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Südsudan : Weiter heftige Gefechte um Malakal

  • -Aktualisiert am

Kampfpause: SPLA-Kämpfer in Malakal Bild: AFP

Während die Friedensgespräche in Addis Abeba weiter ohne Ergebnis bleiben, dauert der Krieg in Südsudan in voller Heftigkeit an. Besonders umkämpft ist die ölreiche Region um Malakal.

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          Der seit rund einem Monat dauernde Krieg zwischen Regierungstruppen und Rebellen in Südsudan scheint sich inzwischen auf die Stadt Malakal zu konzentrieren, die im Zentrum der südsudanesischen Ölfelder „Block 5“ und „Block 7“ liegt. „Block 5“ wird vom französischen Erdölkonzern TotalFinaElf ausgebeutet, „Block 7“ von der chinesischen Staatsfirma „China National Petroleum Corporation“. Die Vereinten Nationen berichten am Mittwoch von Panzergefechten im Stadtzentrum. Ein Sprecher der Regierungstruppen bestätigte, dass es rund um die strategisch bedeutsame Stadt zu „schweren Gefechten“ gekommen sei.

          Am vergangenen Wochenende waren in Malakal zwischen 200 und 300 Flüchtlinge, darunter Frauen und Kinder, ertrunken, als sie sich auf die andere Seite des Nils retten wollten und ihr Boot dabei kenterte. Unbestätigten Angaben zufolge hatten die Rebellen des ehemaligen stellvertretenden südsudanesischen Präsidenten Riek Machar in der vergangenen Woche mehrfach versucht, Malakal einzunehmen, womit sie nicht nur die Hälfte der südsudanesischen Ölfördergebiete kontrollieren würden, sondern auch die Schifffahrt auf dem Nil unterbinden könnten.

          Seit Beginn der Kämpfe am 15. Dezember vergangenen Jahres halten die Truppen von Machar zudem die Stadt Bor, die ebenfalls am Nil liegt und deshalb ähnlich bedeutsam ist wie Malakal. Die südsudanesische Armee hat eigenen Angaben zufolge zu Wochenbeginn eine Offensive auf Bor gestartet. Ob diese bislang irgendwelche Ergebnisse gezeitigt hat, ist angesichts der Unzugänglichkeit der Kampfgebiete nicht zu überprüfen. Auch Hilfsorganisationen haben zurzeit so gut wie keinen Zugang zu den umkämpften Regionen. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki-moon, beschuldigte am Mittwoch beide Seiten, Lebensmittel für Flüchtlinge zu stehlen und Fahrzeuge der Hilfsorganisationen zu beschlagnahmen.

          „Weit mehr als 10.000 Tote“

          Die ugandische Regierung hatte bereits am Dienstag beschlossen, die Zahl der in Südsudan stationierten ugandischen Soldaten zu erhöhen. Angaben über die beabsichtigte Truppenstärke wurden indes nicht gemacht. Offiziell dient die Entsendung der ugandischen Armee dem Schutz der zahlreichen ugandischen Staatsbürger in Südsudan. Die Rebellen aber unterstellen Kampala, auf der Seite der Regierung von Präsident Salva Kiir in die Kämpfe eingreifen zu wollen.

          Ein Mitglied der Regierungstruppen in Mvolo nahe Rumbek

          In der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba gingen unterdessen am Mittwoch die Verhandlungen um einen Waffenstillstand zwischen den Regierungstruppen und den Rebellen weiter. Signifikante Fortschritte waren dabei trotz massiven Einflusses nicht zuletzt der amerikanischen Regierung indes nicht zu verzeichnen. Die Rebellen verlangen offenbar als Bedingungen für weitere Gespräche die Freilassung von elf Persönlichkeiten, die dem ehemaligen stellvertretenden Präsidenten nahestehen und die gleich zu Beginn der Auseinandersetzungen festgenommen worden waren, darunter mindestens zwei Minister. Die Regierung in Juba besteht indes darauf, die Festgenommenen wegen des Verdachts auf Hochverrat vor Gericht zu stellen.

          Die Kämpfe im jüngsten Staat der Welt waren Mitte Dezember ausgebrochen, als Präsident Salva Kiir seinen zuvor entmachteten Stellvertreter Riek Machar beschuldigte, einen Staatsstreich zu planen. Machar bestreitet dies und beschuldigt seinerseits Kiir „diktatorischer Tendenzen“. Der Konflikt in Südsudan hat eine starke ethnische Komponente: Machar gehört zur Ethnie der Nuer, Kiir ist ein Dinka. Seit der Unabhängigkeitserklärung Südsudans im Juli 2011 beschuldigen die Nuer die Dinka, die Macht zu monopolisieren und sich hemmungslos zu bereichern. Wie viele Opfer der Krieg seit Ausbruch der Kämpfe am 15. Dezember vergangenen Jahres gefordert hat, ist unbekannt. Die Vereinten Nationen sprechen von „weit mehr als 10.000 Toten“ und beziffern die Zahl der Flüchtlinge mit mehr als 350.000 Menschen.

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