https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/afrika/tunis-jagt-terroristen-komplizen-nach-anschlag-13492494.html

Anschlag auf Nationalmuseum : Tunis jagt die Komplizen der Terroristen

  • Aktualisiert am

Menschen in Tunis beten für die Opfer des Anschlages auf das Bardo-Museum Bild: AP

Präsident Essebsi kündigt nach dem Anschlag in Tunis einen „gnadenlosen“ Kampf gegen Terror an. Ob ein deutscher Staatsbürger getötet wurde, ist weiterhin unklar. Frankreichs Präsident Hollande bestätigte, dass zwei Landsleute unter den Opfern sind.

          1 Min.

          Nach dem Angriff auf ein Museum in Tunis hat die tunesische Führung einen „gnadenlosen“ Kampf gegen den Terror angekündigt. Präsident Béji Caïd Essebsi sagte, das Land werde „bis zum letzten Atemzug“ gegen seine Gegner kämpfen. „Diese grausamen Minderheiten jagen uns keine Angst ein“, sagte der tunesische Staatschef. „Ich möchte, dass das tunesische Volk versteht, dass wir uns in einem Krieg gegen den Terrorismus befinden.“  Im Herzen der Hauptstadt versammelten sich Tausende Tunesier, um ein Zeichen gegen den Terroranschlag zu setzen.

          Bewaffnete Angreifer hatten das Museum am Mittwoch gestürmt. Nach Angaben der Regierung starben 19 Menschen, darunter 17 Touristen, ein Busfahrer und ein Polizist. Auch zwei Angreifer wurden getötet. Mehr als 40 Menschen wurden verletzt. Zu dem Anschlag  bekannte sich zunächst niemand, jedoch trägt er die Handschrift radikaler Islamisten. Die tunesischen Behörden fahnden weiter nach möglichen Komplizen.

          Ob es ein deutsches Todesopfer gegeben hat, bleibt weiterhin unklar. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass Deutsche unter den Opfern seien, Gewissheit gebe es aber noch nicht, sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). „Unsere Botschaft in Tunis arbeitet gemeinsam mit den tunesischen Behörden daran, schnellstmöglich für Aufklärung zu sorgen.“

          Frankreich bestätigt Opfer

          Nach Angaben des französischen Präsidenten François Hollande waren unter den Todesopfern insgesamt zwei Franzosen. Er sprach von einem „furchtbaren Attentat“ und übermittelte den betroffenen Familien sein Mitgefühl und Tunesien seine Solidarität. Unter den Toten wurden nach Regierungsangaben bislang  fünf Japaner, vier Italiener, zwei Spanier, zwei Tunesier und zwei Kolumbianer identifiziert. Auch je ein Urlauber polnischer und australischer Herkunft seien gestorben. Die Identität eines Getöteten sei noch ungewiss.

          Nach Angaben von Regierungschef Habib Essid waren die Angreifer in Militäruniformen gekleidet und mit Kalaschnikows bewaffnet. Sie eröffneten demnach das Feuer auf die Touristen, während diese aus ihren Bussen stiegen, und jagten ihnen dann in das Innere des Gebäudes hinterher. Dieses liegt direkt neben dem Parlament.

          In Tunesien hatte Ende 2010 der sogenannte Arabische Frühling seinen Anfang genommen. Im Gegensatz zu vielen anderen arabischen Staaten machte Tunesien eine demokratische politische Entwicklung durch, die international vielfach gewürdigt wurde. Allerdings erlebte auch die bewaffnete Dschihadistenbewegung seit der Revolution einen Aufschwung.

          Anschlag auf Nationalmuseum : Trauer um die Opfer von Tunis

          Weitere Themen

          Das große Völkerbegräbnis

          FAZ Plus Artikel: Russland macht mobil : Das große Völkerbegräbnis

          Russland rekrutiert Zivilisten für den Ukrainekrieg. Die entlegenen und verarmten Regionen trifft es besonders hart. Die hochgerüsteten Ordnungshüter gehen brutal gegen Unwillige vor, doch dann werden die Soldaten oft unterversorgt an die Front geschickt. Ein Gastbeitrag.

          Topmeldungen

          Der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalnyj sitzt seit 2021 nach einem Schauprozess im Gefängnis. Das Bild zeigt ihn während eines Gerichtstermins, zu dem er per Videolink aus einer Strafkolonie zugeschaltet war.

          Krieg in der Ukraine : Wie Putin besiegt werden kann

          Nur der Übergang zur parlamentarischen Demokratie kann verhindern, dass das Russland nach Putin ein putinistisches Russland wird. Ein Gastbeitrag von Alexej Nawalnyj.
          Ein Läufer in Paris

          Geringere Inflationsrate : So hält Frankreich die Preise niedrig

          „Wir sind das einzige Land in der Eurozone, das den Anstieg von Gas- und Elektrizitätspreisen antizipiert hat“, rühmt sich die französische Regierung. In puncto Teuerungsrate zeigt ihr Kurs durchaus Wirkung.
          Rainer Maria Kardinal Woelki am 28. September 2022 bei einem Gottesdienst während der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz

          F.A.Z. exklusiv : Keine Ermittlungen gegen Woelki

          Die Kölner Staatsanwaltschaft hält die Erklärung des Kardinals an Eides statt für glaubwürdig. Sie folgt Woelkis vormaligem „unabhängigen Gutachter“ Gercke. Ein eigenes Bild macht sie sich nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.