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Terror in Tunesien : IS bezichtigt sich des Anschlags in Tunis

Armee mobilisiert: Wachtposten am Donnerstag vor dem Bardo National-Museum in Tunis Bild: dpa

Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ hat sich in einer Internetbotschaft des Anschlags auf ein Museum in Tunis bezichtigt. Die tunesische Armee wurde unterdessen in Alarmbereitschaft versetzt.

          Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) hat sich des Anschlags in Tunis bezichtigt. Die Extremisten veröffentlichten am Donnerstag im Internet eine entsprechende Audio- und Textbotschaft. Die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat sich zu dem Anschlag auf ausländische Touristen in Tunesien bekannt. In einer am Donnerstag im Internet verbreiteten Die Angreifer wurden darin als „Ritter des Islamischen Staates“ bezeichnet.

          Susanne Kusicke

          Redakteurin der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Unterdessen wurde in Tunesien die Armee zur Sicherung der großen Städte mobilisiert. Das teilte die Regierung nach einer Krisensitzung am Donnerstagnachmittag in Tunis mit. Soldaten sollten vor allem die Patrouillen an den Zufahrten in die Städte verstärken.

          Die beiden erschossenen Attentäter vom Mittwoch in Tunis wurden nach tunesischen Regierungsangaben mittlerweile identifiziert: Es handelt sich um zwei junge Männer namens Yassine Abidi und Hatem Khachnaoui. Das bestätigte der tunesische Ministerpräsident Essid am Donnerstag dem Sender RTL. Einer der beiden sei vor der Tat polizeibekannt gewesen und geheimdienstlich beobachtet worden. Nähere Angaben über die Gründe der Überwachung des jungen Mannes machte er nicht. Bisher hätten sich keine Hinweise darüber ergeben, ob die Attentäter einer Terrorgruppe angehört hätten.

          Neun Verdächtige wurden wegen möglicher Komplizenschaft festgenommen. Vier von ihnen stünden nach Erkenntnissen der Polizei „in direkter Verbindung“ mit dem Attentat vom Vortag, fünf weitere würden verdächtigt, mit der verantwortlichen „Zelle“ Kontakt gehalten zu haben.

          „Es war ein schrecklicher Tag für Tunesien“, sagte Essid. Für diesen Donnerstagnachmittag rief ein Bündnis von Gewerkschaften und anderen Organisationen zu einer Trauerkundgebung in der Nähe des Museums auf. Damit solle ein „Zeichen der nationalen Einheit im Kampf gegen den Terrorismus gesetzt werden“, erklärten die Veranstalter. Hunderte aufgebrachte Menschen hatten schon kurz nach dem Anschlag im Zentrum der Hauptstadt demonstriert. Das Museum soll nach Angaben des Kulturministeriums Anfang der Woche wieder für Besucher geöffnet werden.

          Offenbar keine Deutschen unter den Opfern

          Unter den Opfern des Anschlags in Tunis waren nach Angaben des Auswärtigen Amtes keine Deutschen. „Wir gehen davon aus, dass unter den Toten und den Verletzten keine deutschen Staatsangehörigen sind“, sagte ein Sprecher am Donnerstag in Berlin. Am Morgen war ein weiteres Opfer des Anschlags seinen Verletzungen erlegen. Die Zahl der Todesopfer erhöhte sich damit auf 25, nach anderen Angaben auf 21, darunter 20 Touristen. Der französische Staatspräsident Hollande sagte bei seiner Ankunft in Brüssel nach einem Bericht der Zeitung „Le Figaro“, möglicherweise sei ein dritter Franzose unter den Todesopfern.

          Zwei spanische Touristen, die den Anschlag in einem Versteck überlebt und dort stundenlang ausgeharrt hatten, wurden erst am Morgen in dem Museum entdeckt. Sie sagten, ein Mitarbeiter des Museums habe sie dort versteckt. Das berichtete ein tunesischer Zivilschutzhelfer. Die drei seien für eine Routineuntersuchung ins Krankenhaus gebracht worden.

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