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Tote Christen in Ägypten : Koptischer Papst wirft Mursi Fahrlässigkeit vor

  • -Aktualisiert am

„Wir brauchen Taten, nicht Worte“: Papst Tawadros II. Bild: AP

Nach dem Tod von mehreren ägyptischen Christen hat das Oberhaupt der koptischen Kirche Präsident Mursi Fahrlässigkeit vorgeworfen. Hunderte Muslime und Christen protestierten in Kairo gemeinsam gegen die Angriffe.

          Der koptische Papst Tawadros II. hat Ägyptens Präsident Muhammad Mursi „Fahrlässigkeit“ im Umgang mit der christlichen Minderheit des Landes vorgeworfen. Nach dem Tod von mindestens fünf Christen am Wochenende sagte das Oberhaupt der koptischen Kirche am Dienstagabend in einem Fernsehinterview, Mursi habe ihm zugesichert, alles in seiner Macht stehende zum Schutz der St.-Markus-Kathedrale in Kairo zu tun. „Aber das ist nicht das, was wir sehen“, sagte Tawadros II. zu Fernsehbildern, auf denen gezeigt wird, wie die Polizei die Kirche mit Tränengas beschießt. Am Sonntag fand dort die Trauerfeier für vier in der nördlich Kairos gelegenen Gemeinde Khusus getötete Kopten statt. Bei den Ausschreitungen rund um den Sitz des koptischen Patriarchats wurden zwei Menschen getötet.

          Tawadros II. bezeichnete die Vorfälle als „unverhohlenen Angriff auf unser Nationalsymbol, die Kirche Ägyptens“. In der zweitausendjährigen Geschichte der Christenheit in Ägypten sei das ohne Beispiel. „Wir brauchen Taten, nicht Worte“, sagte der vergangenes Jahr zum Nachfolger des verstorbenen Papstes Schenuda II ernannte Tawadros II. Der mangelnde Schutz der Kathedrale zeuge von „Fahrlässigkeit und einer schlechten Einschätzung der Ereignisse“. Der in der islamistischen Muslimbruderschaft politisch groß geworden Mursi hatte nach seinem Amtsantritt im vergangenen Sommer zugesichert, die auf rund zehn Prozent der 85 Millionen Ägypter geschätzten Kopten zu schützen. Am Dienstagabend protestierten in Kairo Hunderte Muslime und Christen gemeinsam gegen die Angriffe.

          Die antichristlichen Vorfälle der vergangenen Tagen lösten international Besorgnis aus. „Wenn mit der Markus-Kathedrale sozusagen der koptische Vatikan angegriffen wird, dann werden zugleich alle 18 bis 20 Millionen koptische Christen weltweit angegriffen“, sagte der koptische Bischof für Deutschland, Anba Damian. am Mittwoch dem Internetportal katholisch.de. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch forderte die ägyptischen Behörden auf, die Verantwortlichen für mögliches Polizeiversagen zur Rechenschaft zu ziehen. Schon am Sonntag hatte sich die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton „äußerst beunruhigt“ angesichts der Übergriffe gezeigt. Oppositionspolitiker forderten deshalb den Rücktritt von Innenminister Muhammad Ibrahim.

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