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Überfall in Nigeria : Ein Deutscher getötet, ein weiterer entführt

  • Aktualisiert am

Bei einem Überfall im Südwesten Nigerias ist ein Mitarbeiter eines Bauunternehmens getötet und ein weiterer entführt worden. Am diesem Montag weilt Außenminister Steinmeier zu politischen Gesprächen in der Hauptstadt Abuja.

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          In Nigeria ist ein deutscher Mitarbeiter des Bauunternehmens Julius Berger erschossen worden. Ein zweiter Deutscher wurde entführt. Das teilten die nigerianische Polizei und die Firma am Montag mit. Laut Polizei hatten mutmaßlich vier bewaffnete Männer am Freitagmorgen nahe der Stadt Sagamu im südwestlichen Bundesstaat Ogun das Feuer auf zwei Fahrzeuge eröffnet, in denen die Deutschen unterwegs waren. Ein Sprecher von Julius Berger sagte, die beiden Männer seien ohne Leibwächter unterwegs gewesen. Zu der Entführung bekannte sich zunächst niemand.

          Das Unternehmen äußerte sich nicht zu weiteren Details des Zwischenfalls, erklärte aber, man bemühe sich um die Freilassung des Verschleppten, der als Subunternehmer tätig ist.

          Ogun grenzt an die nigerianische Wirtschaftsmetropole Lagos und galt bislang als relativ sicher. Bis vor zwei Jahren herrschte weiter südlich, im ölreichen Niger-Delta, eine regelrechte Entführungswelle, von der insbesondere Ausländer betroffen waren. Die Entführungen haben aber aufgehört, seit die nigerianische Regierung eine Art Separatfrieden mit den dort aktiven  Rebellen des „Movement for the Emancipation of the Niger Delta“ (Mend)  geschlossen hatte. Damals waren auch Mitarbeiter von Julius Berger verschleppt  worden, indes nach kurzer Zeit mutmaßlich gegen Lösegeld wieder freigelassen worden. 

          Bisher keine Hinweise auf Boko Haram

          Ob unter Umständen die radikalen Islamisten von Boko Haram hinter dem Anschlag auf die beiden Deutschen stecken, war am Montag völlig ungewiss. Üblicherweise operiert Boko Haram nicht so weit südlich in Nigeria. Die Islamisten hatte 2012 im Norden des Landes einen deutschen Bauingenieur entführt, der Wochen später bei einer missglückten Befreiungsaktion getötet worden war.

          Am Montag hielt sich Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier zusammen mit seinem französischen Amtskollegen Laurent Fabius zu politischen Gesprächen in der nigerianischen Hauptstadt Abuja auf. Ob der Überfall auf die Deutschen damit in einem Zusammenhang steht, ist bislang unklar. „Das Auswärtige Amt ist mit dem Fall befasst“, sagte eine Sprecherin am Montag in Berlin. Weitere Angaben machte sie nicht.

          Treffen mit Präsident Goodluck Jonathan

          Steinmeier und Fabius wollen sich in der Region über die Sicherheitslage und die Ebola-Epidemie in Westafrika informieren. In Abuja treffen sie unter anderem den nigerianischen Präsidenten Goodluck Jonathan und Außenminister Aminu Wali.

          Die Außenminister Aminu Wali, Steinmeier und Fabius  an diesem Montag bei einer Presskonferenz in der nigerianischen Hauptstadt Abuja

          Mit rund 175 Millionen Einwohnern ist Nigeria das bevölkerungsreichste Land Afrikas und die stärkste Wirtschaftsmacht des Kontinents. Das Land wird seit Jahren vom Terror Boko Harams erschüttert.

          Für weltweites Entsetzen sorgte die Entführung von mehr als 200 Schülerinnen durch Boko Haram vor einem halben Jahr. Die Mädchen und jungen Frauen sind noch immer in der Hand der Terroristen. Erst vor wenigen Tagen wurden weitere Entführungen zahlreicher Mädchen und Angriffe im Norden des Landes gemeldet, die auf das Konto von Boko Haram gehen sollen.

          Nigeria wurde zuletzt auch von der Ebola-Epidemie getroffen. In den vergangenen Wochen hatte es dort mindestens 20 Infektionen gegeben, von denen acht tödlich verliefen. Am vergangenen Montag erklärte die Weltgesundheitsorganisation das Land jedoch offiziell für Ebola-frei.

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