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Tote bei Krawallen in Ägypten : An einer neuen Front

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Überschattet von Gewalt: Ägypter feiern den 40. Jahrestag des Jom-Kippur-Krieges Bild: REUTERS

Ägyptens Armee feiert den Jahrestag des Oktober-Krieges von 1973. Überschattet werden die Feierlichkeiten von neuer Gewalt in Kairo, Alexandria und am Suez-Kanal. Mursi-Anhänger liefern sich Straßenschlachten mit der Polizei. Dutzende Menschen kommen dabei ums Leben.

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          Den Ton für den großen Feiertag hatte am Samstagabend Präsident Adli Mansur gesetzt. Die staatlichen Autoritäten würden „den viel gehassten Terrorismus und blinde Gewalt besiegen“, verkündete er in seiner Fernsehansprache zum vierzigsten Jahrestag des Oktober-Krieges gegen Israel von 1973. Die Herrschaft des Rechts werde den Bürgern ihre Freiheit zurückgeben, versprach er den neunzig Millionen Ägyptern. Doch der Freiheit kann sich bei weitem nicht mehr jeder Ägypter sicher sein. Mansurs Sprecher machte noch vor Beginn der Feierlichkeiten deutlich, wer ausgeschlossen bleibt: „Wer am Jahrestag des Sieges gegen die Armee demonstriert, ist kein Aktivist, sondern handelt im Auftrag von Agenten“, sagte Ahmad al Muslimani. Es sei nicht dienlich, die Angriffe auf Sicherheitskräfte auszuweiten zu einem „Kampf um die Nation“.

          Bei Zusammenstößen zwischen Gegnern des Armeechefs Abd al Fatah al Sisi und Sicherheitskräften sind am Sonntag mehr als 44 Menschen getötet und mehrere hundert verletzt worden. In Kairo, in Alexandria, am Suez-Kanal und in Oberägypten lieferten sich islamistische Unterstützer des gestürzten Präsidenten Muhammad Mursi Straßenschlachten mit der Polizei. Auf dem Tahrir-Platz feierten Tausende Anhänger Sisis den vierzigsten Jahrestag des Oktober-Kriegs gegen Israel 1973.

          Nicht auf den Tahrir-Platz

          Vierzig Jahre nach dem Einheit stiftenden Krieg gegen Israel kämpft die Armee an einer Front im Inneren. Mit aller Macht haben die neuen Herrscher in den vergangenen Tagen dafür gesorgt, dass die Anhänger des entmachteten islamistischen Präsidenten Muhammad Mursi nicht auf den symbolträchtigen Tahrir-Platz im Herzen von Kairo gelangen; sie sollen den mit Paraden und Flugstaffeln zur Schau getragenen Patriotismus nicht trüben. Zum Platz strömten im Laufe des Sonntags Tausende Demonstranten mit schwarz-weiß-roten Fahnen und Transparenten. Sie trugen Plakate, die den neuen starken Mannes in Ägypten zeigten: Armeechef Abd al Fattah al Sisi, der Mursi im Juli abgesetzt hatte.

          Seite an Seite mit den ebenfalls aus der Armee kommenden Präsidenten Gamal Abd al Nasser und Anwar al Sadat sieht man Sisi schon seit Wochen auf Postern im ganzen Land. Am Sonntag prangte das Gesicht des Generals überlebensgroß vom Gebäude der Mugamma, dem Verwaltungsungetüm an der Stirnseite des Tahrir-Platzes. Würde Sisi bei der Präsidentenwahl kommendes Frühjahr kandidieren, hätte er nach Umfrageergebnissen eine breite Mehrheiten hinter sich.

          Kraftprobe mit den neuen Machthabern

          Doch der vom Militär eingesetzten Regierung von Ministerpräsident Hazem al Beblawi gelingt es nur mit harter Hand, die Proteste der Muslimbruderschaft in Zaum zu halten: Strenge Militärkontrollen verursachten am Sonntagmittag lange Staus. Bewaffnete Zivilpolizisten durchsuchten Fahrzeuge in vielen Vierteln Kairos; Metalldetektoren an den Eingängen zum Tahrir-Platz sollten im Herzen der Hauptstadt für Sicherheit sorgen.

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