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Terror in Kenia : Angriff auf die Lebensader

  • -Aktualisiert am

Hilfloser Protest: Einwohner Mpeketoni nach dem Angriff Bild: REUTERS

Nach dem blutigen Anschlag in Kenia bekennt sich die Terrormiliz al Shabaab zu der Tat, doch der Präsident widerspricht. Er macht lokale Banden für den Anschlag verantwortlich. Will er nur Schaden für den Tourismus vermeiden?

          David Waweru hatte es sich im Innenhof des „Costa Rica Cafés“ vor dem Fernseher gemütlich gemacht. Eine Viertelstunde noch, dann sollte das Fußballspiel Frankreich gegen Honduras im fernen Brasilien beginnen, als plötzlich einzelne Schüsse zu hören waren, dann ganze Salven. Die Schießerei schien sich vor dem Polizeikommissariat von Mpeketoni abzuspielen, nur hundert Meter vom „Costa Rica Café“ entfernt. David nahm die Beine in die Hand. Er sah noch, wie die Gäste des gegenüberliegenden Hotels „Mama Monica“ auf ihre Zimmer rannten, wo sie sich in Sicherheit wähnten. Kurz darauf tauchten die ersten Angreifer auf – ebenso großgewachsen wie auffallend schlank und damit unschwer als Somalier zu erkennen.

          Somalier aus Somalia oder Somalier aus Kenia? Diese Frage jedenfalls hat Gewicht bekommen, seit der kenianische Präsident Uhuru Kenyatta am Dienstag nicht die radikale Miliz al Shabaab aus Somalia für das Massaker verantwortlich machte, sondern „lokale politische Kreise, die mit kriminellen Banden zusammenarbeiten, um aus politischen Gründen einen ethnischen Konflikt anzuzetteln“.

          Fehlende Koran-Kenntnisse bedeuteten Todesurteil

          David Waweru beobachtete, wie diese Männer das Hotel betraten, wie sie die Gäste aus den Zimmern holten und sie zwangen, sich vor dem Gebäude in den Straßenstaub zu legen. Dann begann das Verhör: Wer eine Sure aus dem Buch Mohammeds korrekt zitieren konnte, durfte gehen. Wer stotterte oder zögerte, wurde mit Kopfschuss hingerichtet. Andere Angreifer warfen derweil Brandsätze in Gebäude. Zwei Stunden sei das so gegangen, schilderte David Waweru am Dienstag einem Reporter der Nachrichtenagentur AFP die schlimmste Zeit seines Lebens, dann seien die Angreifer unbehelligt abgezogen. 49 Menschen blieben tot in den Straßen zurück.

          Die kenianische Polizei, die erst mit stundenlanger Verspätung in Mpeketoni eintraf, erging sich umgehend in Geschäftigkeit. Ein Offizier kündigte vollmundig den Einsatz von Überwachungsflugzeugen an, um die Terroristen zu stellen, bevor sie die rund 100 Kilometer entfernte Grenze nach Somalia überschreiten. Doch solche Gerätschaft gibt es gar nicht an der kenianischen Ostküste. Die Flugzeuge sind samt und sonders in Somalia im Einsatz, wo die kenianische Armee seit Oktober 2011 militärisch gegen die Islamisten von al Shabaab vorgeht. Dem Terrorkommando muss dies klar gewesen sein. Noch in der Nacht zum Montag überfiel das Kommando die Ortschaft Poromoko unweit von Mpeketoni. Wieder wurden die Bewohner nach ihren Islamkenntnissen befragt, wieder starben 15 Menschen einen unsinnigen Tod. Angeblich sollen die Angreifer auch zwei Dutzend Frauen verschleppt haben.

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