kämpfe zu beenden. Auch die Afrikanische Union äußerte sich „höchst besorgt“ und mahnte eine Deeskalation an.

          Kiir ist in Südsudan umstritten. In den vergangenen Wochen warfen ihm Führungsmitglieder der ehemaligen Rebellenorganisation und jetzt regierenden Sudanesischen Volksbefreiungsbewegung (SPLM) öffentlich „diktatorisches“ Verhalten vor.

          Südsudan, das im Jahr 2011 durch die Abspaltung von Sudan seine Unabhängigkeit erlangte, gilt als instabil und unterentwickelt. Allerdings verfügt das verarmte Land über große Ölreserven. In einem Bürgerkrieg wurden von 1983 bis zu einem Friedensabkommen im Jahr 2005 etwa zwei Millionen Menschen getötet.

          Weitere Themen

          Derek Chauvin wegen Mordes an George Floyd angeklagt Video-Seite öffnen

          Aufstand in Amerika : Derek Chauvin wegen Mordes an George Floyd angeklagt

          In Amerika sind in dieser Woche Hunderttausende Menschen auf die Straßen gegangen, um unter anderem für die Gerechtigkeit im Fall George Floyd und gegen Rassismus und Polizeigewalt zu demonstrieren. Der ehemalige Polizist Derek Chauvin ist fünf Tage nach dem Mord an Floyd festgenommen und wegen Mordes angeklagt worden.

          Ein Brief ist nicht genug

          KSK unter Verdacht : Ein Brief ist nicht genug

          Verquere Kameraden zu enttarnen reicht nicht aus, um die Reihen der Bundeswehr-Elitetruppe dauerhaft von Extremisten frei zu halten.

          Topmeldungen

          Der Start am Weltraumbahnhof in Florida

          Cape Canaveral : Erste bemannte SpaceX-Rakete erfolgreich gestartet

          Es ist der erste bemannte Weltraumflug Amerikas seit neun Jahren – die Privatfirma SpaceX hat ihre Crew-Dragon-Kapsel ins All geschickt. Der erfolgreiche Start der zweistufigen Rakete bedeutet eine grundsätzliche Abkehr von der Art und Weise, mit der Astronauten bisher in den Orbit befördert werden.
          Nicht nur am Mainufer, sondern auch an der Frankfurter Börse herrscht frühlingshafter Optimismus.

          Steigende Kurse trotz Krise : Das Börsenvirus

          Die Wirtschaft liegt noch am Boden, doch die Kurse an der Börse steigen und steigen. Kann die Wette auf die bessere Zukunft aufgehen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.