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Lesotho : Blut und Wasser

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Mit dem ehemaligen Bergarbeiter Metsing ist der ehemalige Gewerkschaftsführer Ramaphosa seit vielen Jahren persönlich befreundet. Mosisili wiederum ist der alte Bekannte, nach dem sich die Südafrikaner bei den Verhandlungen in Sandton gesehnt hatten. Mosisili war 1998 nach der Militärintervention Südafrikas in Lesotho an die Macht gekommen. Er steht in der Schuld der Südafrikaner und wird bestimmt kein Wasserkraftwerk fordern, sondern einfach die Schleusen öffnen.

Wahlsieger von Südafrikas Gnaden: Lesothos Ministerpräsident Mosisili

Der wahre Herrscher im Land

Die Neuwahlen werden auf Februar 2015 terminiert. Ramaphosa veranlasst, dass der nach Südafrika geflohene Ministerpräsident Thabane bei seiner Rückkehr nach Lesotho von zwei Dutzend südafrikanischen Elitepolizisten beschützt wird. Seine Wahlkampfauftritte wirken deshalb genauso, wie von Ramaphosa beabsichtigt: Ein kleiner Mann, der sich hinter den breiten Schultern schwerbewaffneter Ausländer verschanzen muss. Der Plan geht auf. Mosisili gewinnt die Wahl und koaliert mit Metsing. Bis Generalstabschef Kamoli gewaltsam gegen Oppositionspolitiker vorgeht. Kamoli ist der Meinung, die neue Regierung wäre ohne seinen kleinen Putschversuch im Jahr zuvor nie an die Macht gekommen, und deshalb führt er sich auf, als sei er der wahre Herrscher im Land.

Einer der Gründer der „All Basotho Convention“, Thabiso Tosane, wird vor seinem Haus erschossen. Die Mörder tragen Armeeuniformen. Kurze Zeit später werden in Maseru einem fassungslosen Richter 27 Soldaten unter dem Vorwurf vorgeführt, einen Putsch geplant zu haben. Die Angeklagten bluten aus Nasen und Ohren. Einige sind so schlimm gefoltert worden, dass sie nicht mehr stehen können. Ihr Vergehen besteht einzig und allein darin, Generalstabschef Kamoli den Kadavergehorsam verweigert zu haben.

Ende Juni bringt der Mord an Kamolis ärgstem Gegner, Generalleutnant Maaparankoe Mahao, das Fass endgültig zum Überlaufen. Wieder fliehen die wichtigsten Oppositionspolitiker, aber auch Journalisten und Menschenrechtsaktivisten außer Landes. Die Witwe Mahaos beschuldigt Ramaphosa in einem offenen Brief, die Verantwortung für den Mord an ihrem Mann zu tragen, weil der Südafrikaner nichts gegen Kamoli unternommen habe. Ramaphosa steht vor einem Scherbenhaufen. Statt den Bau der drei neuen Talsperren durch einen Regierungswechsel voranzubringen, hat er Südafrika ein diplomatisches Fiasko beschert.

Sehr zum Verdruss der Südafrikaner mischen sich Anfang Juli auch noch die Amerikaner ein. Washington unterhält als einzige westliche Nation eine Botschaft in Lesotho. Der Grund dafür ist die diplomatische Vertretung der Chinesen in Maseru und die Tatsache, dass chinesische Unternehmer groß in die Textilindustrie des Landes eingestiegen sind. Man kann auch sagen: Sie haben diese Industrie erfunden. Lesotho ist eines jener Länder, die von dem amerikanischen Agoa-Programm (African Growth and Opportunity Act) profitieren. Lesotho darf Waren zollfrei nach Amerika exportieren. Seither lassen chinesische Unternehmer in Lesotho Jeanshosen im Akkord nähen. Das war so nicht geplant, und es ist deshalb schwer einzuschätzen, ob die Drohung der Amerikaner, Lesotho aus dem Agoa-Programm zu werfen, der politischen Krise geschuldet ist oder ob diese nicht vielmehr als Vorwand genutzt wird, ein Programm einzustellen, von dem offensichtlich die Falschen profitieren.

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