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Lesotho : Blut und Wasser

  • -Aktualisiert am

Situation in Lesotho „explosiv“

Worauf es ankommt, ist diese Zahl: 35.000. So viele Arbeitsplätze haben die Chinesen in Lesotho geschaffen. Sollten die wegfallen, weil die Zollvergünstigungen abgeschafft werden, würden diese 35.000 Lesother am nächsten Morgen ihre Arbeitskraft jenseits der porösen Grenze in Südafrika feilbieten. Das will Pretoria auf jeden Fall verhindern, weil ansonsten die Gefahr bestünde, dass sich in Südafrika fremdenfeindliche Ausschreitungen wiederholen, wie sie zuletzt Anfang des Jahres die Hafenmetropole Durban erschütterten.

Der südafrikanische Präsident Jacob Zuma zieht die Reißleine und bezeichnet die Situation in Lesotho öffentlich als „explosiv“. Einem Reporter der Zeitung „The Times“ werden Informationen darüber zugespielt, was die südafrikanische Armee im Fall des Falles alles aufbieten könne. Da ist von Panzern die Rede, von Kampfhubschraubern und von den berühmt-berüchtigten Recce-Kommandos aus Phalaborwa, einer Spezialeinheit, die es angeblich selbst mit dem britischen SAS aufnehmen kann. Doch das Säbelrasseln ist vor allem eines: ein Eingeständnis, als Vermittler gescheitert zu sein.

Abermals wird ein SADC-Gipfeltreffen zu der Krise in Lesotho einberufen, abermals wird Ramaphosa beauftragt, eine Lösung zu finden. Ein Erfolg ist auch deshalb wichtig, weil Ramaphosa Zuma in nicht allzu ferner Zukunft als südafrikanischer Präsident beerben soll. Wie aber soll Zuma diese Nachfolge vor dem ANC rechtfertigen, wenn sein Kronprinz nicht einmal dieses winzige Lesotho und damit die Wasserversorgung Südafrikas unter Kontrolle bekommt? Das Chaos in Lesotho droht sich zu einer ernsten innenpolitischen Krise in Südafrika zu entwickeln.

In Lesotho aber will keiner mehr mit Ramaphosa sprechen. Nicht die Opposition, die ihn für den Amoklauf des Armeechefs verantwortlich macht, und auch nicht Ministerpräsident Mosisili, der den Südafrikanern unterstellt, Partei für seinen Widersacher Thabale zu ergreifen. Ramaphosa greift abermals tief in seine Trickkiste: Für die Aufklärung der Todesursache von General Mahao werden zwei südafrikanische Pathologen nach Maseru beordert. Das wirkt auf den ersten Blick hilflos, denn schließlich weiß jeder, dass der Mann an drei Schüssen in den Kopf starb. Doch die Pathologen sollen die tödlichen Geschosse aus Mahaos Gehirn pulen, um das Kaliber festzustellen, damit die Munition zweifelsfrei zur lesothischen Armee zurückverfolgt werden kann. Was in deren Arsenal lagert, wissen die Südafrikaner ganz genau, denn sie sind der wichtigste Waffenlieferant der lesothischen Armee. Der abschließende Bericht wird eine eindeutige Schuld der Armeeführung feststellen und das Gütesiegel der SADC tragen, was dem lesothischen Ministerpräsident Mosisili keine andere Wahl lassen wird, als General Kamoli zu entmachten. So weit, so clever.

Was aber, wenn Kamoli nicht freiwillig geht? „Dann bleibt nur noch militärisches Eingreifen“, sagt der ehemalige Innenminister Joang Molapo. Das bedeutet Kämpfe, Zerstörungen, Neuwahlen, Koalitionskrisen und jahrelanger Wiederaufbau. Bis 2018 werden die drei von Südafrika dringend benötigten Talsperren unter diesen Umständen niemals fertiggestellt werden. Womit der südafrikanischen Provinz Gauteng auf absehbare Zeit Wasserknappheit und in der Folge soziale Unruhen ins Haus stehen. „Dabei wollten wir nur ein Wasserkraftwerk“, seufzt Molapo.

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