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Terror in Nigeria : Boko Haram zeigt Chibok-Mädchen

  • -Aktualisiert am

In dem von Boko Haram verbreiteten Video ist ein maskierter Mann zu sehen, der von Mädchen umgeben ist, die einige der entführten Schülerinnen aus Chibok sein sollen. Bild: Reuters

In einem Video fordert die nigerianische Terrorgruppe Boko Haram den Austausch von entführten Schülerinnen gegen Gesinnungsgenossen. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung lässt aufhorchen.

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          Die nigerianische Terrorgruppe Boko Haram hat am Wochenende abermals ein Video veröffentlicht, in dem einige der verschleppten 219 Mädchen von Chibok zu sehen sein sollen. Darin führt ein Geiselnehmer eine Art Interview mit einer der jungen Frauen, während im Hintergrund rund 50 weitere Geiseln zu sehen sind. Die Frau gibt ihren Namen mit Maida Yakubu an und fordert die nigerianische Regierung auf, gefangene Terroristen im Austausch für die Geiseln freizulassen. Diese Forderung erhebt Boko Haram seit fast zwei Jahren.

          Bislang scheiterte ein Abkommen daran, dass die Terroristen die Mädchen eins zu eins gegen Häftlinge tauschen wollen, während die nigerianische Regierung nur ein Dutzend Inhaftierte für alle Geiseln freilassen will. Boko Haram hatte im April 2014 ein Internat in der nordnigerianischen Stadt Chibok überfallen und dabei 219 Schülerinnen verschleppt. Bislang kam nur eine Geisel frei: sie wurde im vergangenen Mai von einer dörflichen Selbstverteidigungsgruppe an der Grenze zu Kamerun aufgegriffen. Trotz gegenteiliger Behauptungen kennt die nigerianische Armee bis heute nicht den Aufenthaltsort der Geiseln. In einer Sequenz des Videos sind auf dem Boden liegende weibliche Körper zu sehen, von denen es heißt, sie seien bei Luftangriffen der nigerianischen Armee getötet worden. Ob die Leichname echt sind und ob es sich dabei um Geiseln aus Chibok handelt, ist nicht zu ermessen.

          Interessant ist der Zeitpunkt der Veröffentlichung des Videos. Innerhalb der Terrorgruppe tobt ein Machtkampf zwischen dem bisherigen Anführer Abubakar Shekau und dem Sprecher der Gruppe, Abu Musab al Barnawi, seit dieser Anfang August vom „Islamischen Staat“ zum neuen Anführer von Boko Haram bestimmt wurde. Mutmaßlich ist der Grund für den Wechsel in den militärischen Niederlagen von Boko Haram in den zurückliegenden zwölf Monaten zu suchen. Boko Haram hatte sich im März 2015 dem IS angeschlossen. Es gilt als sicher, dass Abubakar Shekau die Chibok-Mädchen in seiner Gewalt hält. Alle bisherigen Videos der Geiseln stammen von ihm. Das jüngste Video interpretieren Sicherheitskreise in Nigeria als eine Machtdemonstration von Shekau, die sich weniger an die Regierung als vielmehr an die eigenen Leute richtet: Nur er, Shekau, sei in der Lage, gefangene Gesinnungsgenossen freizupressen, weil er das mächtigste Faustpfand besitzt.

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